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Noch ist unklar, ob die Verteidiungsministerin mit dem neuen Traditionserlass das in manchen Soldatenkreisen beliebte Sammeln von NS-Devotionalien vollständig unterbinden kann.

Bundeswehr

Der Sieg zu Hannover

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    Daniela Vates
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Ursula von der Leyen treibt die Modernisierung der Streitkräfte voran. Der Traditionserlass ist das eine, ein neuer Name in Niedersachsens Landeshauptstadt das andere.

An einem Dienstagabend im Mai des vergangenen Jahres stand Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor Reservisten und hielt eine Rede. Die Politikerin sagte damals, die Affäre um den terrorverdächtigen Offizier Franco A. und die rechtsextremen Umtriebe in der Truppe seien „Gift für den ausgezeichneten Ruf unserer Bundeswehr“. Ein Ersatz für den Traditionserlass von 1982 müsse her, befand von der Leyen, also eine Art Fibel, in der verbindlich festgelegt wird, wer oder was zum Vorbild für die Bundeswehr taugt – vor allem aber, wer oder was nicht. Das Regelwerk liegt nun vor. Die Ministerin unterzeichnet es an diesem Mittwoch in Hannover – und benennt dabei gleich noch eine Kaserne um, deren Name nicht mehr dem neuen Stil entspricht.

Die Soldaten im Norden Hannovers schoben bislang Dienst in der Emmich-Cambrai-Kaserne. Der Name ist im doppelten Sinne problematisch. Es war General Otto von Emmich, der zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 mit seinem Armeekorps das belgische Lüttich eroberte, worauf solche Gedichte die Runde machten: „Und das war der Herr von Emmich/Dieser sprach: Die Festung nehm’ ich/ Fräulein Lüttich schrie vor Lust/Und sie hat sich ihm ergeben/ In dem Jahr in dem wir leben/An dem siebenten August“. Cambrai steht für eine Stadt im Norden Frankreichs, in deren Umland 1917 die erste große Panzerschlacht der Geschichte stattfand. Tausende starben.

Es ist ein Kasernenname, der dem neuen Traditionserlass klar widerspricht. Denn darin heißt es: „Die Bundeswehr verfügt selbst über einen breiten Fundus, um mit Stolz Tradition zu stiften.“ Deswegen soll die Emmich-Camrai-Kaserne künftig Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne heißen. Erstmals in der Geschichte der Bundeswehr wird damit eine Kaserne nach einem Soldaten benannt, der bei einem Auslandseinsatz ums Leben gekommen ist. Tobias Lagenstein starb 2011 bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan.

Nach Auffassung des Verteidigungsministeriums entspricht der neue Kasernenname dem Leitsatz aus dem neuen Traditionserlass, wonach „der zentrale Bezugspunkt der Tradition der Bundeswehr ihre eigene Geschichte“ ist. Denn fortan gilt: „Die Bundeswehr pflegt keine Tradition von Personen, Truppenverbänden und militärischen Institutionen der deutschen (Militär-)Geschichte, die nach heutigem Verständnis verbrecherisch, rassistisch oder menschenverachtend gehandelt haben.“

Das gilt sowohl für die Wehrmacht wie die Nationale Volksarmee der DDR, die im alten Erlass von 1982 noch gar nicht erwähnt werden konnte. Beide Organisationen können dem Erlass zufolge keine „Tradition begründen“, sehr wohl aber können einzelne Angehörige von Wehrmacht und NVA nach „eingehender Einzelfallbetrachtung“ in das Traditionsgut aufgenommen werden – etwa wenn sich ein Wehrmachtssoldat am militärischen Widerstand gegen das NS-Regime beteiligte oder ein NVA-Angehöriger sich gegen die SED-Herrschaft auflehnte. Im Verteidigungsministerium wird als Beispiel der Ex-Wehrmachtsoffizier und spätere Generalleutnant Wolf von Baudissin genannt, der für die Bundeswehr das Konzept der „Inneren Führung“ mit entwickelte.

Grundsätzlich verbietet auch der Traditionserlass, Nazi-Symbole in der Bundeswehr zu zeigen. Ausnahmen sind „Darstellungen, die der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der politischen oder historischen Bildung dienen“. Klar ist auch die Ansage: „Dienstliche Kontakte mit Nachfolgeorganisationen der Waffen-SS oder der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger sind untersagt.“

Unklar ist, ob das Verteidigungsministerium mit dem neuen Traditionserlass das in manchen Soldatenkreisen beliebte Sammeln von NS-Devotionalien vollständig unterbinden kann. Experten glauben jedoch, dass der Erlass und die Umbenennung der Emmich-Camrai-Kaserne in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne der lange überfällige Auftakt sein könnte für eine weniger emotionsbeladene Debatte um neue Kasernennamen.

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