„Es sollte eine Vorschrift geben, dass Recyclingbeton mit CO2 angereichert werden muss, bevor er in Neubauten genutzt werden kann.“
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„Es sollte eine Vorschrift geben, dass Recyclingbeton mit CO2 angereichert werden muss, bevor er in Neubauten genutzt werden kann.“

UN-Klimakonferenz

Selbst ist der Konzern

  • vonChristian Mihatsch
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Klimavorreiter der Wirtschaft fordern mehr Regulierung, um ihre Klimaziele zu erreichen.

Ehrgeizige Klimapolitik schade der Wirtschaft, glauben manche Politiker. Viele Firmen sehen das ganz anders. Sie fühlen sich verpflichtet, die Pariser Klimaziele zu erfüllen und fordern dabei Unterstützung in Form strikter Klimaschutzauflagen.

Weltweit haben sich bereits 714 Firmen der Initiative für „Wissenschaftsbasierte Ziele“ (SBT von englisch „Science Based Targets“) angeschlossen. Diese prüft, ob die Unternehmensziele den Zielen des Paris-Abkommens genügen. Dabei stellt so manche Firmenleitung fest, dass sie die Bemühungen überschätzt hat. „Wir waren überrascht und besorgt, als wir gemerkt haben, dass unsere alten Ziele völlig unzureichend waren“, erinnert sich Holly Emerson vom US-Konzern Ingersoll Rand am Rande des Klimagipfels in Madrid. „Erst herrschte Ungläubigkeit, dann Akzeptanz und schließlich Entschlossenheit, die nötigen Emissionsminderungen zu liefern.“

Immerhin: Die Ziele von 285 Firmen wurden schon als ausreichend zertifiziert. Darunter sind viele Großkonzerne. Die direkten Emissionen (Scope 1) und die aus dem Energieverbrauch (Scope 2) letzterer liegen bei 752 Millionen Tonnen pro Jahr. Das ist mehr als Frankreich und Spanien zusammen verursachen.

Wirkung erzielen aber insbesondere jene Firmen, die auch die Emissionen miteinbeziehen, die bei ihren Lieferanten und bei der Verwendung ihrer Produkte entstehen (Scope 3). Die Reduktion dieser Emissionen ist schwierig, birgt aber das größte Potenzial, weil dadurch eine „Klimaschutzkaskade“ in Gang kommt, wie Ron van der Akker vom niederländischen Chemiekonzern DSM sagt: „Unsere Lieferanten müssen mit ihren Lieferanten reden und die müssen mit ihren Lieferanten reden und so weiter.“ Insgesamt kommen die SBT-zertifizierten Unternehmen zusammen mit ihren Lieferketten auf CO2-Emissionen von 3,9 Milliarden Tonnen. Das entspricht rund 90 Prozent der EU-Emissionen.

Großen Handlungsbedarf sehen die Firmen aber nicht nur bei den Lieferketten, sondern auch in der Politik. Die Regierungen müssten verstehen, dass sie mit weitreichenden Klimaschutzmaßnahmen nicht automatisch den Unternehmen schadeten – im Gegenteil: „Keiner von uns kann das Paris-Abkommen ohne signifikante Änderungen der Regierungspolitik einhalten“, sagt Jeff Turner von DSM. „Das beginnt mit einem aussagekräftigen CO2-Preis.“

Am Rande des Madrider Klimagipfels werden aber auch branchenspezifische Regulierungswünsche formuliert. Peter Lukas vom deutschen Zementhersteller Heidelberg Cement etwa fordert: „Es sollte eine Vorschrift geben, dass Recyclingbeton mit CO2 angereichert werden muss, bevor er in Neubauten genutzt werden kann.“

Investoren in der Pflicht

In den meisten Branchen sind die SBT-Firmen noch eine Minderheit. Damit das nicht so bleibt, gibt es verschiedene Ansatzpunkte. In Japan fördert die Regierung die SBT-Zertifizierung von Firmen. Weltweit haben aber institutionelle Investoren am ehesten die Möglichkeit, Firmen zur Teilnahme an SBT zu bewegen. Thomas Liesch vom deutschen Versicherungskonzern Allianz sieht seine Branche in der Pflicht: „Als Investoren müssen wir sagen: ‚Liebe Firma, wenn du das Geld unserer Kunden willst, dann musst du uns zeigen, dass du auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet bist.‘“ Ehrgeizige Klimaziele können zudem die Kapitalkosten senken. Der italienische Energiekonzern Enel und der finnische Telekommunikationskonzern Nokia haben Anleihen herausgegeben, deren Verzinsung von der Erreichung von Klimazielen abhängt. Werden die Ziele nicht erreicht, steigt der Zins.

Ein solcher Mechanismus existiert für Staaten nicht. Diese können sich erst ungenügende Ziele setzen und diese dann auch noch verpassen – wie etwa Deutschland. Auch hinsichtlich Bescheidenheit könnten manche Politiker von der Wirtschaft lernen. „Wir sind keine Helden“, sagt Jeff Turner von DSM. „Wir leisten einfach unseren fairen Beitrag, wie das jeder tun sollte.“

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