War sells

Bilder von Saddams Söhnen

Von Markus Brauck

Sex sells. Crime sells. War sells. Keine Frage. Und immer, wenn Fotos aus dem Krieg auftauchen, die Grausames zeigen, stellt sich die gleiche Frage: "Darf man solche Bilder drucken ?" In dieser Woche gibt es die Diskussion gleich zweimal. Bild druckte ein Foto aus dem Bürgerkrieg in Liberia, das einen Kämpfer zeigt, der den abgeschlagenen Kopf eines Rebellen durch die Hauptstadt Monrovia trägt. Das Bild einer Grausamkeit. Auch ein grausames Foto ? Später druckte Bild das Foto ein zweites Mal - diesmal unter der fadenscheinig eine ethische Debatte andeutenden Überschrift: "Darf man solche Fotos drucken ?" Man kennt das. Bilder aus einer gruseligen Sendung und die Frage: Darf man sowas im Fernsehen zeigen ? 

Darf man ? Im Pressekodex des deutschen Presserats heißt es in Ziffer 11: "Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität." Aber was ist unangemessen ? So einfach wie Peter Scholl-Latour in der Bild darf man es sich nicht machen. Seine Argumentation läuft nach dem Muster: Krieg ist grausam, also sind auch Bilder vom Krieg grausam. Scholl-Latour schreibt: "Das Foto des abgeschlagenen Kopfes sollte ähnlich zur moralischen Entrüstung aufrufen wie damals das Foto des Napalm-verbrannten Mädchens in Vietnam." Ob der Vergleich stimmt, ist aber die Frage. Schließlich ist über den Bürgerkrieg in Liberia ausführlich berichtet worden, auch über seine Brutalität. Hat das Bild noch einen zusätzlichen Informationswert ? Wenn nicht, dann ist das Drucken des Fotos ein billiges Ausschlachten des Leids eines Menschen.

Es ist immer abzuwägen zwischen dem Schutz der Menschenwürde und dem Informationsrecht der Öffentlichkeit. Und es reicht nicht zu sagen, dass so ein Bild noch kein Mensch gesehen hat. Das ist auch bei den Bildern der getöteten Söhne Saddam Husseins nicht anders. Hier geht Bild wieder steil und druckt die Fotos der Toten auf Seite eins. Überschrift: "Saddams tote Söhne". Die FAZ meint auch, sie komme an der Veröffentlichung nicht vorbei - und bringt die Fotos etwas zurückhaltender einspaltig auf Seite zwei. Die Welt druckt etwas verschämt ein Motiv, auf dem die Bilder der Toten im Fernsehen zu sehen sind. Viele Blätter, darunter die FR, verzichten ganz auf den Abdruck.

Dieser - bis auf Bild - verdruckste Umgang mit den Bildern zeigt deutlich, dass hier einige Journalisten Bauchschmerzen hatten. Zu Recht. Welchen Informationswert sollen diese Fotos haben ? Die Nachricht vom Tod der Söhne reicht aus, und es reicht völlig aus, darüber zu berichten, dass die USA als Beweis Bilder der Toten vorgelegt haben.  Vielleicht ist es aus Sicht der US-Regierung sinnvoll, Klarheit zu schaffen. Vielleicht ist es wichtig für die Iraker, den Tod der Saddam-Söhne schwarz auf weiß bewiesen zu sehen. Vielleicht. Aber ganz sicher gibt es für deutsche Zeitungsleser kein Informationsrecht an diesen Fotos. Weil in den Bildern keine neue Information enthalten ist. Ganz egal, was für grausame Gesellen Udai und Kusai Hussein auch gewesen sein mögen.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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