Ein Mann mit Aluhut nimmt an der Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen teil.
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Ein Mann mit Aluhut nimmt an der Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen teil.

Verschwörungstheorien

„Sie verbindet der Hass“

Sektenexperte sieht wenige Möglichkeiten, Verschwörungsgläubige umzustimmen.

Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, sieht bei den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen keine gemeinsame Ideologie. „Sie eint ein Hass gegen die herkömmlichen Politiker und die Parteien“, sagte Pöhlmann dem Berliner Nachrichtenportal „watson“. Die Pandemie gebe Impfgegnern und Verschwörungsgläubigen, aber auch Rechtsextremen und Reichsbürgern Gelegenheit, um sich zu sammeln.

Bei „Rechtsesoterikern“ beobachtet Pöhlmann eine Offenheit gegenüber antidemokratischen und teilweise auch antisemitischen Überzeugungen und insbesondere Verschwörungserzählungen. „Gefährlich wird es dann, wenn der Hass und die Frustration so sehr zunehmen, dass man gewisse Feinde ausmacht und zur Zielscheibe erklärt. Gefährlich wird es dann, wenn antisemitische und rassistische Auffassungen vertreten werden.“ Allerdings stehe nicht jeder, der sich mit Esoterik beschäftigt, in Gefahr, sich zu radikalisieren.

Der Weltanschauungsexperte warnt in diesem Zusammenhang vor der „Germanischen Neuen Medizin“, die klar mit antisemitischen Vorstellungen verbunden sei. „Die Idee ist, dass die Schulmedizin von den Juden beherrscht wird und man daher eine alternative neue Medizin entwickeln müsse.“ Homöopathie sei dagegen nicht direkt esoterisch, sondern ein alternatives Heilverfahren.

Die Möglichkeiten, Menschen mit einer extremen Einstellung umzustimmen, hält Pöhlmann für begrenzt. „Fanatische Verschwörungsgläubige wird man nicht überzeugen können.“ Einerseits sollte man zu solchen Menschen Kontakt halten, andererseits müsse man sich klar positionieren und rote Linien benennen. Die Kontaktaufnahme mit einer Beratungsstelle könne hilfreich sein, sagte er. (epd)

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