+
Haben verschiedene Richtungen im Blick: Gauland (M.) und Meuthen (r.; hier im Oktober 2019).

Zukunft

Wer sind wir - und wie viele?

  • schließen

AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen und Tino Chrupalla streiten sich über die Zukunft der „Flügel“-Mitglieder.

Die beiden AfD-Chefs zerstreiten sich öffentlich über den Kurs der Partei: Nach dem Vorschlag des einen Parteivorsitzenden Jörg Meuthen, über eine mögliche Teilung der Partei zu sprechen, zeigt sich sein Ko-Chef Tino Chrupalla jetzt über den unabgesprochenen Vorstoß „einigermaßen überrascht – und menschlich enttäuscht“. Das sagte Chrupalla am Donnerstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die Einheit der Partei stand nie zur Debatte, und sie wird niemals zur Debatte stehen“, sagte Chrupalla weiter.

Unterstützung erhielt er vom AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland: „Die Überlegungen von Jörg Meuthen sind wenig zielführend und extrem unpolitisch“, kritisierte Gauland, der auch der AfD-Bundestagsfraktion vorsteht. Das militärische Motto „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ setze eine einheitliche Führung voraus, und genau die wolle Meuthen jetzt beseitigen. Zwei Parteien würden sich im Gegeneinander aufreiben, statt sich im Miteinander zu stärken, warnte Gauland seine Parteifreunde. Meuthen bleibt bei seinem Vorschlag einer geplanten Teilung der Partei und wünscht sich eine Entscheidung in den kommenden neun Monaten. „Wir sollten in Ruhe darüber diskutieren, aber dann auch bis Ende des Jahres zu einer Entscheidung kommen“, sagte er am Donnerstag.

Der Parteichef argumentiert hauptsächlich wirtschafts- und sozialpolitisch. Die Gegensätze zwischen einem „freiheitlich-konservativen“ Lager, zu dem sich Meuthen zählt, und der eher staatsorientieren und völkischen „sozialpatriotischen“ Strömung des früheren „Flügels“ seien nicht zu überbrücken. „Der sogenannte sozialpatriotische Kurs des Flügels kann niemals Kurs der Gesamtpartei sein“, sagte Meuthen. „Nach meiner Einschätzung sind beide Gruppierungen in der Partei eindeutig stark genug, eigenständig bestehen zu können, zumal dies erhebliche zusätzliche Wählergruppen anders als bisher erreichbar machte“, legte Meuthen auf seiner Facebook-Seite nach. „Ich möchte eine strategische Diskussion ohne Denkverbote und sinnlose Tabus“, schrieb Meuthen.

Der Wortführer der national-sozialen Strömung der Partei, Björn Höcke, nannte Meuthens Idee auf Facebook „töricht und verantwortungslos“. Er forderte, dass sich die AfD vor allem an Arbeiter, Angestellte und „kleine Selbstständige“ richten solle, „die die ersten Opfer der Globalisierungspolitik des Establishments sein werden“. Der Verfassungsschutz hatte den von Höcke gegründeten „Flügel“ im März als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft.

Der Bundesvorstand der Partei hatte den informellen Zusammenschluss daraufhin zur Selbstauflösung aufgefordert. Kalbitz und Höcke kamen dieser Aufforderung nach. Meuthen reicht das nicht. „Der Flügel hat den Fehler gemacht, die Schotten nach rechts außen nicht zu schließen“, sagte er. Er selbst habe dessen laut Verfassungsschutz rechtsextremistische Bestrebungen erst nach und nach erkannt. So trat Meuthen noch 2017 auf dem „Kyffhäusertreffen“ des „Flügels“ auf. „Ich habe meine Meinung zum Flügel durch sehr sorgsame Beobachtung schrittweise geändert“, sagt er heute.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion