UN sehen Versorgung der Iraker mit Lebensmitteln in Gefahr

Welternährungsprogramm liefert so viel Mehl und Reis wie möglich / Programm "Öl für Nahrung" läuft im November aus

Von Pierre Simonitsch

GENF, 6. Juli. Die Versorgung der irakischen Bevölkerung ist die umfangreichste Operation des WPF seit seiner Gründung vor 40 Jahren. Schon vor dem Einmarsch der US- und britischen Truppen waren sechs von zehn Irakern von der Verteilung importierter Lebensmittel abhängig. "Die Nahrungshilfe ist heute wahrscheinlich noch wichtiger als vor dem Krieg, denn viele Leute haben ihre Jobs verloren und ihre letzten Löhne nicht ausbezahlt bekommen, während die Preise steigen", berichtete Jean-Jacques Graisse, stellvertretender Exekutivdirektor des WFP, am Wochenende nach seiner Irak-Reise.

Die Ernährung der 27 Millionen Iraker ist eines der Nachkriegsprobleme, das die Besatzungsmächte nicht vorausgesehen haben. Das Land weist seit langem ein großes Defizit bei der Produktion von Nahrungsmitteln auf, obwohl es fruchtbare Gegenden gibt. Der Ölreichtum machte aber eine Eigenversorgung mit Agrargütern überflüssig, weil der Bedarf leicht durch Importe gedeckt werden konnte.

Infolge der vom UN-Sicherheitsrat im Jahre 1990 verhängten Wirtschaftssanktionen drohte die irakische Bevölkerung zu verhungern. Die UN beschlossen daher 1995 das Programm "Öl für Nahrung". Irak durfte eine begrenzte Menge Öl ausführen, um mit dem Erlös Nahrung, Medikamente und zivile Gebrauchsgüter im Ausland einzukaufen. Nach Saddams Sturz hob der UN-Sicherheitsrat auf Antrag der USA die Sanktionen auf und beschloss, das Programm "Öl für Nahrung" am 21. November auslaufen zu lassen.

Die am Boden liegende Wirtschaft brachte aber bisher kein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hervor. Das WFP versucht jetzt, bis November möglichst viele Grundnahrungsmittel ins Land zu bringen und Reserven anzulegen. Seit April wurden 1,2 Millionen Tonnen Lebensmittel eingeführt. Bis Ende Oktober sind weitere Lieferungen im Umfang von 2,2 Millionen Tonnen geplant. Aus dem Programm "Öl für Nahrung" stehen 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Dann wird das WFP die Operation beenden und nur mehr Schulkindern helfen. Derzeit werden in Irak über 44 000 Ausgabestellen 27 Millionen Monatsrationen an Mehl, Reis, Zucker, Salz, getrocknete Hülsenfrüchten, Speiseöl und Waschmittel verteilt. Gemüse und Fleisch sind hingegen nur auf dem Markt zu bekommen. Wenige können sich solchen Luxus leisten.

"Das Programm Öl für Nahrung hat die einheimische Landwirtschaft völlig zerstört", stellt Graisse fest. Der WFP-Direktor sieht aber auch nicht, wie es nach dem Auslaufen des Programms weitergehen soll. "Alle warten auf die Marktwirtschaft", sagt er. Wann die Lebensmittelversorgung wieder durch Ölexporte finanziert werden kann, ist angesichts der schlechten Sicherheitslage schwer abzuschätzen. Beim WFP meint man, wahrscheinlich müssten die Besatzungsmächte eine neue Vereinbarung mit den UN abschließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion