So sehen Sieger aus: Lazarus Chakwera in Malawi.
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So sehen Sieger aus: Lazarus Chakwera in Malawi.

Afrika

Sieg der Zivilgesellschaft

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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In Malawi kann sich Herausforderer Chakwera bei der wiederholten Präsidentenwahl durchsetzen. Ex-Amtsinhabert Mutharika hatte sich eine Wiederwahl erschleichen wollen.

Hätte sich ein Fremder am Samstagabend auf Lilongwes Straßen verirrt, hätte er den Eindruck gewinnen müssen, Malawi sei soeben Fußballweltmeister geworden. Fähnchenschwingende Menschen, die sich in die Arme fielen; hupende Autos, aus deren Fenstern sich frenetisch winkende Passagiere beugten; Feuerwerk, das den Himmel der malawischen Hauptstadt aufleuchten ließ. Unterdessen übten sich die sozialen Netzwerker in Pathos: „Ich bin geehrt, eine Malawierin zu sein“, postet eine gewisse Captain Melo. „I am deep in my feels“, fügt eine sich „Happy New Malawi“ nennende Twitterin hinzu. „Afrika wird noch zu unseren Lebzeiten großartig sein“, ist Muzungu Hirwa überzeugt.

Der Anlass des Überschwangs: Chifudo Kachale, Vorsitzender der malawischen Wahlkommission, gab soeben die Ergebnisse der Präsidentenwahlen bekannt. Und die hat ausnahmsweise einmal nicht der Amtsinhaber, sondern sein Herausforderer gewonnen. Vor 13 Monaten war das Ergebnis noch umgekehrt ausgefallen: Damals hatte Peter Mutharika Lazarus Chakwera noch knapp den Rang abgelaufen. Das Verfassungsgericht hatte den damaligen Urnengang jedoch für ungültig erklärt, unter anderem weil zahlreiche Wahlzettel mit Tipp-Ex „korrigiert“ worden waren. Diesmal kam die von Chakwera angeführte „Tonse-Allianz“ auf fast 60 Prozent der Stimmen, während sich Mutharika mit knapp 40 Prozent zufriedengeben musste.

Es war das zweite Mal in Afrikas Geschichte, dass Richter eine Wahl für ungültig erklärten. Und das erste Mal, dass bei der Wiederholung der Abstimmung die Gegenseite gewann. Die jüngsten Vorgänge in Malawi wurden nicht nur auf dem Kontinent mit großem Interesse verfolgt. Sie werden als Sieg der Zivilgesellschaft, der Gewaltenteilung und Demokratie gewertet. Das ganze Jahr über waren Tausende Malawier immer wieder auf die Straße gegangen und von der Polizei verprügelt worden; mehr als 200 von ihnen landeten im Gefängnis. Unterdessen zeigten die malawischen Richter sowohl Rückgrat als auch Durchhaltevermögen. Selbst Bestechungsversuche erweichten sie nicht. Schließlich blieb Amtsinhaber Mutharika nichts anderes übrig, als noch am Samstagabend seine Niederlage einzuräumen.

Nicht ohne seinen Widerwillen gegen den Vorgang zu Protokoll zu geben. Die Wahlen seien von zahlreichen Unregelmäßigkeiten – auch physischer Gewalt gegenüber seinen Anhängern – geprägt gewesen, schalt Mutharika: „Der schlechteste Urnengang in der Geschichte Malawis.“

Das Militär hält sich zurück

Dagegen sprachen die einheimischen Wahlbeobachter von einer „freien und fairen“ Abstimmung. Wegen der Corona-Pandemie gab es dieses Mal keine Beobachter aus dem Ausland. Das letzte Mal hatten sowohl die Entsandten der Afrikanischen Union als auch der Europäischen Union dem später annullierten Urnengang ihren Segen erteilt – ein peinliches Kapitel der internationalen Wahlbeobachtung.

Mutharika schreckte allerdings davor zurück, die Wahlen nicht anzuerkennen. Vermutlich wird er den Urnengang auch nicht vor Gericht anfechten. Der seit sechs Jahren regierende Präsident räumte am Sonntag freiwillig die Residenz. Ihm muss zugutegehalten werden, dass er sein Land nicht mit sich ins Verderben riss. Beobachter loben, dass sich das Militär vorbildlich aus dem Konflikt herausgehalten habe: Die Generäle hätten Mutharika wissen lassen, dass sie für einen Putsch nicht zu haben sind.

Der neue Präsident hat die Macht bereits am Sonntag mit seiner Inauguration in Lilongwe übernommen. Lazarus Chakwera (65) studierte einst in Südafrika und den USA Theologie und war danach in seiner Heimat als Priester einer Pfingstkirche tätig, bis er sich vor wenigen Jahren der Politik zuwandte.

Der neue Präsident versprach seinen Landsleuten, aus dem drittärmsten Staat der Welt ein Land mit mittlerem Einkommen zu machen. Dafür sollen eine Million Arbeitsplätze geschaffen und der Korruption der Kampf angesagt werden. In seinem Unterfangen wird Chakwera auf jede Unterstützung angewiesen sein. „Thank you, my Lord Jesus“, postete er nach seinem Wahlsieg auf Twitter.

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