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Wer stützt hier wen? Trump steht hinter Baseball-Star Kurt Suzuki.  

USA

Sehen so Sieger aus?

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Für Donald Trump wird es eng – da sucht er die Nähe von Champions.

Der Südrasen des Weißen Hauses war von Zuschauern belagert. Die Herbstsonne strahlte vom Himmel. Eine Militärband spielte schmissige Weisen. Und der Präsident schien gutgelaunt wie lange nicht mehr. „Amerika will derzeit nur über Baseball und Impeachment reden“, scherzte Donald Trump: „Ich mag Baseball deutlich lieber.“ Also nahm er sich am Montagnachmittag Zeit, um die frischgebackenen Champions der nordamerikanischen Profiliga MLB zu empfangen. Die politische Großwetterlage ist derzeit nicht ganz so freundlich für den US-Präsidenten. Mit der Eröffnung der formalen Anhörungen ist das Impeachment-Verfahren des Kongresses in eine neue Phase getreten. Nun veröffentlicht Adam Schiff, der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, die ersten Protokolle der bislang vertraulichen Befragungen.

Demnach hat die abberufene US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, erklärt, sie habe sich durch die diffamierenden Äußerungen Trumps in einem Telefonat mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj bedroht gefühlt und fürchte Vergeltungsmaßnahmen. Wenn die Anhörungen von der kommenden Woche an live im Fernsehen übertragen werden, dürften weitere unangenehme Details ans Tageslicht kommen.

Auch ein Bundesberufungsgericht in New York hatte zum Wochenauftakt schlechte Nachrichten für Trump: Die Richter bestätigten das Urteil einer niedrigeren Instanz, demzufolge der Präsident seine persönlichen Steuerunterlagen und die seines Firmenkonglomerats der Staatsanwaltschaft in Manhattan übergeben muss. Es geht um die Schweigegeldzahlungen an zwei seiner Ex-Affären. Trump will die Herausgabe seiner Finanzunterlagen unbedingt vermeiden. Nun kann er nur noch hoffen, dass ihm der Supreme Court beispringt.

Kein Wunder, dass der Präsident derzeit gerne Abwechslung beim Passiv-Sport sucht. Doch auch das läuft nicht immer ganz nach seinen Vorstellungen. Als Donald Trump und seine Frau Melania vor gut einer Woche beim Spiel der Washington Nationals gegen die Houston Astros in der US-Hauptstadt vom Stadionsprecher vorgestellt wurden, empfing sie die Menge mit einer Missfallenskundgebung und skandierte: „Sperrt ihn ein!“.

Ganz so schlimm war es zwar nicht, als Trump am Sonntag bei einem blutigen Prügelwettbewerb des Mixed-Martial-Arts-Turniers in New York auftauchte. In dem Milieu des harten Kampfsports fühlt er sich eher zu Hause als beim Baseball. Gleichwohl musste er auch im Madison Square Garden deutliche Buhrufe und Pfiffe ertragen. Solche Störungen blieben ihm beim Empfang für die Washington Nationals erspart, die vor einer Woche völlig überraschend den nationalen Baseball-Titel geholt hatten. Nur ein Spieler, der Pitcher Sean Doolittle, blieb der Veranstaltung mit Verweis auf Trumps rassistische und hasserfüllte Rhetorik fern: „Ich möchte nicht mit jemand zusammen sein, der so redet.“ Der Rest des Teams stand strahlend auf der Treppe des Weißen Hauses, und der Spieler Ryan Zimmermann huldigte dem Hausherrn gar mit einer Danksagung dafür, dass er die USA „zum großartigsten Land in der Welt“ mache.

Das gefiel Trump noch mehr als das Trikot mit seinem Namen, das ihm überreicht wurde. Eine halbe Stunde lang schaffte er es, weder gegen die Demokraten, noch gegen die Presse oder Whistleblower zu wettern. Dafür schwärmte er immer wieder vom Kampfgeist und Durchhaltevermögen der Nationals. Tatsächlich hatte die Außenseiter-Mannschaft den Titeln gegen alle Wahrscheinlichkeit geholt. Noch im Mai hatten die Buchmacher die Chance auf 1,5 Prozent geschätzt. Nachdem es das Team trotzdem in die Finalrunde geschafft hatte, verlor es drei Spiele in Folge. Erst ein 6:2-Sieg im siebten Spiel brachte die Entscheidung und den Champions-Titel zum ersten Mal seit 95 Jahren in die US-Hauptstadt.

„Ihr habt nicht aufgegeben und immer weitergekämpft“, schwärmte Trump: „Unter Druck wart ihr besonders gut!“ Der Triumph nach einer Zitterpartie zeige, dass man auch auf holprigen Wegen „großartige Erfolge“ erzielen könne, sagte der Präsident. Es klang, als rede er mehr über sich selbst als über die Sportler.

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