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Ein britischer Soldat unterhält sich mit jungen Leuten aus Basra, nachdem die Truppen ein Büro des schiitischen Geistlichen Muktada as-Sadr gestürmt haben.

Selbstmordattentäter in Irak reißt 19 Menschen in den Tod

Dritter Autobombenanschlag innerhalb einer Woche / Britische Regierungsmitglieder warnten Premier Blair vor dem Sturz Saddams

Bagdad/London · 19. September · Beim dritten Anschlag auf irakische Sicherheitskräfte innerhalb einer Woche steuerte ein Selbstmordattentäter sein mit Sprengstoff beladenes Auto in eine Warteschlange vor einer Rekrutierungsstelle in Kirkuk. Das Auto sei sehr schnell auf die Gruppe zugefahren und explodiert, berichtete ein Augenzeuge. Die Bewerber bei der Nationalgarde hatten sich angestellt, um die Ergebnisse der Tauglichkeitsprüfung zu erfahren.

Der britische Außenminister Jack Straw hat Premierminister Tony Blair lange vor dem Irak-Krieg deutlich gemacht, dass das Land nach einer Invasion im Chaos versinken könnte. Der Daily Telegraph zitierte aus Dokumenten, in denen Regierungsbeamte starke Vorbehalte gegen ein militärisches Eingreifen äußerten. In einem geheimen Schreiben an Blair gab Straw im März 2002 zu bedenken, ein Sturz von Saddam Hussein werfe große Probleme auf: "Niemand hat zufriedenstellend beantworten können, woher wir die Sicherheit nehmen wollen, dass das Nachfolgeregime besser wäre." In einem anderen Dokument zeigten sich Regierungsberater überzeugt davon, dass US-Präsident George W. Bush nur den "erbitterten Zweikampf" mit Hussein zu Ende bringen wolle. Die Beamten warnten davor, dass es möglicherweise nur eine Frage der Zeit wäre, bis in Irak ein neuer Diktator an die Macht käme. Blairs außenpolitischer Berater Sir David Manning kritisierte 2002 nach einem Besuch in Washington, dass Bush "noch immer Antworten auf die großen Fragen finden" müsse. Die US-Regierung unterschätze die Risiken offenbar.

Die britische Opposition warf Blair nach den Enthüllungen vor, die Öffentlichkeit "klar in die Irre" geführt zu haben. Er habe nicht sein wahres Motiv für den Krieg offen gelegt, sondern die Massenvernichtungswaffen vorgeschoben, sagte der Führer der Liberalen, Charles Kennedy, in einem BBC-Interview. Blair wies den Vorwurf, die Regierung sei planlos vorgegangen, zurück.

Bei einem Überfall auf einen Konvoi in Mosul wurden am Wochenende fünf Menschen getötet. Bei einem US-Angriff in Falludscha kamen vier Iraker ums Leben. Auf der Verbindungsstraße von Bagdad zum Flughafen explodierte eine Autobombe, als ein US-Konvoi die Stelle passierte. Dabei wurden nach Angaben der Streitkräfte zwei Soldaten getötet. In der Provinz Anbar wurde der zuvor entführte stellvertretende Gouverneur tot aufgefunden. Britische Truppen stürmten am Freitag ein Büro des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada as-Sadr und hoben ein Waffenversteck aus. Dabei wurden nach offiziellen Angaben drei Menschen getötet.

Die Entführer eines Briten und zweier US-Amerikaner drohten mit dem Tod ihrer Geiseln, falls nicht alle weiblichen Häftlinge in zwei Gefängnissen freigelassen würden. Derzeit sollen sich etwa 120 Ausländer in der Hand von irakischen Kidnappern befinden. 14 von ihnen wurden allein am Wochenende verschleppt. Von den beiden italienischen Angehörigen der Hilfsorganisation Brücke für Bagdad und den zwei französischen Reportern fehlt weiter jede Spur.

Zwei US-Soldaten müssen sich nach ihrer Heimkehr wegen Totschlags verantworten. Sie sollen einen 19-jährigen Iraker gezwungen haben, von einer Brücke zu springen. Der junge Mann ertrank im Tigris.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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