Sieben Mal umkreist der Pilger die Kaaba

Jeder Moslem sollte einmal im Leben die "Hadsch", die Wallfahrt nach Mekka, unternehmen

Von MICHAEL LÜDERS

Die Pilgerfahrt nach Mekka, Hadsch, gehört zu den fünf Grundpflichten im Islam und geht auf Mohammed zurück, der im Jahr 632 nach Mekka pilgerte. Jeder Moslem sollte sie einmal im Leben unternehmen. Ziel der Wallfahrt im Monat Dhu al-Hidscha ist die Kaaba, ein 15 Meter hoher, würfelförmiger Bau aus grauem Stein. Dieser wurde der Lehre nach von Abraham und seinem Sohn Ismael, der als Stammvater der Araber gilt, als Haus Gottes und der Menschen gebaut.

Bevor der Pilger das heilige Gebiet in Mekka betritt, begibt er sich in den Zustand der religiösen Weihe (Ihram), um die spirituelle Verbundenheit mit Gott zu vertiefen. Er nimmt eine religiöse Waschung vor und legt eine besondere Kleidung an, die aus zwei ungenähten weißen Tüchern besteht. Frauen tragen kein besonderes Gewand. Der Ihram erfordert auch sexuelle Enthaltsamkeit.

Zunächst wird die Kaaba, das Allerheiligste im Islam, sieben Mal umkreist. Auf der Nordostseite der Kaaba führt eine Tür in das nur von einigen Leuchten erhellte Innere. Die Wände sind mit Inschriften versehen. Außen findet sich in der östlichen Ecke der "Schwarze Stein", wahrscheinlich ein Meteorit. In der Nähe liegt die Quelle Zamzam.

Nach der Umkreisung der Kaaba laufen die Pilger sieben Mal die Strecke zwischen den Hügeln As-Safa und Al-Marwa ab - insgesamt 2,5 Kilometer. Das soll die Wassersuche Hagars symbolisieren, der Mutter Ismaels. Hagar war eine Sklavin Abrahams. Mutter und Sohn wurden jedoch von der eifersüchtigen Ehefrau Abrahams, Sara, in die Wüste vertrieben, als Sara 14 Jahre nach Hagar selbst Mutter wurde und Isaak gebar. Ein Engel zeigte Hagar in der Wüste den rettenden Brunnen - die Quelle Zamzam.

Nach einer Predigt in der Großen Moschee verlassen die Pilger Mekka. Sie begeben sich über die Orte Mina und Al-Muzdalifa in die Ebene Arafat mit dem 25 Kilometer von Mekka entfernten, gleichnamigen Berg. Nach einer islamischen Legende trafen sich hier Adam und Eva nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Unter lautem Rufen und dem Rezitieren frommer Formeln bleiben sie bis zum Sonnenuntergang in Mina. Dann geht es zur Übernachtung nach Al-Muzdalifa. Am nächsten Morgen kehren die Pilger nach Mina zurück, wo sie mit je sieben Steinchen die drei Steinpfeiler bewerfen, die den Satan symbolisieren. Ein Schlachtopfer schließt sich an, das in der gesamten islamischen Welt begangen wird (Id al-Adha, in diesem Jahr am gestrigen Dienstag. Nach einem Abschiedszeremoniell verlassen die Pilger Mekka.

Die Riten der Hadsch stammen noch aus vorislamischer Zeit, als die Kaaba ein polytheistischer Wallfahrtsort war. An der diesjährigen Pilgerfahrt nahmen rund 2,5 Millionen Menschen teil. Aufgrund des unaufhörlichen Menschenstroms kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen an Engpässen wie Brücken oder Tunneln.

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