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Der Würzburger Echter-Verlag lässt AfD-kritische Christen schmunzeln.

Satirische Neuerscheinung

32 Seiten über Christliches in der AfD

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Der Echter-Verlag in Würzburg, Fachverlag für christliche Literatur, bringt seine Leser mit einer Broschüre über Schnittstellen zwischen AfD und Christentum zum Schmunzeln - und die AfD zum Klagen.

Der Würzburger Echter-Verlag legt eigentlich in der Hauptsache wissenschaftlich-theologische Literatur auf und ist selbst ganz offensichtlich auch zu Scherzen aufgelegt. Beides hat er in einer jüngst erschienenen Broschüre gewitzt miteinander verbunden. Auf 32 Seiten arbeitet sich der namentlich nicht genannte Autor an Schnittstellen zwischen dem christlichen Glauben und den Positionen der Alternative für Deutschland (AfD) ab. Die Pointe: Die Broschüre besteht im Wesentlichen aus unbeschriebenen Seiten.

„Wir haben recherchiert, und haben herausgefunden: Da gibt’s nichts, gar nichts“, steht in dem Büchlein, in dem es auf den 32 Seiten gerade mal acht Sätze zu lesen gibt. „Sie können blättern, so viel Sie wollen: Es gibt nichts“, heißt es darin mit Nachdruck. Entsprechend kostet das Büchlein auch nur 2,90 Euro – und kommt so gut an, dass dem Verlag die 1.500 Exemplare der ersten Auflage schon ausgehen: „Aufgrund der großen Nachfrage kommt es bei dem AfD Büchlein kurzfristig zu Lieferschwierigkeiten“, teilt der Echter-Verlag auf seiner Internetseite mit.

AfD prüft rechtliche Schritte

Ein voller Erfolg also für den kleinen Verlag, über den sich die AfD freilich so gar nicht freuen kann. Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Volker Münz, selbst engagiertes Kirchenmitglied in einer evangelischen Gemeinde, nannte das Werk einen „Skandal“ und hat angekündigt, rechtliche Schritte prüfen zu wollen.

Fragt sich, ob rechtliche Schritte mühsamer sind als dem Dialogangebot auf der letzten Seite der Broschüre Folge zu leisten: „Sollten Sie christliche Standpunkte in der AfD benennen können, dürfen Sie uns diese gerne mitteilen“, heißt es darin. Verleger Thomas Häußner vom Echter-Verlag gibt sich von dem Gebaren der AfD jedenfalls unbeeindruckt: „Wenn dieses Buch ein Skandal für die AfD ist, dann sollte die AfD auch ihre Aussagen überprüfen, inwieweit die skandalträchtig sind“, sagte Häußner im Bayerischen Rundfunk.

Beeindruckt – oder gar in Sorge wegen der Klageabsichten des AfD-Politikers sei man im Verlag jedenfalls nicht: „Angst in dem Sinne habe ich keine, denn ich denke, das fällt durchaus in den Bereich der Satire, und die sollte in der Demokratie in diesem bescheidenen Maße noch erlaubt sein.“ Das setzt beim Empfänger jedoch ein gewisses Mindestmaß an Humor voraus, das Münz offensichtlich abgeht. „Bestenfalls ist das Satire“, räumte er gegenüber dem Online-Portal katholisch.de ein, aber: „Aus meiner Sicht diskreditiert sich der Verlag damit selbst.“

Bei dem Online-Händler Amazon sehen das die Käufer indessen anders: Sie bewerten das Taschenbuch „Christliches in der AfD“ durchweg mit fünf von fünf möglichen Sternen. Käufer Ingo Gnito dreht den Spieß mit seinem Kommentar dann auch noch weiter und setzt der Satire einen drauf: „Eine sachliche und umfassende Darstellung der christlichen Werte der AfD, die erfreulicherweise völlig auf die im Umgang mit dieser Partei üblich gewordene wohlfeile Polemik verzichtet. Dieses Buch steht verdientermaßen auf der Sachbuch-Bestenliste!“

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