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Serdar Somuncu: „Wir haben in Deutschland nicht die freie Presse“

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Von: Katja Thorwarth

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Kabarettist Serdar Somuncu mag die Presse in Deutschland nicht.
Kabarettist Serdar Somuncu mag die Presse in Deutschland nicht. © Fotostand / Andre Havergo via www.imago-images.de

Kabarettist Serdar Somuncu spricht in einem Podcast über die Ukraine, die USA und die Presse. Wer ist Täter und wer Opfer? Vor allem: Was ist Links?

Berlin/Frankfurt – Der Kabarettist Serdar Somuncu hat es mal wieder in die Twitter-Trends („ich fick‘ twitter“, S.S.) geschafft. Unter anderem wegen seines Podcasts „Boygroup der Hardcore-Katholiken“, der auf Youtube einzusehen ist, und den er mit Bent-Erik Scholz, laut Facebook Student der FU Berlin, betreibt.

In dem Clip flanieren die beiden durch den Berliner Zoo und witzeln zunächst darüber, dass man „Ossis nicht nachmachen“ soll. Kurz danach geht es schon um Abtreibung, und da sind sie sich einig: Jede Frau soll abtreiben dürfen. Um dann das ganz heiße Eisen USA und Antiamerikanismus in Zeiten des Ukraine-Kriegs anzupacken. „Antiamerikanismus ist ja jetzt verpönt seit dem Ukraine-Krieg. Man gilt sofort als Putin-Versteher, wenn man Amerika-kritisch ist“, weiß Somuncu.

Serdar Somuncu spricht über den Ukraine-Krieg, Antiamerikanismus und Putin-Versteher

Schließlich gebe es keine Zwischenlösungen mehr, stattdessen sei „alles alternativlos“. Innenpolitisch würde es bei Joe Biden nicht laufen, mit einem Krieg jedoch könne man das „Volk zusammenrotten“, wie es Interviewer Scholz formuliert. Allerdings sei der Widerstand gegen Putin nur „symbolisch“, auf Elmau hätten sie sich nur vergewissert, dass sie auf „der richtigen Seite“ stehen. Er, Somuncu, erlebe das in der Bevölkerung auch, alles sei „zwiegespalten“ jenseits alternativer „Gedanken“.

So plaudern die beiden weiter über den Krieg beziehungsweise über ein „böses Erwachen“ von wegen „bedingungslose Solidarität mit der Ukraine“. Die sei zwar einerseits berechtigt („Krieg“), andererseits müsse man schon „hinterfragen, ‚Moment mal, was haben die eigentlich vorher gemacht‘“. Diese „blauäugige“ Gefolgschaft der Ukraine sei schon „sträflich dumm“.

Serdar Somuncu: Corona-Impfungen, der Spiegel und der „Linksfaschismus“

Springen wir zu Minute 35 und Folgende, in der Somuncu der Zuhörerschaft erklärt, dass „jedes Volk die Regierung“ bekomme, die es verdient. ... „Und dann sollen sie damit leben, ... und sagen, ‚ey, ich will nicht mehr und wir dürfen auch nicht mehr über Impfnebenwirkungen sprechen, weil es irgendjemand uns verbietet**‘ - dann sollen sie damit leben.“ Bent-Erik Scholz liefert noch eine kleine Ergänzung zu Corona-Impfnebenwirkungen, denn „sogar“ der Spiegel würde aktuell das Thema „aufarbeiten“. Eine Steilvorlage für Somuncu, der sich kaum noch einzukriegen scheint: „Der Spiegel ist das erste Blatt, das umfällt.“ Die hätten wochenlang - der Kabarettist redet sich in Rage - „geschosssen, geschossen, geschossen, und noch mehr Tote“ etc. Irgendwann hätten „die Leute gesagt: ‚Ihr macht uns keine Angst mehr.‘ ... Und die Leute haben gesagt: ... ‚Wir ziehen die Maske nicht an.‘“

Umfrage zu Corona-Maßnahmen

Knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland spricht sich einer Umfrage zufolge für sofortige schärfere Corona-Regeln, darunter auch eine Maskenpflicht, aus. In einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen (2. Juli) bejahten 49 Prozent die Frage, ob die aktuellen Corona-Maßnahmen umgehend verschärft werden sollten. 43 Prozent waren dagegen, 8 Prozent unentschieden.

Der Kabarettist kommt zu dem Schluss: „Presse ist das Unmoralischste, was es gibt. ... Wir haben in Deutschland nicht die ‚freie Presse‘, die wir haben müssten, um eine aufgeschlossene Gesellschaft zu sein. Wir haben eine Meinungspresse, die darauf guckt, dass Leute Geld verdienen. Nämlich die Auftraggeber.“

Die Aussage „Somuncu ist ja so abgedriftet, ... der ist ja nur noch am Schwurbeln“ (S.S.) lassen wir so stehen und schließen mit dem Part ab Minute 46. Da definiert er seinen Links-Begriff, was da meint, „nicht starr zu sein ... heißt auch, flexibel zu sein ... seinen Blick zu erweitern ... .“ Hingegen sei die „jetzige linke Bubble total unfähig zu Veränderung“, sei vielmehr „reaktionär und konservativ“ und würde jeden verstoßen, der ihr nicht mehr folgt. Da würde dann gefragt, warum „der noch was sagen, noch auftreten, noch am Leben sein“ dürfe. Die beiden Zoobesucher jazzen sich pseudoironisch ein bisschen hoch. „Kann den nicht mal jemand totschießen?“, lacht gar Scholz, und Somuncu spricht von „Linksfaschismus“. Und das wars dann auch. (Katja Thorwarth)

** Bei Google erhält man bei der Eingabe „Nebenwirkung Corona-Impfen“ 1.440.000 Ergebnisse in 0,46 Sekunden.

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