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„Wir sind zuerst und vor allem trauernde Eltern.“ – Friederike und Clemens Ladenburger im Gespräch.

Interview

„Sie war eine Mutmacherin“

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Die Studentin Maria Ladenburger wurde im Oktober 2016 in Freiburg ermordet. Ein Gespräch mit den Eltern über Wut, Trauer und Hoffnung.

Frau Ladenburger, Herr Ladenburger, einen Tag, bevor am 23. März 2018 das Urteil gegen den Mörder Ihrer Tochter gesprochen wurde, haben Sie die Gründung der nach ihr benannten Maria-Ladenburger-Stiftung bekanntgegeben. Was war der Zweck dieses Timings?
Clemens Ladenburger (CL): Es hat sich glücklich gefügt, dass wir mit den Vorbereitungen für die Stiftung zu diesem Zeitpunkt fertig waren, dank der großartigen Zusammenarbeit mit dem Verband der Freunde der Universität Freiburg. Es war unser Wunsch, dass die Erinnerung an unsere Tochter nicht nur mit diesem entsetzlichen Verbrechen verbunden sein soll, sondern mit ihrem Leben. Deshalb haben wir für die Stiftungsbezeichnung auch bewusst Marias vollen Namen verwendet, der bis zum Ende des Prozesses in der Öffentlichkeit und in den Medien ja immer nur abgekürzt verwendet werden durfte. Aber jetzt dachten wir: Im Kontext der Stiftung ist es uns recht.

Wie kamen Sie überhaupt auf diese Idee?
Friederike Ladenburger (FL): Sie hat sich seit Sommer 2017 aus vielen kleinen Puzzlesteinen zusammengefügt. Wir haben eine große Dankbarkeit empfunden, dass wir Maria geschenkt bekommen hatten und mit ihr eine ganz besondere – wenn auch viel zu kurze – Zeit erleben durften. Deshalb wollten wir anderen Studierenden etwas schenken, was Marias Wirken und ihrer Ausstrahlung entsprechen und ein Zeichen der Mitmenschlichkeit in ihrem Sinne setzen sollte. Unsere beiden anderen Töchter haben unsere Überlegungen übrigens stark mitgeprägt.

CL: Es ist uns im Lauf der Zeit auch klar geworden, dass es eine Stiftung in und für Freiburg sein sollte. Einmal, weil Maria als Studentin dort ein wunderschönes Jahr hatte. Dann aber auch, weil meine Frau und ich uns der Stadt sehr verbunden fühlen. Wir haben beide in Freiburg studiert, haben uns dort kennengelernt und sehr glückliche Jahre verbracht. So dachten wir, es wäre gut, etwas für die Menschen in Freiburg zu tun, die das schreckliche Geschehen so hautnah mitbekommen hatten. Deshalb haben wir den Verband der Freunde der Universität angerufen und ihm unsere Idee unterbreitet…

FL … von einer Investition in Bildung. Maria war selbst ein sehr weltoffener, interessierter Mensch. Die Bildungsmöglichkeiten, die sich ihr in Freiburg boten, hatte sie mit unglaublicher Intensität und Freude wahrgenommen. Also haben wir die Universität gefragt: Wo gibt es Bedarf, junge Menschen auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen? Die damalige Dekanin der medizinischen Fakultät wies dann darauf hin, dass unterschiedlichste Probleme den Studienablauf erschweren können und auch ausländische Studierende es nicht immer einfach haben.

CL: Maria, die in Brüssel aufgewachsen war, kam ja gewissermaßen auch aus dem Ausland, auch wenn Deutschland ihr als Kind und Jugendliche nicht fremd gewesen war. Sie hatte sich dann sehr bewusst für ein Studium in Deutschland entschieden, weil das Land ein Teil ihrer Identität war, der ihr bislang nicht so vertraut war.

Und ebenso klar war ihr auch, dass es ein Medizinstudium sein sollte?
FL: Maria hatte ein besonderes Gespür für andere Menschen und ein Talent, sich ihnen zuzuwenden. Schon im letzten Jahr vor dem Schulabschluss entwickelte sich daraus der feste Wunsch, Ärztin zu werden. Erste Erfahrungen und auch die Rückmeldungen aus drei Pflegepraktika haben sie darin sehr ermutigt und bestärkt. 

War Freiburg denn nach dem Verbrechen an Ihrer Tochter kein kontaminierter Ort für Sie?
CL: Also, ja, natürlich… Sag du mal!

FL: Sehen Sie: Wir sind zuerst und vor allem trauernde Eltern. Darum ist es uns nach Marias Tod natürlich sehr schwer gefallen, wieder gerne nach Freiburg zu kommen. Das braucht Zeit. Aber wie Maria uns in Gesprächen, Briefen und anderen Aufzeichnungen so vieles hinterlassen hat, was uns Kraft gibt, so hat uns auch der Gedanke geholfen, dass sie in Freiburg bis zu ihrem Tod eine glückliche Zeit hatte.

CL: Nicht zuletzt hat die Stiftungsarbeit uns wieder ein positives Verhältnis zu Freiburg gewinnen lassen. Die Vorstellung der Stiftung im November mit einem kleinen Festakt war für uns ein sehr freudiges Ereignis. Es war eine emotionale Anstrengung hinzufahren, aber zurückgekehrt sind wir mit einem Gefühl großer Erleichterung.

Sollte es einen eigenen Gedenkort in der Nähe des Ortes des Verbrechens geben?
CL: Wir sind darüber im Gespräch mit dem Oberbürgermeister.

Sind Sie schon einmal dort gewesen?
CL: Nein. Das ist ein Ort, der uns aufgezwungen wurde und den wir in nächster Zeit nicht aufsuchen wollen.

FL: Wir haben stattdessen den Friedhof in Brüssel, auf dem Maria begraben ist.

CL: Aber es hat uns gefreut, dass es Marias Freunden und Kommilitonen ein Anliegen ist, dort an der Dreisam, wo Menschen schon jetzt an Maria denken, den Ort besonders zu gestalten, weil es ihrem Gedenken an Maria hilft. Das unterstützen wir.

Im Prozess gegen den Täter waren Sie Nebenkläger. Wie sind Sie an das Verfahren herangegangen? Sie haben sich dazu ja bislang nie öffentlich geäußert.
FL: Wir haben es als unsere Pflicht angesehen, als Nebenkläger unseren Beitrag zur juristischen Aufarbeitung zu leisten. Dafür haben wir uns einen sehr kompetenten Anwalt gesucht. Er hat uns in der Begleitung des Prozesses sehr geholfen und uns fortlaufend detailliert informiert. Wir waren selbst bewusst nicht im Gerichtssaal. Wir wollten uns so ein Stück Distanz bewahren.

Welche Marschroute haben Sie Ihrem Anwalt aufgegeben?
CL: Wir wollten ein möglichst konstruktives, sachliches Vorgehen im Dienste der Rechtsprechung. Aber keinen von unserem Anwalt zusätzlich angefachten Medienrummel, keine politischen Begleitstatements, keine Überlagerung des Prozessverlaufs durch emotionale Einlassungen seitens der Opfer, also von uns. Nur zum Prozessbeginn und am Tag des Urteils haben wir jeweils eine Erklärung veröffentlicht.

Wer im Gerichtssaal saß, konnte einen weisen, fast milden Stil Ihres Prozessvertreters erleben, der nicht die Spur von Bitterkeit, dem Wunsch nach Vergeltung oder politischer Anklage erkennen ließ.
FL: Der Stil entsprach unseren Vorstellungen. Mein Mann und ich, wir sind beide Juristen. Wir wollten, dass die Wahrheit gesucht und die Tat angemessen geahndet wird – so gut es in einem Rechtsstaat geht. Und wir glauben, das ist in diesem Verfahren geradezu vorbildlich gelungen. Ganz unabhängig davon bestehen unsere persönliche Trauer und unsere Fassungslosigkeit über diese grauenhafte Tat. Ich glaube, es war für uns wichtig, so weit wie möglich die Verschiedenheit beider Ebenen zu erkennen und sie auseinanderzuhalten.

Hatten Sie nie den Gedanken, dem Täter einmal Auge in Auge gegenüberzustehen?
CL: Wir haben das offengehalten. Es war jedenfalls nicht von vornherein klar, dass wir dem Prozess von Anfang bis Ende fernbleiben würden. Aber im Verlauf des Verfahrens haben wir uns dann gefragt: Möchte Maria, dass wir da hingehen? Und wir sind zum Ergebnis gekommen: Nein, das möchte sie nicht. Außerdem haben wir aufgrund des Täterprofils und seines Verhaltens vor Gericht zunehmend den Eindruck gewonnen, dass wir mit einer persönlichen Konfrontation nichts erreichen und auch uns damit nicht helfen würden.

FL: Sie kommen an der Person des Täters nicht vorbei. Etwas anderes anzunehmen, wäre naiv, und nach einer Erfahrung, wie wir sie machen mussten, ist man vieles, aber naiv ist man nicht mehr. Der Täter hat uns und allen, denen Maria etwas bedeutet hat, unermessliches Leid zugefügt, das er durch sein Verhalten im Prozess noch gesteigert hat. So haben wir es zum Prozessende formuliert, und mehr möchten wir auch heute eigentlich nicht sagen. Da kommen Fragen auf, die zu schwer für uns sind…

Sie betonen einerseits die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaats. Andererseits brachte der Prozess eklatantes Versagen des Staates und staatlicher Behörden ans Licht – nicht nur hier in Deutschland, sondern zuvor schon in Griechenland. Niemand zog die falsche Altersangabe des Täters bei seiner Einreise in Zweifel. Seine kriminelle Vorgeschichte war nicht bekannt, in Griechenland war er trotz eines Kapitalverbrechens aus der Haft entlassen worden, und keinen kümmerte das mehr. Haben Sie angesichts solch haarsträubender Erkenntnisse nicht mit diesen eklatanten Mängeln, diesem blinden Fleck des Rechtsstaates, oder gar mit der ganzen Willkommenskultur gehadert?
CL: Wir haben es uns sicher nicht ausgesucht, dass ausgerechnet das Schicksal unserer Tochter – „der Fall Maria L.“ – zusammen mit anderen schlimmen Vorkommnissen…

… wie der Kölner Silvesternacht 2015/2016…
… eine Reihe von Fragen aufgeworfen hat, die den politischen und gesellschaftlichen Akteuren zuvor nicht so deutlich waren, die aber offen diskutiert werden müssen.

Welche Fragen?
CL: Nun, Fragen wie die nach den Zusammenhängen von Migration und innerer Sicherheit; nach den Kontrollen in Asylverfahren; nach der Zusammenarbeit in Europa und nicht zuletzt nach den großen Herausforderungen der Integration. Auch uns treiben diese Fragen um – als Juristen und als politisch denkende Menschen. Es ist wichtig, dass über diese Fragen diskutiert wird, auch kontrovers diskutiert wird. Aber wir wünschen uns, dass das sachlich geschieht und mit Respekt vor der Einstellung und der Herkunft des anderen. Wir haben uns mehrfach die Frage gestellt, ob wir als Opfer nicht doch selbst einmal Stellung beziehen sollten…

FL: … und wir haben uns durchaus unter Schmerzen dafür entschieden, das nicht zu tun.

Unter Schmerzen?
CL: Ja, schließlich mussten wir miterleben, wie das Schicksal unserer Tochter instrumentalisiert wurde, wie mit ihrem Namen Hass geschürt wurde. Natürlich hatten wir da den Impuls, öffentlich Einspruch zu erheben, in Marias Namen und im Namen unserer Grundüberzeugungen. Wäre das nicht geradezu unsere moralische Pflicht, haben wir uns gefragt?

Warum haben Sie diese Frage verneint?
FL: Wir hielten es für richtig, eine rote Linie zwischen uns und den politischen Debatten zu ziehen. Eine rote Linie, die wir nicht überschreiten. Alles, was wir als unmittelbar Betroffene sagen würden, kann in einer aufgeheizten gesellschaftlichen Stimmung der von uns gewünschten Sachlichkeit der Debatte nur abträglich sein. Ich kann es auch andersherum sagen: Als trauernden Eltern fehlt uns letztlich die Distanz. Deshalb tun wir uns und unserer Familie, aber auch der Gesellschaft den besten Dienst, wenn wir uns dazu öffentlich nicht äußern.

CL: Unsere Antwort, unser Debattenbeitrag ist die Stiftung – und nur die Stiftung. Damit wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir als Gesellschaft Taten des Hasses und kaltblütiger Menschenverachtung nicht mit Hetze und noch mehr Hass beantworten dürfen. Sonst droht eine zerstörerische Spirale, die an die Grundlagen unseres Miteinanders rühren kann.

Sie sind aus dem rechten politischen Spektrum massiv angefeindet worden.
FL: Das war sehr, sehr schmerzlich, besonders wenn es auf zum Teil unflätigste Weise gegen unsere verstorbene Tochter ging.

