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"Männer, die Frauen nicht zuhören, können unser Land nicht führen": Protest in Washington.

Brett Kavanaugh

Showdown im Rechtsausschuss

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Der US-Senat befasst sich mit den Vorwürfen gegen Trumps Richterkandidaten Brett Kavanaugh.

Die Vorwürfe wiegen schwer, doch die Beweislage ist dünn. Umso heftiger spaltet die Affäre um eine mögliche sexuelle Nötigung durch den erzkonservativen Verfassungsgerichts-Kandidaten Brett Kavanaugh die USA: Anhänger des Juristen wie der Anklägerin, einer Psychologie-Professorin aus Palo Alto, sammeln Geld und Unterschriften. Die liberale „New York Times“ beklagt in ihrem Leitartikel die angebliche Denunziation eines mutigen Opfers, das rechte „Wall Street Journal“ den vermeintlichen Rufmord an einem unbescholtenen Topjuristen.

Am Montag kommt es im Rechtsausschuss des Senats zum dramatischen Showdown: Dann werden die 51-jährige Christine Blasey Ford und der 53-jährige Kavanaugh unter Eid zu dem Vorfall befragt, der sich im Sommer 1982 zugetragen haben soll. Nach Fords Darstellung wurde sie bei einer Party von dem damals 17-Jährigen auf ein Bett geworfen und begrapscht. Der angetrunkene Kavanaugh soll versucht haben, sie zu entkleiden und ihr den Mund zugehalten haben, um sie am Schreien zu hindern. Kavanaugh bestreitet die Vorwürfe.

Zweifelsfrei aufklären lässt sich die 36 Jahre zurückliegende Geschichte wohl nicht. Laut Ford war ein weiterer Mitschüler und Freund Kavanaughs bei der versuchten Vergewaltigung anwesend. Doch dieser Mann, der später zum Alkoholiker wurde, erinnert sich an nichts. Umso heftiger peitschen die Emotionen zwischen dem Trump- und dem #Me-Too-Lager in Washington hoch, die beide Akteure aus gegensätzlichen Gründen als Beleg für ihre Überzeugungen sehen. Zudem werden in 50 Tagen das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt und die oppositionellen Demokraten hoffen auf einen Machtwechsel. Es sei „ein politischer Feuersturm“ in der Hauptstadt ausgebrochen, schreibt die Nachrichtenwebseite „The Hill“.

Trump hält sich zurück

Bemerkenswert ist, wie ruhig sich Trump in dieser Lage verhält. Eine Attacke auf Christine Ford, die ihre Vorwürfe zunächst anonym erhob und dann wenige Tage vor der geplanten Berufung des Supreme-Court-Kandidaten an die Öffentlichkeit ging, schien absehbar. Doch Trump hielt sich, offenbar auf dringende Bitte seiner Ratgeber, zurück und sagte nur, Kavanaugh sei „ein außergewöhnlicher Kopf“, der von jedem respektiert werde. Wenn sich durch die auf Druck der Demokraten angesetzte Anhörung nun die Abstimmung im Rechtsausschuss des Senats verschiebe, „dann gibt es eben eine kleine Verzögerung“. Er sei aber sicher: „Es wird sehr gut ausgehen.“

Tatsächlich dürfte Trumps Zurückhaltung nichts mit Zweifeln an seinem Kandidaten oder gar Empathie für das vermeintliche Opfer zu tun haben. Dahinter steckt vielmehr taktisches Kalkül: Viele Republikaner müssen bei den Kongresswahlen gegen weibliche Kandidatinnen der Demokraten antreten. Trumps Partei verliert ohnehin an Unterstützung bei den konservativen weiblichen Wählern in den Vorstädten. Daher dringen die Wahlkämpfer darauf, weitere Provokationen zu vermeiden.

Die Berufung von Kavanaugh muss durch das Plenum des Senats bestätigt werden, in dem die Republikaner nur um zwei Stimmen in der Mehrheit sind. Es wird spekuliert, dass drei rechte Demokraten-Senatoren, die bislang als Unterstützer des Richters galten, nun wie der Rest ihrer Partei mit „Nein“ stimmen. Noch unklar ist, ob es Abweichler im republikanischen Lager gibt.

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