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So ist’s fein: allein, daheim.
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So ist’s fein: allein, daheim.

Interview

Kann man Homeoffice einfordern? „Sie nennen es lieber ‚mobile Arbeit‘“

  • Elena Müller
    vonElena Müller
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Jurist Marc-Oliver Schulze über die Pflichten der Unternehmen und die Rechte der Belegschaft.

Herr Schulze, der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert ein Recht auf Homeoffice, aber gleichzeitig soll niemand zur Arbeit zu Hause gezwungen werden können. Was halten Sie von der Forderung?

Ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice bringt nur einen sehr begrenzten Nutzen. In der derzeit diskutierten Form jedenfalls nicht mehr als das, was heute schon machbar ist. Das gilt jedenfalls für die Betriebe, in denen es eine Arbeitnehmer:innenvertretung gibt, etwa einen Betriebsrat.

Homeoffice: „Und das alles, ohne dafür irgendeine Erstattung zu bekommen“

Das heißt, man kann Homeoffice ohnehin einfordern?

Ja. Es gibt kaum ein Unternehmen, in dem nicht mindestens einige Kolleg:innen ohnehin mobil, zu Hause oder anderswo, arbeiten. Und dann greift der Gleichbehandlungsgrundsatz: Wenn der/die Arbeitgeber/in es einigen ermöglicht, muss er/sie es allen ermöglichen, deren Tätigkeit das zulässt. Das Recht auf Homeoffice ist also gar nicht das entscheidende Problem.

Sondern?

Gerade in der momentanen Pandemie-Situation wollen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, dass ihre Belegschaft mobil arbeitet – aber sie wollen nicht die Ausstattung der Arbeitsplätze zu Hause und andere Mehrkosten wie Strom, Internet und Telefon übernehmen. Das hat dazu geführt, dass in vielen Unternehmen jetzt Menschen im Homeoffice mit ihren privaten Endgeräten arbeiten, ihre private Internetverbindung nutzen und so weiter. Und das alles, ohne dafür irgendeine Erstattung zu bekommen.

Wie können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihr Recht einfordern?

In Unternehmen mit Betriebsrat läuft das über eine Regelung des Gremiums mit dem Arbeitgeber, etwa in Form einer Betriebsvereinbarung. In Betrieben ohne Arbeitnehmer:innenvertretung ist das schon etwas schwieriger. Aber im Grunde kann jede oder jeder von seinem Chef oder seiner Chefin verlangen: Entweder die Ausstattung für die Arbeit zu Hause wird zur Verfügung gestellt oder am Arbeitsplatz werden die Standards zum Gesundheitsschutz eingehalten, sodass auch in Zeiten von Corona sicher im Büro gearbeitet werden kann. Ist beides nicht der Fall, können die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Konsequenz ihre Arbeitskraft verweigern.

Arbeit im Homeoffice: Im Notfall das Amt für Arbeitsschutz einschalten

Und wenn der Chef oder die Chefin daraufhin mit Abmahnung oder Kündigung droht?

Die Rechtslage ist eindeutig, eine personelle Maßnahme wäre unwirksam. Aber natürlich muss jede und jeder bereit sein, sein Recht individuell durchzusetzen – davor schrecken aber noch viele Arbeitnehmer:innen zurück.

Ja, die wenigsten dürften sich trauen, diesen Weg einzuschlagen.

Wenn sich eine größere Anzahl von Kolleginnen und Kollegen zusammentut und den/die Arbeitgeber/in darauf hinweist, dass er oder sie gegen geltendes Recht verstößt, kann man aber sehr viel erreichen. Auch können – wenn alle Appelle nicht fruchten – die zuständigen Behörden wie das Gewerbeaufsichtsamt oder das Amt für Arbeitsschutz eingeschaltet werden.

Homeoffice: „Das Recht wurde und wird durch Corona nicht ausgehebelt“

Derzeit heißt es immer wieder, dass es sich um eine Sondersituation handele; dass Begriffe wie „Homeoffice“ oder „mobiles Arbeiten“ so nicht angewendet werden könnten. Wie sehen Sie das?

Das Recht wurde und wird durch Corona nicht ausgehebelt. Es spricht auch nichts dagegen, wenn zunehmend mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mobil arbeiten. Aber eines ist klar: Das darf dauerhaft nicht zulasten der Arbeitnehmer:innen gehen. Die Unternehmen müssen auch hier ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und angemessene Arbeitsbedingungen sicherstellen. Und wenn tatsächlich hauptsächlich an festen Arbeitstagen im Homeoffice gearbeitet wird, dann ist das gesetzlich definierte Telearbeit. Mit der Folge, dass ein fester Heimarbeitsplatz eingerichtet werden muss und der Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gewährleisten ist.

Das dürfte bei den wenigsten, die zu Hause arbeiten, der Fall sein.

Definitiv. Telearbeitsplätze gibt es ohnehin wenige, selbst die alternierende Telearbeit – ein paar Tage in der Woche zu Hause, ein paar Tage im Büro – ist wegen der vermeintlich hohen Kosten bei den Arbeitgebern sehr unbeliebt. Sie nennen es deshalb lieber „mobile Arbeit“.

Marc-Oliver Schulze, 49, ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei AfA Rechtsanwälte und berät regelmäßig Arbeitnehmer:innen und Betriebsräte.

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