Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Feuerwehrmann Hassan Hamza war  Ersthelfer am  9/11.
+
Feuerwehrmann Hassan Hamza war Ersthelfer am 9/11.

Proteste und Provokationen

11. September spaltet die USA

Neun Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center hat Amerika der Opfer gedacht. Doch Proteste und Provokationen bestimmten den Tag der Trauer. Präsident Obama rief zu mehr Toleranz auf.

Von Dietmar Ostermann

Neun Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center hat Amerika der Opfer gedacht. Doch Proteste und Provokationen bestimmten den Tag der Trauer. Präsident Obama rief zu mehr Toleranz auf.

Der Tag in New York hatte begonnen wie jeder 11. September der letzten Jahre: Mit dem Schlag der Kirchenglocken um 8.46 Uhr, jenem Zeitpunkt, zu dem 2001 das erste Flugzeug in den Nordturm raste, mit dem Trauermarsch der Dudelsäcke, dem Verlesen der Namen der 2752 Opfer, die in den Trümmern des World Trade Center starben, mit dem Entrollen der zerrupften Flagge, die man aus der Asche zog, mit Blumen und Tränen der Angehörigen an Ground Zero.

Auch in Washington vor dem Pentagon, wo das dritte von Al-Kaida-Terroristen entführte Flugzeug vor neun Jahren 184 Menschen den Tod brachte, schien zunächst alles wie immer. Der Präsident hielt vor Soldaten eine Rede. Doch seine Worte ließen ahnen, dass dieser 11. September kein Tag werden würde, an dem die US-Nation in Trauer vereint der Opfer des Terrorinfernos gedenkt.

Wo das Land sonst zusammenrückte, taten sich diesmal tiefe Risse auf. Warum sonst musste Barack Obama appellieren, den „Geist der Einheit wieder aufleben zu lassen“, lange eine Selbstverständlichkeit an diesem Tag? Warum musste er zu Toleranz aufrufen und daran erinnern, dass es „keine Religion war, die uns angegriffen hat, es war Al-Kaida“?

Die beste Art, die Opfer zu ehren, sei, jene Werte hochzuhalten, die Amerika definierten, mahnte er. Die beste Waffe im Kampf gegen den Terrorismus sei, diese Tugenden zu leben. Eine dieser Tugenden, über die an diesem 11. September heftig gestritten wurde, nannte Obama beim Namen: das Recht auf Religionsfreiheit.

Stunden später standen sich in Manhattan hinter Polizeisperren Demonstranten und Gegendemonstranten gegenüber, ein paar hundert auf beiden Seiten. Lauter Streit löste das stille Gedenken ab. „Nieder mit der antimuslimischen Bigotterie“ stand auf den Plakaten der einen. „Keine Moschee an Ground Zero“ und „Der Koran ist eine Lüge“ auf denen der anderen. Ein Mann machte vulgäre Gesten mit einzelnen Koran-Seiten. Ein anderer riss mehrere Seiten aus einem Koran und zündete sie an. Die Polizei habe ihn festgenommen, meldete die New York Post.

Unter jenen, die das geplante islamische Gemeindezentrum unweit vom Ort der 9/11-Anschläge verhindern wollen, das in den USA seit Monaten die Gemüter bewegt, fand sich auch der niederländische Rechtspopulist und Islamgegner Geert Wilders. Hier, in New York, müsse man eine Linie ziehen, rief der Gast aus Europa. Wilders sprach davon, „jenen, die uns unterwerfen wollen, nie die Gelegenheit dazu zu geben“. Und davon, dass New York kein „neues Mekka“ werden dürfe.

Die Mehrheit der Menschen aber dürfte es auf New Yorks Straßen als unangemessen empfunden haben, dass dieser Tag von wem auch immer zu anderem genutzt wurde als Trauer. „Dies ist der Tag der Opfer“, auch solche Plakate gab es. „Zum ersten Mal hat der heilige Boden in Manhattan nicht dazu gedient, die Nation zu einen, sondern, sie zu spalten“, bilanzierte die Los Angeles Times.

Dass der radikale Prediger Terry Jones endgültig verzichtet hatte, in Florida 200 Exemplare des Koran zu verbrennen, mag da ein schwacher Trost sein. Zumal am Samstag dennoch in den USA mindestens drei Koran-Bücher verbrannt wurden: in Nashville im Bundesstaat Tennessee durch zwei evangelikale Prediger sowie im Bundesstaat Kansas durch die Westboro Baptistenkirche. Sechs Christen zerrissen außerdem vor dem Weißen Haus Koran-Seiten.

In Afghanistan gab es erneut blutige Proteste gegen die Pläne von US-Prediger Jones. Laut Augenzeugen kamen am Sonntag in der Provinz Logar zwei Menschen ums Leben, fünf wurden durch Schüsse verwundet, als afghanische Soldaten gegen etwa 500 Demonstranten vorgingen. Bei einem ähnlichen Vorfall waren am Samstag vier Demonstranten schwer verletzt worden. ( mit epd/rtr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare