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Viel ist ihnen nicht geblieben: äthiopische Flüchtlinge in einem Camp im Sudan. Ratner/RTR

Äthiopien

Sieg mit Fragezeichen

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Äthiopiens Premier Abiy Ahmed erklärt seinen Feldzug in der aufständischen Provinz Tigray für beendet – offenbar vorschnell.

Die Lage in Mekelle, der Hauptstadt der aufständischen äthiopischen Provinz Tigray, war auch am Sonntag noch unklar – obwohl Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed bereits am Samstagabend die Einnahme der 500 000 Einwohner:innen zählenden Stadt durch die Regierungstruppen bekanntgegeben hatte. „Wir haben unsere militärische Operationen in Tigray erfolgreich abgeschlossen“, teilte Abiy in der Nacht zum Sonntag über Twitter mit. „Die Regierungstruppen haben die Stadt Mekelle völlig unter Kontrolle.“

Ebenfalls über Twitter wurden dagegen auch am Sonntag noch Gefechte in und um die Stadt gemeldet, unter anderem sei auch ein Krankenhaus unter Beschuss genommen worden. Meldungen aus Mekelle sind allerdings mit Vorsicht zu behandeln, da die Stadt seit mehr als drei Wochen von der Außenwelt abgeschnitten ist. Am Samstag hatte Debretsion Gebremichael, Chef der aufständischen Tigrayischen Volksbefreiungsfront (TPLF), gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einem „schweren Bombardement“ Mekelles gesprochen. Auch der TV-Sender der Stadt berichtete von Artilleriebeschuss und Luftangriffen, bevor das Signal der Rundfunkanstalt am Samstagnachmittag unterbrochen wurde.

Mit Satellitentelefonen ausgerüstete Mitglieder internationaler Hilfsorganisationen bestätigten die von Artilleriefeuer und Luftangriffen vorbereitete Attacke auf Mekelle: Am Nachmittag seien die ersten Panzer am wenige Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen Flughafen aufgetaucht. Der Widerstand der TPLF sei eher verhalten ausgefallen, hieß es weiter. Womöglich hätten die Aufständischen die von Bergen umgebene Stadt bereits vor dem Angriff verlassen.

Auf die Frage, ob der Kampf der TPLF weitergehe, sagte deren Befehlshaber Debretsion gegenüber Reuters: „Auf jeden Fall. Wir werden unser Recht auf Selbstbestimmung mit unserem Leben verteidigen“. In den 1970er Jahren hatte die TPLF in derselben Region einen jahrelangen Guerillakampf gegen die Herrschaft des „roten Diktators“ Mengistu geführt, aus dem sie schließlich 1991 siegreich hervorging.

Regierungssprecherin Billene Seyoum bestritt, dass die Streitkräfte Mekelle überhaupt unter Beschuss genommen hätten. Zu deren Mission habe nicht gehört, „ihre eigene Stadt und das eigene Volk zu bombardieren“. Über die Zahl der bei der Einnahme Mekelles ums Leben gekommenen Menschen gab es zunächst keinerlei Angaben. Allerdings berichtete das Komitee des Internationalen Roten Kreuzes am Sonntag von Engpässen bei der Versorgung der Verletzten in der Stadt. Es mangele auch an Leichensäcken.

Nach Angaben der Regierung haben ihre Truppen inzwischen „Tausende von Soldaten“ befreit, die beim Ausbruch des Bürgerkriegs am 4. November von der TPLF als „Geiseln“ genommen worden seien. Derzeit würden die „Verstecke“ führender TPLF-Funktionäre in Mekelle ausfindig gemacht, hieß es weiter. Dass sich die Rebell:innen noch immer in der Stadt aufhalten, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Abgesandte der Afrikanischen Union (AU) hatten in der vergangenen Woche versucht, einen Angriff der Regierungstruppen auf Mekelle abzuwenden. Sie trafen am Donnerstag in Addis Abeba mit Regierungschef Abiy zusammen, wurden jedoch daran gehindert, anschließend auch mit TPLF-Chef Debretsion in Kontakt zu treten. Abiy bestand auf seiner bereits zuvor geäußerten Auffassung, dass es sich bei dem Konflikt zwischen der bisherigen Führung der Provinz Tigray und der Regierung in Addis Abeba um eine „innere Angelegenheit Äthiopiens“ handele. Verfassungsrechtler:innen wenden ein, dass das AU-Statut dem Staatenbund durchaus das Recht einräume, in einem Mitgliedsstaat einzugreifen, falls es dort zu „schwerwiegenden Vorfällen wie Kriegsverbrechen, Völkermord oder Verbrechen gegen die Menschheit“ komme.

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