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Russischer Serienmörder meldet sich freiwillig für den Ukraine-Krieg – „Meine Fähigkeiten sind gefragt“

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Von: Franziska Schwarz

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Serienmörder Michail Popkow 2018 in einer Gefängniszelle in Irkutsk
Serienmörder Michail Popkow (Archivbild aus dem Jahr 2018). © Anton Klimov/AFP

Das Russen-TV gewährte ihm Sendezeit: 78 Menschen hat Michael Popkow getötet. Jetzt sollen es noch mehr werden. Er will in den Ukraine-Krieg ziehen.

New York – Putin gehen die Soldaten aus. Jetzt erhielt der Kremlchef ein – zumindest für Außenstehende – makaberes Angebot: Der verurteilte Serienmörder Michael Popkow möchte für Russland im Ukraine-Krieg kämpfen. Aber nicht zu abwegig für den russischen Kriegstreiber? Putin begnadigt offenbar persönlich Kriminelle, um die Personallücken in der Armee zu schließen, berichtete das US-Institut für Kriegsstudien (ISW). Popkow ist allerdings ein besonders harter Fall.

Der Ex-Polizist Popkow wurde 2015 wegen Vergewaltigung und 22 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Er tötete zwischen 1992 und 2010 nachweislich 78 Menschen in Angarsk, Irkutsk und Wladiwostok. Wer über Popkow sprechen will, kann auch „Der Wahnsinnige von Angarsk“ und „Werwolf“ sagen – unter diesen Bezeichnungen ist er vielen ebenfalls bekannt.

Dennoch räumte das russische Fernsehen dem 58-Jährigen für sein Ansinnen kürzlich Sendezeit ein. Nach übereinstimmenden Medienberichten fragte ihn dort ein Reporter: „Was ist Ihr größter Traum?“ Die Antwort: „In der Armee zu dienen.“

Russisches TV interviewt Serienmörder zum Ukraine-Krieg

Es handelte sich bei dem TV-Kanal um den Vesti News Channel, wie das US-Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet. In dem Interview verwies Popkow demnach auf seine angebliche „Spezialisierung“ in militärischen Dingen: „Meine Fähigkeiten sind gefragt.“ Newsweek erhielt auf eine Anfrage an die russische Gefängnisbehörde zum Fall Popkow bis zum Erscheinen seines Berichts (18. Januar) keine Antwort.

20.000 Häftlinge kämpfen wohl für Putin beim Angriffskrieg in der Ukraine

Die Serienmörder-Anekdote deutet einmal mehr darauf hin, dass der Einfluss der berüchtigten „Wagner-Gruppe“ in der russischen Armee wächst. Die Truppe von Jewgeni Prigoschin rekrutiert offenbar schon länger aus russischen Gefängnissen heraus. „Vergewaltigt keine Frauen“, mit diesem Tipp soll Prigoschin verdiente Knast-Söldner in die Freiheit entlassen haben. 50.000 Wagner-Söldner kämpfen im Ukraine-Krieg – teils habe die Truppe auch das Kommando, so die US-Regierung.

Dazu kommt noch eine weitere Zahl, und zwar von Olga Romanowa. Sie leitet die Organisation „Russland hinter Gittern“, die sich für die Rechte von Häftlingen einsetzt und lebt derzeit im Exil in Deutschland. Mehr als 20.000 russische Häftlinge habe Moskau bereits als Kämpfer an die Front geschickt, sagte die Menschenrechtsaktivistin laut Newsweek – das war der Stand vom vergangenen Oktober, der inzwischen gestiegen sein dürfte. (frs)

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