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20. September, Klimastreiktag

„Fridays vor Future“ - Alle fürs Klima auf die Straße!

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Auch Unternehmen, Kirchen und Gewerkschaften schließen sich dem Klimastreik von „Fridays vor Future“ an. Am Freitag gibt es deutschlandweit in 500 Orten Proteste.

Eigentlich ist das Angebot von Flixbus fast überflüssig: Das Fernbusunternehmen will Menschen am kommenden Freitag zum Klimastreik transportieren und ihnen dafür eine Freifahrt zu schenken. Doch um zur nächstgelegenen Demonstration zu kommen, sollte an den meisten Orten in Deutschland eigentlich kein Fernbus nötig sein: Nicht nur in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt, auch an Orten wie Alsfeld, Büdingen oder Dorfen werden Demonstrationen von „Fridays for Future“ stattfinden. Insgesamt sind, Stand Mittwoch, mehr als 500 Aktionen in ganz Deutschland geplant. Die Schülerinnen, Schüler und Studierenden von „Fridays for Future“, die schon seit Anfang des Jahres jeden Freitag für mehr Klimaschutz demonstrieren, statt in die Schule zu gehen, haben für diesen Freitag unter dem Motto „Alle fürs Klima“ auch die Erwachsenen zum Streiken aufgerufen.

Klimastreik am 20. September: „Fridays for Future“ - auch für Erwachsene

„Wir gehen einen Schritt weiter“, sagt Carla Reemtsma von „Fridays for Future“ zur Frankfurter Rundschau. „Bisher waren vor allem junge Leute auf der Straße, jetzt schließen sich auch Erwachsene an.“ Wenn die ebenfalls über ein Dreivierteljahr einmal pro Woche auf die Straße gegangen wären, wäre schon mehr passiert, vermutet sie. Reemtsma erwartet, dass deutschlandweit am Freitag deutlich mehr Menschen mitmachen werden als bei den bisherigen großen Streiks im März und im Mai. Damals waren es schon um die 300 000.

Die Demonstrationen in Deutschland richten sich vor allem an das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag ein Paket vorlegen will, mit dem Deutschland sein Klimaziel für das Jahr 2030 noch erreichen kann. Auch wenn die beschlossenen Maßnahmen tatsächlich dafür ausreichen sollten – „Fridays for Future“ wird das nicht reichen: „Die große Koalition arbeitet auf ein Klimaziel hin, das dem Pariser Abkommen völlig widerspricht“, heißt es in einer Mitteilung. Das fordert, durch Emissionsminderungen und andere Schritte die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Fridays for Future“ fordert von der Bundesregierung kategorisch, ihre Politik an diesem Ziel auszurichten.

Klimastreik: „Fridays for Future“ gemeinsam mit etablierten Verbänden

Es ist aber nicht so, dass die Erwachsenen an diesem Freitag zum ersten Mal mit den Schülerinnen und Schülern auf die Straße gehen. Seit der ersten großen Demonstration von „Fridays for Future“ im Januar haben sich zahlreiche Gruppen gegründet, die mit der Bewegung am gleichen Strang ziehen.

Neben den „Scientists for Future“, die die Schülerinnen und Schüler mit wissenschaftlicher Expertise unterstützen, und den Eltern, die sich als „Parents for Future“ an die Seite ihrer Kinder stellen, gibt es mittlerweile unzählige Gruppierungen „for Future“ – darunter Politiker, Ärzte, Arbeiter, Ingenieure, Lehrer, Pädagogen, Kitas und Softwareentwickler.

Klimastreik: BUND, Greenpeace und NABU dabei

Am Klimastreik am 20. September nehmen aber auch die etablierten Verbände teil. Ein Bündnis von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen unterstützt die Demonstration, darunter Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland und viele Bistümer haben dazu aufgerufen, an den Demonstrationen teilzunehmen.

Bei einem „Streik“ nicht fehlen dürfen natürlich die Gewerkschaften. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft beispielsweise dazu auf, „wem immer es möglich ist, dabei zu sein bei den Aktionen am 20. September und Flagge zu zeigen“, wie Verdi-Chef Frank Bsirske es formuliert. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich solidarisiert.

Viele Firmen unterstützen den Klimastreik

Er weist allerdings auch darauf hin, dass die Gewerkschaften nicht offiziell zum Streik aufrufen. „Ein Streik ist eine Arbeitskampfmaßnahme, zu der Gewerkschaften nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen aufrufen können“, heißt es in einer Mitteilung. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die an Demonstrationen teilnehmen wollen, sollten deshalb das geltende Arbeitsrecht beachten und sich für diese Zeit freinehmen, empfiehlt der DGB. Rechtlich muss ein Streik in Deutschland immer mit Tarifverhandlungen verknüpft sein, politische Streiks gelten hierzulande als verboten. Manche haben allerdings das Glück, dass ihr Arbeitgeber ihnen offiziell freigibt: Viele Firmen unterstützen den Klimastreik. So sind einem Aufruf der GLS-Bank, den Klimastreik zu unterstützen, bereits 1900 Unternehmen gefolgt.

Hartnäckige Politik statt Greta-Show? Dafür muss noch viel passieren, nicht nur freitags

Über die eigentlichen Demos ist in Berlin auch eine Straßenblockade des Bündnisses „Ungehorsam für alle“ geplant. Nach der Klimastreikdemonstration sollen am Nachmittag an unterschiedlichen Orten Straßen blockiert werden, sagt Hannah Eberle, Sprecherin des Bündnisses. An „Ungehorsam für alle“ sind unter anderem Aktivistinnen und Aktivisten aus den Protestgruppen Ende Gelände und Extinction Rebellion beteiligt.

Die Aktion ist laut Eberle für alle offen: „Alle sollen teilnehmen können, auch wer noch keine Erfahrung mit Sitzblockaden hat“, so Eberle. Man wolle dem Streik keine Konkurrenz machen, sondern ihn ergänzen: „Wir nehmen alle an der ‚Fridays for Future‘-Demonstration teil und beziehen uns solidarisch aufeinander“, so Eberle. „Wir glauben allerdings, dass man einen Schritt weitergehen muss.“

„Fridays for Future“-„Streikwoche“ bis 27. September

Carla Reemtsma von „Fridays for Future“ stimmt zu: „Wir sind solidarisch mit allen, die sich friedlich für die Klimakrise einsetzen.“ Sie habe großes Verständnis für alle, die seit neun Monaten auf die Straße gehen, ohne Ergebnisse zu sehen und die nun eine andere Protestform wählen wollen.

Aber auch nach Ende der Straßenblockaden am Freitag hören die Proteste nicht auf. So veranstaltet „Fridays for Future“ an jedem Tag der „Streikwoche“ bis 27. September eine Demonstration zu einem bestimmten Thema. Am Samstag gibt es in Stralsund beispielsweise eine Aktion zum Thema Meeresschutz, am Mittwoch, 25. September, findet in Frankfurt am Main eine Demonstration zum Thema Klimagerechtigkeit statt. Verschiedene „Fridays for Future“-Gruppen organisieren außerdem Klimacamps.

Die Woche endet dann mit einem weiteren internationalen Streik, zu dem das Bündnis „Earth Strike“ aufruft. Für „Fridays for Future“ in Deutschland wird der 27. aber eher ein „normaler“ Streiktag werden. Und wenn die Forderungen der Schülerinnen und Schüler an die große Koalition nicht gehört werden? Für Carla Reemtsma ist klar: „Wir werden weiter streiken, bis es konsequenten Klimaschutz gibt.“

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