Haben Sie Anzeige erstattet?
CL: Nein. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass alle diese Anwürfe weder mit uns noch mit unserer Tochter etwas zu tun haben. Und: Wir stehen auch so zu ihren und zu unseren Idealen.

FL: Trauer braucht das Private, den geschützten Raum. Dafür haben wir, glaube ich, ein sehr gutes Gespür entwickelt.

Das klingt, verzeihen Sie, alles so rational, so reflektiert. Woher nehmen Sie die Kraft, auf nur allzu verständliche Gefühle wie Wut, vielleicht sogar Hass und Rachegelüste zu verzichten?
CL: Ich würde nicht von Hass oder Rache sprechen. Aber dass wir keine Momente der Bitterkeit, der Wut, auch der Niedergeschlagenheit und Resignation gehabt hätten, könnte ich sicher auch nicht behaupten.

FL: Ohne Zweifel mussten und müssen wir als trauernde Eltern einen schwierigen Weg gehen – wie viele andere Eltern auch. Die größte Kraftquelle war und ist – Maria selber. So jung sie auch war, sie hatte eine sehr reife und starke Art, den Blick auf das Positive zu lenken, auf das Tragende, auf den Halt in aller Zerrissenheit und allem Leid. Das haben wir gespürt, als dieses Leid sie selbst und dann auch uns aufs Grausamste getroffen hat.

Was ist dieser Halt?
FL: Unser Glaube. Wir sind Christen, und als Christen waren wir vom Moment der Todesnachricht an gewiss, dass es Maria gut geht, dass sie gut aufgehoben und bewahrt ist. Für diese Gewissheit sind wir sehr, sehr dankbar. Genauso wie für die starke, zukunftszugewandte Haltung unserer Töchter und für die große Solidarität und Unterstützung durch unsere Familie, durch wunderbare Freunde und Kollegen. In Momenten, in denen wir das Gefühl hatten, die Welt steht still, haben wir eine Liebe, eine Nähe, eine Kraft guter Menschen erfahren, für die es eigentlich keine Worte gibt.

CL: Wir haben gespürt, Gott gibt uns die Kraft, dieses Schicksal zu meistern. Er ist bei uns, er begleitet uns. Wir haben gemerkt: Es ist uns jetzt eine neue Lebensaufgabe zugewachsen, mit dem gewaltsamen Tod unserer Tochter zu leben, und wir können das schaffen. Das haben wir uns von Anfang an gesagt, und wir sagen es uns immer wieder. Und das Gefühl der Dankbarkeit, von der wir schon sprachen, hilft uns, all die anderen Gefühle nicht so sehr hochkommen zu lassen, dass sie die Oberhand gewinnen.

Friederike Ladenburger: „Wir hielten es für richtig, eine rote Linie zwischen uns und den politischen Debatten zu ziehen.“ 

FL: Dankbarkeit, das ist unsere Erfahrung, gibt uns Halt. Aber daraus kann auch eine Haltung werden – ein Perspektivwechsel, der es erlaubt, auf das Positive zu schauen. Maria hat uns das vorgelebt. Sie war eine Mutmacherin.

Es war Ihre Tochter, die Sie so erzogen haben.
FL: Nein, nein, das glaube ich nur zu einem geringen Teil. Maria war jemand ganz Eigenes. Und wir haben sie so geschenkt bekommen, wie sie war.

Ein Geschenk, das Ihnen jäh und vor der Zeit entrissen wurde. Führt das nicht zwangsläufig auf die Frage: Wie kann Gott das zulassen?
CL: Gott wollte das nicht, was Maria angetan wurde. Gott will das Böse nicht. Aber er hat uns als freie Menschen erschaffen – und uns damit auch die Möglichkeit gegeben, Böses zu tun.

FL: Und das kann er dann auch nicht immer verhindern. Er hat nicht eingegriffen. Warum nicht? Ich weiß das nicht zu sagen. Noch am Abend des 16. Oktober 2016, an dem wir von Marias Tod erfuhren, haben wir uns gesagt: Wir werden nicht nach dem Warum fragen, weil es darauf keine Antwort gibt.

