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Es heißt, sie führe ihren Stab mit eiserner Hand: Wahlsiegerin in Myanmar Suu Kyi.

Myanmar

Der Siegeszug von Suu Kyi

Die Myanmarer haben mit dem Militär abgerechnet. Sie jagen die Ex-Generäle an der Wahlurne davon. Kann die Opposition die hohen Erwartungen einer neuen Ära erfüllen?

Nach fast 15 Jahren Hausarrest, Demütigungen und Rückschlägen steht Aung San Suu Kyi vor der Triumph ihres Lebens. Die Friedensnobelpreisträgerin hat Generäle und Ex-Generäle an der Wahlurne besiegt, wie erste Ergebnisse der Wahlen zeigen. Ihre Nationalliga für Demokratie (NLD) durfte nach vorläufigen Eindrücken von Wahlbeobachtern mit der absoluten Mehrheit rechnen. Sie will die Mammutaufgabe anpacken, ihr heruntergewirtschaftetes Land aus dem Sumpf zu ziehen, wie die 70-Jährige vor der Wahl sagte. "Ich hoffe, dass die Herausforderung das Beste aus mir herausbringt."

Die Parteiführerin hat einiges gemeinsam mit dem Erkennungszeichen der NLD, einem goldenen Pfau. An sich ist das ein schillernd schönes Tier. Auf der NLD-Fahne ist es aber als furchtloser Angreifer dargestellt, der in Kampfpose nach den Sternen greift.

Die zierliche Suu Kyi ist auch stets wie aus dem Ei gepellt, sie trägt elegante Longyis, wie die myanmarischen Wickelröcke heißen, und duftende Blumen im Haar. Sie beeindruckt Besucher mit ihrem Anmut und ihrem leisen Humor. Tauchen aber Widersacher in ihrem Umfeld auf, wird Suu Kyi knallhart. Sie schießt vernichtende Blicke wie Giftpfeile ab. Das kann auch Weggefährten treffen. Die große Teamplayerin ist Suu Kyi nach deren Angaben nicht.

Als große Herausforderungen nennt der Myanmar-Experte der Australischen Nationaluniversität (ANU), Nicholas Farrelly, die Armut, die Ausgrenzung von Minderheiten, Rivalitäten zwischen Ethnien und Religionen. "Eine Regierung mit starkem Rückhalt in der Bevölkerung hat die besten Chancen, erfolgreich zu sein", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. "Sie hat aber kaum so viel Handlungsspielraum, wie die Menschen denken. Nach fünf Jahrzehnten Militärmacht bleibt das Militär die oberste politische Institution im Land. Es wird Jahre dauern, bis sein Einfluss schwindet."

Da sind zuerst mal die 166 Abgeordneten im Parlament, ein Viertel aller Mandatsträger, die das Militär aus seinen Reihen ernennt. Sie können mit ihrem Stimmanteil jede Änderung der Verfassung blockieren - zum Beispiel auch den Passus, der ihnen 25 Prozent der Sitze sichert. Suu Kyi ist das ein Dorn im Auge. "Wenn sie darauf besteht, die Verfassung zu ändern, ist die Konfrontation programmiert", warnt Richard Horsey von der Organisation International Crisis Group. 1990 hat das Militär schon einmal ein Wahlergebnis ignoriert: auch damals hatte die NLD haushoch gewonnen.

Das Militär hat Blut an den Händen, seit es 1988 einen Aufstand von Studenten und 2007 von Mönchen niederschlug, mit Dutzenden Toten. Hunderte Dissidenten saßen jahrelang in Foltergefängnissen. Eine davon ist Ärztin und Schriftstellerin Ma Thida, die sieben Jahre eingekerkert war. Dennoch wirbt sie heute für behutsames Einbinden des Militärs in alle politischen Gespräche. "Die Armee ist sich bewusst, dass sie gehasst wird", sagt sie. "Sie wird nun zeigen wollen, dass sie sich gewandelt hat und nicht mehr die Armee der düsteren Tage ist." (dpa)

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