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Selber kochen!

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Von: Verena Kern

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Gemüse und gesunde Ernährung, das gehört zusammen. Dabei muss es nicht mal durchweg fleischlos sein – auch wer den Fleischkonsum um die Hälfte reduziert, tut bereits viel.
Gemüse und gesunde Ernährung, das gehört zusammen. Dabei muss es nicht mal durchweg fleischlos sein – auch wer den Fleischkonsum um die Hälfte reduziert, tut bereits viel. © Ok Shu/Imago

Wer umweltfreundlicher einkauft und isst, hilft dem Planeten und der eigenen Gesundheit. Und schont sogar den Geldbeutel.

Kennen Sie die Ernährungs-Docs? Das Konzept der NDR-Sendung ist einfach: Ernährungsprofis helfen Menschen mit unterschiedlichsten Beschwerden, ihre Gesundheit zu verbessern – mit Essen als Medizin. Beeindruckend daran ist, wie viel sich mit einer gesünderen Ernährung bewirken lässt. Ob bei Übergewicht und dadurch verursachten Erkrankungen wie Diabetes, aber auch bei Rheuma, Migräne, Sodbrennen und sogar Depressionen. Ein roter Faden zieht sich durch die Empfehlungen der Gesundheitsexpertinnen und Experten – mehr Obst und Gemüse essen, weniger Zucker und Fleisch.

Genau das schlägt auch die renommierte Eat-Lancet-Kommission vor. Mit ihrer „Planetary Health Diet“ hat das Team aus Klimaforschenden und Ernährungswissenschaftlerinnen 2019 einen Speiseplan entwickelt, der Gesundheit und Klimaschutz vereint. Wer besser isst, ist gesünder. Und hilft dem Planeten. Oder anders gesagt: Klimafreundliches Verhalten zahlt sich bei der Ernährung unmittelbar und in besonderem Maße aus. Von allen klimarelevanten Bereichen liegt hier am eindeutigsten eine Win-Win-Situation vor.

Die Lancet-Kommission kann das sogar mit harten Zahlen untermauern. Elf Millionen vorzeitige Todesfälle ließen sich nach ihren Berechnungen verhindern, wenn vor allem pflanzenbasiert gegessen wird. Nötig wäre nicht einmal ein vollständiger Verzicht auf Fleisch. Eine „Flexitarier“-Ernährung würde genügen. Auf dem Teller dürfte aber nur noch die Hälfte der heutigen Fleischmenge landen.

Um klimafreundlicher zu essen, wäre das der größte Hebel. Unsere Ernährung geht laut Umweltbundesamt mit einem CO2-Rucksack von 1,7 Tonnen pro Kopf einher. Das sind 15 Prozent der Emissionen, die jede und jeder von uns im Schnitt pro Jahr verursacht. Der größte Teil davon, nämlich zwei Drittel oder rund 1,2 Tonnen, geht auf das Konto der Tierhaltung. Emissionen, die bei der Weiterverarbeitung von Fleisch und Milch entstehen, sind dabei nicht berücksichtigt. Dazu kommt ein enormer Flächen- und Wasserverbrauch sowie Schadstoffemissionen wie Ammoniak und Feinstaub. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln ist außerdem die mit Abstand größte Ursache für den rasanten Verlust an Biodiversität.

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Weiterlesen Tipps zum Lagern, Kochen, Essen und Teilen von Lebensmitteln gibt es beim Bundeszentrum für Ernährung. Dort ist auch eine Übersicht zur „Planetary Health Diet“ zu finden.

Verwerten Für Reste im Kühlschrank gibt es auf restegourmet.de das passende Rezept. Wer zum Beispiel nur noch Gurken und Räuchertofu im Kühlschrank hat, bekommt dort veganen Fleischsalat empfohlen.

Essen retten Bei Foodsharing organisieren sich Menschen, um Lebensmittel zu „retten“, die sonst in Supermärkten oder Restaurants weggeworfen werden. Die App „Too good to go“ folgt einem ähnlichen Prinzip - dort bekommt man solche Lebensmittel für einen reduzierten Preis. fme/vk

Was würde passieren, wenn wir alle einmal in der Woche fleischlos essen würden? Das hat der Umweltverband WWF kürzlich berechnet. Demnach könnten neun Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Bei einer Halbierung des Fleischverzehrs wären es sogar 27 Millionen Tonnen. Allerdings: Auch Butter, Sahne und Käse sind nicht weniger klimaschädlich (siehe Grafik).

Wichtig ist aber nicht nur, was wir essen. Auch wie wir mit Lebensmitteln umgehen, fällt ins Gewicht. Viel zu viel landet einfach in der Tonne. Umgerechnet sind das laut Thünen-Institut 75 Kilo pro Kopf und Jahr. Weggeworfen werden vor allem Obst und Gemüse, auch wenn sie nur schrumpelig und nicht verdorben sind. Gegensteuern lässt sich relativ einfach. Man kauft nur so viel, wie man wirklich braucht. Und am besten nicht dann, wenn man großen Hunger hat. Das verleitet zu unnötigen Käufen. Leichter wird das, wenn man einen Einkaufszettel verwendet. Das spart auch Zeit beim Einkaufen. Hat man doch mal Lebensmittel übrig, kann man sie über Online-Plattformen mit anderen teilen. Das Umweltbundesamt empfiehlt darüber hinaus, Kühlschrank und Küche regelmäßig aufzuräumen und Lebensmittel so zu lagern, dass sie weniger schnell verderben. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf vielen Produkten sollte auch nicht als Wegwerfdatum begriffen werden, sondern nur als Empfehlung der Hersteller.

Wer selbst kocht, hat sogar einen dreifachen Gewinn. Man ernährt sich gesund und spart Klimagase und Geld. Bei Fertigprodukten, für deren Herstellung viel Energie verbraucht wird, ist das in aller Regel nicht der Fall. Beim Selberkochen lassen sich sogar Gemüsereste verwenden. Rezepte findet man im Netz, etwa für ein Pesto oder eine Suppe aus Karottengrün. Ich habe es ausprobiert, es schmeckt wirklich sehr gut.

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