Sie haben einmal gesagt, Ihnen sei in der Aufarbeitung der Tat wichtig, dass es möglichst nicht wieder zu solchen Verbrechen kommt, denen dann andere Menschen zum Opfer fallen. Schwingt für Sie im Begriff vom „Opfer“ die Möglichkeit mit, dass es für all das einen tieferen, verborgenen Sinn geben könnte?
FL: Wenn Sie so von „Opfer“ sprechen, fällt auch das in den Kontext des Glaubens. Das entspricht aber so nicht unserem Gottesbild. An dem, was Maria widerfahren ist, ist an sich nichts Gutes. Für uns nicht, aber auch für Gott nicht. Ob im Leben nach und mit Marias Tod etwas Gutes wachsen kann, das ist dann freilich eine andere Frage.

CL: Kann man diesem Tod einen Sinn abgewinnen? Das ist ja die Frage, um die es hier geht. Ich glaube, so sollten wir als Betroffene nicht fragen. Die Frage muss vielmehr sein: Was erwächst daraus für uns als Aufgabe, als Auftrag?

Sie haben vorhin in unserem Gespräch mit Blick auf Ihre persönliche Teilnahme am Prozess gesagt, Maria hätte das nicht gewollt. Was, glauben Sie, will Maria – von Ihnen, aber auch von der Gesellschaft?
FL: Wir haben zu Marias Beerdigung einen Text von ihr ausgewählt, der von dem erwähnten Perspektivwechsel spricht. Ein Text, mit dem sie einmal einer Freundin Mut zugesprochen hat: „Du bist Teil eines riesengroßen Ganzen! Lass nicht den Kopf hängen, sondern schau auf und denke daran, dass wir vieles nicht verstehen können, aber auf eine ganz besondere Art und Weise etwas Gutes entsteht!“ Aus dem Bösen, das uns trifft; aus Ereignissen, die wir nicht verstehen; aus alledem kann – durch den Beitrag jedes Einzelnen – Gutes wachsen. Ich glaube, diese Haltung will Maria uns mitgeben.

Das Gespräch führten Joachim Frank und Stefan Hupka

Die Stiftung

Zur Erinnerung an die 2016 von einem afghanischen Asylbewerber ermordete Freiburger Medizinstudentin Maria Ladenburger haben ihre Eltern, Friederike und Clemens Ladenburger, zusammen mit dem Verband der Freunde der Universität Freiburg die nach ihrer Tochter benannte „Maria-Ladenburger-Stiftung“ begründet.

Stiftungszweck laut Satzung ist es, „Bildung und Erziehung von Studierenden der Universität Freiburg, vor allem an der medizinischen Fakultät, zu fördern“. Förderschwerpunkte sind die Vergabe von

Stipendien an Studierende in schwierigen Lebenssituationen (Krankheit, Behinderung), die finanzielle Unterstützung von Praktika und Famulaturen in Entwicklungsländern sowie konkrete Projekte von Studierenden in der Entwicklungsarbeit. Studienstarthilfen von monatlich bis zu

750 Euro für maximal ein halbes Jahr sind für benachteiligte Studierende vorgesehen, darunter ausdrücklich auch für Geflüchtete und Studierende nach persönlichen Schicksalsschlägen.

Friederike und Clemens Ladenburger steuerten aus privatem Vermögen ein Stiftungskapital von 100 000 Euro bei. Inzwischen ist von mehr als 900 Unterstützern eine Summe von fast 400 000 Euro aus Spenden, Zustiftungen und Daueraufträgen hinzugekommen.

Maria Ladenburger hatte sich in der Studenteninitiative „Weitblick“ für ein Schulprojekt in Afrika engagiert. Auch deshalb hat die von ihren Eltern ins Leben gerufene Stiftung dezidiert karitativen Charakter. Erste Projekte wurden bereits finanziert – wie Famulaturen und ein Forschungsprojekt über Sterilisation medizinischen Geräts in Entwicklungsländern. Clemens und Friederike Ladenburger gehören dem Stiftungsvorstand an. Für weitere Informationen: maria-ladenburger-stiftung.de

Bürgerpreis des BD

Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger würdigt mit dem „Bürgerpreis des BDZV“ gesellschaftliches Engagement. Am 13. März bekommen Friederike und Clemens Ladenburger in Berlin den mit 20 000 Euro dotierten Preis überreicht. Die Laudatio hält Elke Büdenbender. Der BDZV hatte die Würdigung zum neunten Mal ausgeschrieben, mögliche Preisträger werden von den Zeitungsredaktionen vorgeschlagen.

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