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Sein Name ist Hoon, er weiß von nichts

Britischer Verteidigungsminister versucht, mit seinem Auftritt vor dem Tribunal zum Irak-Krieg seinen Stuhl zu retten

Von Peter Nonnenmacher

LONDON, 27. August. Lordrichter Hutton, der gegenwärtig die Umstände des Selbstmords des Waffenexperten David Kelly zu erforschen sucht, hatte den Minister vor sein Tribunal zitiert, um Antworten auf schwer wiegende Beschuldigungen zu hören. Unter anderem wird dem Verteidigungschef vorgeworfen, seinerzeit Druck auf Kelly ausgeübt zu haben, der sich gegenüber Journalisten - als anonym zitierte "Quelle" - kritisch zur Irak-Politik der Londoner Regierung geäußert hatte. Hoon wird auch vorgehalten, Kellys Namen an die Öffentlichkeit gespielt und so den bekanntermaßen herzkranken Fachmann seines Ministeriums "ans Messer geliefert" zu haben.

Zwei Parlamentsausschüsse, die Kelly in der Folge vernahmen, soll der Minister "angewiesen" haben, ihre Fragen auf Bereiche zu beschränken, die der Regierung nicht gefährlich werden konnten - eine Direktive, die das Ausschussmitglied Andrew Mackinlay von der regierenden Labour-Partei zu der Bemerkung reizte, Hoon lege ja wohl "eine monumentale Unverschämtheit" an den Tag. Wie Mackinlay sehen auch andere Parteifreunde Hoons die Hand des Ministers im Spiel, wo es um Manipulation von Fakten ging, so bei der Rechtfertigung des Krieges gegen Irak durch das regierungsamtliche "Waffen-Dossier" vom vergangenen September.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Donald Anderson, ließ gar durchblicken, Hoons Ministerium habe den Regierungskritiker Kelly zum Schweigen zu bringen versucht - ein Vorwurf, den Hoon gestern harsch zurückwies. Er habe mit der Preisgabe Kellys als Informanten "nichts zu tun" gehabt, beharrte der Minister. Sein Ministerium habe es "nicht darauf angelegt", Kelly an den Pranger zu stellen, und habe den Waffenexperten "zu keinem Zeitpunkt schlecht behandelt". Die wichtigen Entscheidungen seien im Übrigen in der Regierungszentrale, in No. 10 Downing Street, getroffen worden: Von dort hatte Blair-Gehilfe Alastair Campbell in der vergangenen Woche den Schwarzen Peter ans Verteidigungsministerium abzuschieben versucht.

Was seine Person betreffe, meinte Hoon nun vor Richter Hutton, seien "Verschwörungstheorien" jedenfalls fehl am Platze: In der Tat habe ihn Kelly einmal, bei einer zufälligen Begegnung in der Kantine, seiner "vollen Unterstützung" für die harte Haltung der Regierung gegenüber dem irakischen Diktator Saddam Hussein versichert. Auch Anzeichen der Unzufriedenheit von Geheimdienstbeamten mit dem berühmt-berüchtigten "Waffen-Dossier" habe er "nicht feststellen können". Kurz gesagt: Der Minister begriff nicht, was die ganze Aufregung sollte - sein Name war Hoon, er wusste von nichts.

Trotzig und vehement wehrte sich Geoff Hoon vor dem Tribunal gegen die Anwürfe aus den letzten Wochen und - aus seiner Sicht - gegen den Versuch, ihn zum herausragenden Bösewicht des Stückes zu stempeln. Ob seine Selbstverteidigung ihn letztlich vor dem Sturz wird retten können, wagten auch erfahrene Beobachter nach der gestrigen Vorstellung in den Royal Courts nicht vorauszusagen.

Am heutigen Donnerstag, wenn Hoons Boss seinerseits in den Zeugenstand des Hutton-Tribunals tritt, dürfte sich eher zeigen, ob Premierminister Tony Blair seinen Getreuen Hoon preiszugeben gedenkt oder ihn auf dem Stuhl zu halten gewillt ist. Aller Augen richten sich nun auf Blair: Bei der Befragung des Kriegsherrn gegen Irak geht es um mehr als nur um eine ministerielle Karriere.

Die Kelly-Affäre im Dossier: Irak nach dem Krieg

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