1. Startseite
  2. Politik

Shanghai - Geschichte, Wirtschaft, Politik der chinesischen Wirtschaftsmetropole

Erstellt:

Kommentare

Shanghai
Shanghai © Imago

Das chinesische Shanghai gehört zu den bevölkerungsreichsten Städten weltweit. Nach einer konfliktgeprägten Historie floriert die größte Stadt Chinas heute als Entwicklungsstandort für Elektronik. Dennoch hat sie weiterhin mit Problemen zu kämpfen, vorwiegend im Sozial- und Umweltbereich.

Shanghai – Die Stadt Shanghai (auch Schanghai geschrieben) gehört für die Volksrepublik China zu den bedeutendsten Industriestädten. Sie ist außerdem eine der größten Städte weltweit. Shanghai dient als wichtiger Verkehrsknotenpunkt und besitzt den Status als Kultur- und Bildungszentrum.

Shanghai: Die Bedeutung des Namens

Der Name Shanghai setzt sich im Chinesischen aus zwei Zeichen zusammen. „Shang“ bedeutet so viel wie „auf“, „oberhalb platziert“ oder „hoch gelegen“. Die zweite Silbe „hai“ steht für „Meer“. Damit kann der Stadtname wörtlich mit „über dem Meer“ übersetzt werden. Umgangssprachlich besitzt Shanghai verschiedene Spitznamen. Dazu zählen:

Die offiziellen Abkürzungen für Shanghai lauten in China „Hù“ und „Shēn“.

Shanghai in China: Geografie

Shanghai befindet sich geografisch gelegen im Jangtsekiang-Delta am Huangpu-Fluss. Dieses Delta beschreibt das Mündungsgebiet des Flusses Jangtsekiang in der Volksrepublik China. Im Jahr 1949 hatte Shanghai noch eine Fläche von 636 Quadratkilometern. 1958 gliederte man zehn Landkreise mit einer Fläche von insgesamt 5.274 Quadratkilometern ein. Heute kommt die Stadt auf 6.340 Quadratkilometer, die sich auf 16 Stadtbezirke in der Kernstadt, der Peripherie und in weiteren ländlichen Territorien verteilen. Das gesamte Verwaltungsgebiet ist damit doppelt so groß wie das Saarland.

Das Gelände der Provinz Shanghai ist eher flach. Der höchste „Berg“ ist der Sheshan mit 100 Metern. Die durchschnittliche Höhe über dem Meeresspiegel liegt bei vier Metern. In Shanghai finden sich zahlreiche Flüsse, Seen, Kanäle und andere Wasserressourcen – 122 Quadratkilometer Wasserfläche gibt es. Der Fluss Jiangnan macht elf Prozent der Gesamtfläche Shanghais aus. Der eisfreie Fluss Huangpu ist die Hauptwasserstraße der Stadt.

Shanghai: Anfänge der Weltstadt

Erste Besiedlungsspuren gehen bis etwa 4000 v. Chr. zurück. Erstmals als Dorf erwähnt wurde Shanghai 960. Zusammen mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Jangtse-Deltas entwickelte sich Shanghai zu einer Stadt mit einem wichtigen Handelshafen. Während der von 1644 bis 1911 andauernden Qing-Dynastie bildeten sich zahlreiche große Kaufmannszünfte. Sie teilten sich die wirtschaftliche und teilweise politische Kontrolle über die Stadt.

Nach dem Ersten Opiumkrieg (1839-1842) forderten die Briten im Vertrag von Nanking die Öffnung Shanghais für den Handel mit den europäischen Mächten. Zeitgleich wurde die christliche Mission freigegeben. 1847 kamen die Franzosen nach Shanghai. Diese und die Briten richteten die ersten ausländischen Konzessionen ein. Es dauerte nicht lange, und 1863 folgten die US-Amerikaner sowie 1895 die Japaner. Auch sie bildeten Konzessionen und gliederten jene der britischen Konzession an, wodurch das sogenannte International Settlement entstand.

Bis 1900 entwickelte sich Shanghai aufgrund seiner günstigen Lage nahe der Haupthandelsroute von Tee- und Seidenproduzenten zu einem bedeutenden Industriezentrum. Das Sagen innerhalb der Stadt hatte vorwiegend eine Gruppe von mittellosen Seeleuten, die sich die „Grüne Gang“ nannte. All jene, die den Verhaltenskodex missachteten, wurden mit drakonischen Strafen wie Verstümmelungen belegt. Zeitgleich etablierte sich Shanghai aber auch zur Weltstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte die Bevölkerungszahl die Millionengrenze. Ab 1918 war Shanghai Wirkungsort des Gründungsvaters der Nationalen Volkspartei Chinas.

