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Kanzlerkandidatin bei der FR

Bundestagswahl 2021: Was für Annalena Baerbock indiskutabel ist

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, diskutiert auf dem FR-Podium mit Leserinnen und Lesern über mehr Klimaschutz, bessere Krankenversicherungen und mögliche Koalitionen.

Frankfurt - Und dann, als die Diskussion im Haus am Dom schon einigermaßen weit fortgeschritten war, übernahm Annalena Baerbock das Kommando und ließ sich nicht abhalten. Nicht von FR-Chefredakteur Thomas Kaspar, nicht von seiner Stellvertreterin Karin Dalka und auch nicht von ihrem Wahlkampfmanager, der immer wieder auf seine Uhr schaute.

Denn die Kanzlerkandidatin der Grünen wollte zuhören. Eine 16 Jahre alte Schülerin aus dem Rheingau-Taunus-Kreis hatte zuvor vom Sexualkundeunterricht an ihrer Schule berichtet. Darin kämen junge Menschen, die homo- oder transsexuell sind, nicht vor, berichtete die Schülerin. Die Lehrerinnen und Lehrer verwiesen lediglich auf entsprechende Passagen im Internet. Baerbock fand das indiskutabel.

Annalena Baerbock zu Gast bei der FR

Erstmals seit vielen Monaten gab es wieder ein FR-Forum mit Publikum. „So fühlt sich die FR an“, sagte Thomas Kaspar, auch wenn wesentlich mehr Gäste den Livestream verfolgten als Platz im Haus am Dom gefunden hatten. Doch das wäre auch ohne Corona nicht anders gewesen.

Im Dialog: Annalena Baerbock spricht mit einer jungen Frau über Homo- und Transphobie an Schulen.

Baerbock, die zuvor ohne Presse die Angehörigen der Anschlagsopfer von Hanau besucht hatte, wirkte entspannt. Auch wenn Karin Dalka gleich mit dem „Elefanten im Raum“ anfing. Der in Teilen falsche Lebenslauf, die fehlenden Zitate in ihrem Buch. Ein wenig gequält schaute Baerbock schon, als sie sagte, die Fehler ärgerten niemanden mehr als sie selbst. Dadurch habe sich die Debatte verschoben, weg von den wirklich entscheidenden Themen.

Annalena Baerbock: „Klimaschutz ist jetzt und fällt nicht vom Himmel“

Etwa weg vom Klimaschutz. Darum drehten sich die allermeisten Fragen, die die Leserinnen und Leser der FR vor Ort stellten oder online eingereicht hatten. Viele der Antworten standen ganz vorne im Wahlprogramm der Grünen. „Klimaschutz ist jetzt und fällt nicht vom Himmel“, sagte Baerbock. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sei wichtiger denn je. Damit griff Baerbock auch den Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vom Mittwoch auf. Denn entgegen seiner Ankündigungen hätte er beispielsweise den Ausbau der Windkraft in Bayern nicht vorangebracht.

Die Erweiterung der A49 in Mittelhessen sei ein Fehler, sagte Baerbock, lasse sich aber auch von der schwarz-grünen Landesregierung nicht mehr stoppen. Das hat man schon oft gehört von den Grünen.

Annalena Baerbock steigt schon mal aufs Lastenrad

Doch die 40-Jährige, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Potsdam lebt, wurde auch konkret. Angesichts der zunehmenden Zahl von Katastrophen sei ein Klimaschutzfonds nötig, mit dem etwa die Überwachung kleiner Bäche finanziert werden könne, die bei einem Hochwasser zu reißenden Flüssen würden. Zudem sei ein Klimaschutzsofortprogramm sinnvoll, um radikale Schritte gegen den Klimawandel bezahlen zu können.

Einer FR-Leserin ging das nicht weit genug. Sie wollte von Baerbock wissen, was sie denn selbst für den Klimaschutz tue. Da wurde die Kanzlerkandidatin persönlich. Familie Baerbock habe zwar ein Auto. Aber sie überlege sich vor jeder Fahrt, ob die Tour nötig sei. Oft genug stiegen die Baerbocks auf dass kürzlich angeschaffte Lastenrad um, auch wenn das Auto bequemer sei.

Zur Veranstaltung

Die Frankfurter Rundschau hatte Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) zum Forum im Haus am Dom eingeladen. Während Scholz und Baerbock zusagten, kam von Laschet eine Absage. Der Kanzlerkandidat der Union wollte sich nicht den Fragen der Leserinnen und Leser der FR stellen. geo

Koalitionsfrage: Annalena Baerbock lässt sich nicht locken

Während Baerbock beim Klimaschutz in die Vollen geht, zeigt sie sich in der Sozialpolitik zurückhaltender. Natürlich sei das Ziel eine Bürgerversicherung, sagt sie. Aber sofort lasse sich das nicht umsetzen. Zunächst müsse sichergestellt werden, dass Menschen aus der Privatversicherung zurück in die gesetzliche Kasse wechseln könnten. „Es ist eine Zwei-Klassen-Medizin entstanden“, kritisierte Baerbock. Das zu ändern, werde dauern. Fakt sei aber, dass es nicht die Lösung der Politik sein könne, nur zum Applaus für Pflegekräfte aufzurufen.

Ganz am Ende hat dann Thomas Kaspar die Koalitionsfrage gestellt. Mit wem Baerbock lieber zusammenarbeiten würde: mit der CDU, mit SPD und FDP oder mit einem Linksbündnis. Doch die Kandidatin ließ sich nicht locken. Sie kämpfe für starke Grüne, sagte sie. Und nach der Bundestagswahl 2021 wolle man mit allen „demokratischen Parteien“ reden. (Georg Leppert)

Hinweis: Die FR hat eine Antwort von Frau Baerbock in einer früheren Version des Textes verkürzt dargestellt. Richtig ist, dass Frau Baerbock auf die Frage nach der Klimaneutralität bereits bis 2030 unter anderem antwortet: „Es bringt keinen Klimaschutz, wenn ich sage 2040 oder 2030 mache ich irgendwas, sondern Klimaschutz ist jetzt.“ Sie legt sich nicht auf 2030 fest. Der Leser Martin Schael hat in seinem Kommentar recht.

Rubriklistenbild: © ROLF OESER

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