+
Hubert Aiwanger, studierter Landwirt und der starke Mann der Freien Wähler in Bayern.

Bayernwahl

Wer sind eigentlich die Freien Wähler?

  • schließen

Die Freien Wähler wollen in Bayern mitregieren, Parteichef Hubert Aiwanger hält drei Ministerien für realistisch. Aber wer sind sie eigentlich und für welche Inhalte stehen sie?

Kaum waren am Sonntagabend die ersten Hochrechnungen bekannt geworden, schienen auch schon die Sondierungsgespräche zwischen der CSU und den Freien Wählern (FW) zu beginnen. Vor laufenden Kameras, in der Spitzenkandidaten-Runde des ZDF, warfen CSU-Ministerpräsident Markus Söder und FW-Chef Hubert Aiwanger einander ermutigende Blicke zu. Aiwanger bekundete die Gesprächsbereitschaft seiner Partei, die aus den Wahlen mit 11,6 Prozent als drittstärkste Kraft hervorgegangen ist – und präsentierte gleich am Montagmorgen seine zentrale Forderung für eine Koalition: „Drei Stück an Ministerien werden wohl realistisch sein.“ Die geschwächte CSU braucht einen Koalitionspartner. Sie hat die Wahl: Mit den Grünen kämen die Christsozialen im Landtag auf eine komfortable Mehrheit von 123 Abgeordneten.

Mit den Freien Wählen wären es zwar elf weniger. Das Regieren dürfe jedoch mit der auf kommunaler Ebene tief verankerten Kraft deutlich konfliktärmer ausfallen als mit den Ökos. CSU und Freie Wähler stehen sich inhaltlich und kulturell nah. Die Freien Wähler seien Fleisch vom Fleische der CSU, heißt es in Bayern oft.

Die Partei ist seit zehn Jahren im bayerischen Landtag vertreten. Dort tritt sie konservativ und pragmatisch auf. Partei- und Fraktionschef Aiwanger, begeisterter Janker-Träger, prägt das Erscheinungsbild der Freien Wähler. Der 47-Jährige gibt sich gern unideologisch und bürgernah – in Abgrenzung zu den von ihm als abgehoben geschmähten Herren von der CSU. Seit Sonntagabend aber hebt der studierte Landwirt aus Niederbayern immerzu die „Schnittmengen“ zwischen seiner Partei und der CSU hervor.

So sei auch ihm daran gelegen, schnell eine stabile Regierung zu bilden, betont Aiwanger. Er habe nicht vor, „in taktischen Spielchen“ den Preis für einen Eintritt der Freien Wähler in die Regierung hochzutreiben. „Wir brauchen uns nicht wie eine Prinzessin gerieren“, sagte Aiwanger am Montagmorgen im Deutschlandfunk.

In sozial- und regionalpolitischen Fragen standen die Freien Wähler der SPD bisher oft näher als der CSU. So fordern die Freien Wähler eine kostenfreie Kita und den Erhalt von Krankenhäusern und Bestandskliniken im ländlichen Raum. Angesichts der in München gut gefüllten Staatskasse dürften Differenzen hier überbrückbar sein.

Inhaltliche Überschneidungen gibt es beim Thema Einwanderung. Auch er sei ein „Kritiker von Merkels Asylpolitik“, betont Aiwanger stets. Jedoch befürwortet der FW-Chef im Gegensatz zur CSU, dass abgelehnte Asylbewerber, die arbeiteten und integriert sind, in Deutschland bleiben dürfen. Den „Spurwechsel“ vom Asyl- ins Einwanderungsrecht sieht er als Gebot wirklichkeitsnaher Politik.

Dissens gibt es auch in der Energie- und Verkehrspolitik: Die Freien Wähler sind gegen den Bau geplanter Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland. Zudem lehnen sie den Bau einer dritten Startbahn am Münchener Flughafen strikt ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion