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Jens Südekum.

Wirtschaft

Wer sind Gewinner und Verlierer des Handelskrieges?

Donald Trump steht für eine chaotische Handelspolitik, willkürliche Strafzölle und Konflikte an vielen Fronten. Ein Blick auf die Wirtschaft unter US-Präsident Trump.

Zwei Jahre US-Präsident Donald Trump, das sind zwei Jahre chaotische Handelspolitik, willkürliche Strafzölle und Konflikte an vielen Fronten. Und wozu das alles? Weil er und viele seiner Anhänger einem hartnäckigen Missverständnis aufsitzen: dass nämlich andere Länder die Vereinigten Staaten beim internationalen Warentausch über den Tisch ziehen, was sich am riesigen amerikanischen Handelsbilanzdefizit zeige.

Natürlich ist das Unsinn. Niemand hindert Amerika zu exportieren, was es auch kräftig tut. Das Defizit besteht, weil amerikanische Konsumenten noch mehr importieren. Der Status des Dollar als Leitwährung verleiht ihnen dieses Privileg des schuldenfinanzierten Konsums. Mit unfairer Behandlung hat das wenig zu tun. Wollte Trump wirklich das Defizit reduzieren, müsste er Amerika einer Diät unterziehen und sparen. Tatsächlich macht er das Gegenteil.

Parallel zu den Zöllen fährt er ein expansives Ausgabenprogramm, um kurzfristige konjunkturelle Erfolge zu feiern. Dadurch schwillt die Importnachfrage weiter an. Es überrascht daher nicht, dass das Handelsbilanzdefizit trotz der Strafzölle gestiegen ist: von 795 Milliarden Dollar 2017 auf über 800 Milliarden im vergangenen Jahr.

Diese widersprüchliche Politik produziert viele Verlierer, vor allem in den USA selbst. Vereinzelt entstehen durch Zölle zwar neue Arbeitsplätze – etwa in der Stahlindustrie. Sie ist eine der Lieblingsbranchen von Trumps Handelsbeauftragtem Robert Lighthizer, der Einfuhrzölle damit rechtfertigt, dass Stahlimporte die nationale Sicherheit bedrohten. Weitaus mehr Jobs geraten aber in Branchen in Gefahr, die von importierten Vorprodukten abhängen und mit höheren Preisen konfrontiert sind; oder die unter Vergeltungszöllen der düpierten Handelspartner leiden. Ein Beispiel sind die Entlassungen beim Autohersteller General Motors. Wenn Trumps schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm – das momentan viel kaschiert – ausläuft, werden weitere Kollateralschäden sichtbar.

Fairerweise muss man sagen, dass Trump es zumeist bei heißer Luft belässt. Das Nafta-Abkommen mit Kanada und Mexiko drohte er komplett zu kippen, um es dann unter neuem Namen (USMCA) praktisch unverändert fortzuführen. Der EU drohte er mit Strafzöllen auf Autoimporte, machte dann aber eine vorläufige Kehrtwende und brachte ein Freihandelsabkommen ins Gespräch. Schädlich ist diese unberechenbare Politik trotzdem, denn sie hält Firmen von Investitionen ab.

Unnachgiebig gegenüber China

Nur gegenüber China zeigt Trump sich bislang unnachgiebig. Mittlerweile hat er Zölle auf ein Importvolumen von 250 Milliarden Dollar verhängt. Hierfür scheint es zunächst gute Gründe zu geben, denn China ist wahrlich kein Musterknabe des Freihandels. Es behindert den Marktzugang für ausländische Investoren, zahlt seinen Exportfirmen verdeckte Beihilfen, saugt geistiges Eigentum ab. Viele Länder haben ein Interesse daran, diese Praktiken zu unterbinden.

Der geeignete Ort hierfür wäre die Welthandelsorganisation in Genf. Dort könnte sich Amerika Bündnispartner suchen, darunter Europa, um die Institution und die internationalen Wettbewerbsregeln zu reformieren. So ließe sich auch China stärker einhegen. Aber Donald Trump hat sich für einen anderen Weg entschieden: die Brechstange. Das multilaterale System des regelgebundenen Welthandels entwickelt sich dadurch gerade zu einem Dschungel, in dem nur noch das Recht des Stärkeren gilt. Langfristig ist das der größte Schaden, den Trump mit seiner Handelspolitik angerichtet hat.

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