Shanghai: Geschichte ab dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg und mit dem Versailler Vertrag fielen alle deutschen Besitztümer des Landes an Japan – sie wurden nicht an China zurückgegeben. 1919 kam es infolgedessen zur „Bewegung des vierten Mai“. Nachdem britische Polizeikräfte bei einem Aufstand chinesische Studenten erschossen hatten, entwickelte sich von Shanghai aus die „Bewegung des 30. Mai“ – eine landesweite Massenbewegung, die gegen die ausländischen Imperialisten demonstrierte. Sie wurde von der Kuomintang-Partei organisiert. 1928 kam es infolge der Bewegung zur Verkündigung der Chinesischen Wiedervereinigung. Die nationalistische Kuomintang und die Kommunistische Partei Chinas arbeiteten nun zusammen. Das Ende der Kriege war dies jedoch nicht.

1931 begann in Shanghai während der Mandschurei-Krise ein Boykott japanischer Waren. Dieser breitete sich landesweit aus. Um den Boykott zu brechen, griff die japanische Armee am 28. Januar 1932 die Stadt an. Konkreter Anlass für den Angriff war die Misshandlung von fünf japanischen Mönchen, von denen einer später seinen Verletzungen erlag. Die Schlacht um Shanghai endete am 31. Mai 1933. Das Waffenstillstandsabkommen von Tanggu wurde unterzeichnet, woraufhin der Handelsboykott beendet werden musste und eine demilitarisierte Zone um Shanghai eingerichtet wurde.

1937 kam es jedoch zur erneuten Schlacht um Shanghai, in deren Folge die japanischen Streitkräfte die Stadt am 9. November 1937 einnahm. Lediglich die exterritorialen Gebiete waren von dem französischen Jesuitenpater Jacquinot de Besange zur Internationalen Sicherheitszone von Shanghai erklärt worden. Hier fand die Zivilbevölkerung Schutz.

China und Shanghai nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges verzichteten die USA, Frankreich und Großbritannien offiziell auf ihre Ansprüche in China. Daher fiel Shanghai nach 1945 wieder an China zurück. Am 27. Mai 1949 marschierten die Kommunisten unter Mao Zedong in der Stadt ein und übernahmen die Kontrolle. Viele ausländische Firmen verlegten ihre Niederlassungen daraufhin nach Hongkong. In Shanghai begann Mao Zedong schon bald, seine Kulturrevolution – die „zehn Jahre Chaos“ – durchzuführen. Die Stadt wurde zum Schauplatz zahlreicher blutiger Kämpfe und Aufstände. 1976 endete diese Periode mit Mao Zedongs Tod.

Ab den 1980er-Jahren setzte ein neuer Wirtschaftsaufschwung in Shanghai ein. Mitte der 1980er-Jahre kam es zum enormen Anstieg der Industrieproduktion und der ausländischen Investitionen. 1990 folgte die Gründung der Sonderwirtschaftszone Pudong. Heute profiliert sich Shanghai als Entwicklungsstandort von Informations-, Bio- und Mikroelektronik.

Trotz der positiven Entwicklungen bleiben einige Probleme bestehen. Dazu gehören vor allem:

Shanghai und seine Politik

Bei Shanghai handelt es sich um eine regierungsunmittelbare Stadt. Das heißt, sie untersteht direkt der Zentralregierung, ihr Status entspricht dem einer Provinz. Als Ranghöchster agiert der Bürgermeister – seit 2020 bekleidet das Amt Gong Zheng, wichtiger ist allerdings das Amt des Parteisekretärs. Anders als Peking ist Shanghai von einer verhältnismäßig liberalen Politik geprägt. Das ist darauf zurückzuführen, dass die politische Führung in Peking Shanghai nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1949 lange Zeit vernachlässigte. In den 1980er- und 1990er-Jahren stiegen dann viele Politiker Shanghais in hohe Partei- sowie Regierungsämter auf und förderten die liberalere Entwicklung ihrer Stadt.

Die Stadt Shanghai in China: Einwohner

Heute hat Shanghai etwa 28,57 Millionen Einwohner. Damit ist sie die größte Stadt Asiens. Der natürliche Zuwachs der registrierten Dauereinwohner geht allerdings seit mehreren Jahren drastisch zurück. Deshalb lockerte man 2004 die Einkindpolitik. Nun ist es Geschiedenen und wiederverheirateten Partnern erlaubt, Nachwuchs zu bekommen, auch wenn sie aus erster Ehe bereits ein Kind haben. So konnte der Rückgang der Bevölkerung etwas verlangsamt werden.

Shanghai, sein Hafen und Flughafen

Der Hafen von Shanghai besitzt bis in die Gegenwart einen wichtigen Status. Er ist der weltweit größte Containerhafen. 2012 verzeichnete er 736 Millionen Tonnen Waren Gesamtumschlag. Der Hafen besteht je nach Zählung aus fünf bis zehn Anlagen.

Daneben verfügt Shanghai über zwei große Flughäfen: den Shanghai Pudong International Airport und den Flughafen Shanghai-Hongqiao. Ersterer ist nach Peking der zweitgrößte Flughafen Chinas. Eröffnet wurde er am 1. Oktober 1999. Der Shanghai-Hongqiao ist dagegen der älteste Flughafen der Volksrepublik China. Er wurde 1907 als Militärflugplatz erbaut. Die zivile Nutzung findet seit 1923 statt.

Auch interessant

Kommentare