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Ihr Platz in der Kabinettssitzung bleibt leer, die Kanzlerin ist in häuslicher Quarantäne.

Angela Merkel

„Seien Sie geduldig!“

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Die Kanzlerin meldet sich mit Lob und Verständnis per Podcast aus der häuslichen Quarantäne. Ein Ende des Shutdowns vor dem 20. April ist nicht in Sicht.

Mit einem Audio-Podcast hat sich die Kanzlerin aus der häuslichen Quarantäne gemeldet – in einem herzlichen Ton: „Danke, von ganzem Herzen danke.“ Die sonst so nüchterne CDU-Politikerin brachte ihre Freude zum Ausdruck, dass sich die meisten Menschen an das Kontaktverbot halten, mit dem die Verbreitung des Coronavirus verlangsamt werden soll.

Merkel ist in Quarantäne, weil sie sich von einem Arzt gegen Pneumokokken impfen ließ, der sich hinterher als Corona-Infizierter herausstellte. Oft wendet sie sich am Wochenende per Video-Podcast an die Menschen. Das tat sie dieses Mal nicht – sie gewährte keinen Einblick in ihre private Wohnung. Dafür hat sie ihre persönliche Botschaft am Telefon eingesprochen.

Merkel ließ erkennen, dass sie weiß: Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens fallen vielen schwer – abgesehen von den damit verbundenen wirtschaftlichen Problemen. Der Mensch sei „nun mal auf Kontakt und Nähe eingestellt, und darauf freue ich mich dann auch wieder“, sagte sie und rief zum Durchhalten auf: „Seien Sie geduldig!“ Und sie räumte unumwunden ein, niemand könne heute mit gutem Gewissen sagen, wie lange diese Zeit anhalten werde.

Die Kanzlerin grüßte alle, „die jetzt Wohnen und Homeoffice verbinden“. Auch wenn es für viele nicht leicht sei, die Arbeit auch noch mit der Kinderbetreuung zu verbinden, so könne man von zu Hause doch viel Arbeit schaffen, zum Beispiel mit Hilfe von Telefon- und Videokonferenzen.

Klare Ansage zum Shutdown

Wie lang wird es mit dem Shutdown des öffentlichen Lebens noch so weitergehen? Das wüssten viele Bürgerinnen und Bürger gern. Kanzleramtschef Helge Braun hat dazu eine klare Ansage gemacht.

„Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel“. „Bis dahin bleiben alle Maßnahmen bestehen.“ Und mehr noch: Ältere Menschen müssten noch deutlich länger als Jüngere mit Kontakteinschränkungen rechnen, erläuterte Braun.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fordert bereits jetzt Überlegungen für eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen. „Der Satz, es sei zu früh, über eine Exit-Strategie nachzudenken, ist falsch“, schrieb der CDU-Vize in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“. FDP-Chef Christian Lindner sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, der jetzige Zustand dürfe keinen Tag länger dauern, als es medizinisch geboten sei.

Bund und Länder haben sich auf Kontaktbeschränkungen verständigt, damit sich das Coronavirus langsamer verbreitet. Denn sonst würde aufgrund einer hohen Zahl von gleichzeitig Infizierten dem Gesundheitssystem der Kollaps drohen. Dass sich große Teile der Bevölkerung anstecken werden, daran zweifeln die Virologen nicht. In den meisten Fällen wird die Infektion zwar milde verlaufen. Aber nur wenn es gelingt, die Infektionen zeitlich zu strecken, gibt es ausreichend intensivmedizinische Kapazitäten für die schweren Fälle.

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