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Russlands Kollaborateure fliehen aus den befreiten Gebieten

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Von: Tim Vincent Dicke

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Nicht nur russische Soldaten ergreifen wegen der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg die Flucht. Auch die Kollaborateure verschwinden.

Kiew – Die russische Armee muss in teils chaotischen Rückzügen Gebiete in der Ukraine aufgeben. Grund: Die Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte, mit der die Truppen eigenen Angaben zufolge viele Siedlungen befreien können. Doch nicht nur Soldaten von Kreml-Chef Wladimir Putin flüchten in Panik – auch Kollaborateure lassen alles zurück.

So zum Beispiel geschah es in Tscherneschtschyna, einem Dorf im Oblast Charkiw mit nicht einmal 1000 Einwohner:innen. Anfang Oktober hatten russische Kämpfer dort ihre Stellungen aufgegeben, mitten in der Nacht waren sie laut Zeug:innen plötzlich verschwunden. „Am Morgen des 2. Oktober waren sie einfach weg“, sagte Bewohner Oleksiy dem US-Magazin Daily Beast. Die Soldaten hätten Munitionskisten, Propagandazeitungen und leere Wodkaflaschen in ihren Gräben und Schützengräben zurückgelassen, schilderte er die Situation nach dem Abzug.

News zum Ukraine-Krieg: Russlands Soldaten lassen Kollaborateure zurück

Unabhängig überprüfen lassen sich diese Informationen wie so oft im Ukraine-Konflikt nicht. Der Bericht deckt sich allerdings mit anderen Nachrichten, die aus dem Kriegsgebiet hinausdrängen. So zeigte ein erst kürzlich veröffentlichtes Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, die panische Flucht von russischen Kämpfern aus der Region Cherson: Einige von ihnen sitzen auf einem gepanzerten Kampffahrzeug, sie rufen dem Fahrer zu, er solle schneller fahren. Dieser verliert die Kontrolle und kommt von der Straße ab. Das Fahrzeug kippt um, die Männer schreien vor Schmerzen.

Ein rotes Z-Zeichen ist an einer Bushaltestelle im Dorf Lypzi, das von den ukrainischen Streitkräften befreit wurde, zu sehen.
Nach dem Rückzug russischer Truppen fliehen Kollaborateure. (Archivbild) © Ukrinform/dpa

Nach Angaben von Bewohner Oleksiy waren etwa ein Drittel der Bevölkerung seines Dorfes entweder Kollaborateure oder Menschen, die mit Russland sympathisierten. Der Priester der örtlichen St. Nikolaus-Kirche gehörte dem Bericht zufolge zu denjenigen, die vor den vorrückenden ukrainischen Truppen flohen. Er soll dem kremltreuen Patriarchen Kirill nahe stehen, dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. „Er ist nach Russland geflüchtet und hat einige der Schätze aus der Kirche gestohlen“, erklärte Olena, die Frau des Bewohners gegenüber Daily Beast.

News zum Ukraine-Krieg: Hunderttausende Kollaborateure? „Absolut wirres Zeug“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Anfang Oktober um das Vertrauen der Bevölkerung in den ehemals besetzten Gebieten geworben. „Russische Propagandisten schüchtern die Menschen in den noch von den Besatzern kontrollierten Gebieten ein, dass die Ukraine angeblich fast jeden, der in den besetzten Gebieten bleibt, als Kollaborateure betrachten werde. Absolut wirres Zeug“, sagte der Staatschef in einer Videoansprache.

Selenskyj erklärte damals, dass es nur vereinzelt Unterstützung für die russischen Besatzungstruppen gegeben habe, obwohl sich „Hunderttausende“ vorübergehend unter russischer Kontrolle befunden hätten. Damit widersprach er der russischen Erzählung, dass die Menschen in den vier besetzten ukrainischen Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja mehrheitlich nach Russland streben würden. (tvd)

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