„Ocean Viking“

Seenotretter machen weiter

Norwegens Justizminister fordert, Bootsflüchtlinge zurück nach Afrika zu bringen.

Der norwegische Justiz- und Einwanderungsminister Joran Kallmyr hat das Rettungsschiff „Ocean Viking“ aufgefordert, die rund 160 an Bord genommenen Migranten „zurück nach Afrika, Tunesien oder Libyen zu bringen“. Die Menschen sollten nicht nach Europa gebracht werden, berichten internationale Medien über Aussagen Kallmyrs von Samstagabend. Dies wäre sonst eine Fortsetzung der Flüchtlingsroute und keine Rettungsaktion mehr, so der Minister. Das Schiff fährt unter norwegischer Flagge.

Am Samstag hatte die „Ocean Viking“ der Organisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee weitere 80 Personen, die sich auf einem Schlauchboot befanden, an Bord genommen. Bereits am Freitag hatte das Team nach eigenen Angaben 85 Personen von einem Schlauchboot vor der libyschen Küste an Bord geholt.

Unklar ist weiterhin, wohin die Migranten und Geflüchteten der „Ocean Viking“ gebracht werden sollen. Italiens Innenminister Matteo Salvini schloss eine Aufnahme in italienischen Häfen aus. Das Schiff war im französischen Marseille auf seinen Einsatz vorbereitet worden und am vergangenen Sonntag in See gestochen. Bis zu 200 Menschen soll es auf einmal aufnehmen können.

Ebenso ist auch das Rettungsschiff „Open Arms“ mit inzwischen 160 Menschen an Bord auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Das Boot der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms hatte die Migranten in internationalen Gewässern vor Libyen aufgenommen. Malta hatte am Samstagmorgen angeboten, nur 39 der Geretteten aufzunehmen. Das lehnte die Hilfsorganisation jedoch ab und bestand darauf, dass Malta alle Geretteten aufnimmt. Die geflüchteten Menschen, unter denen sich auch 30 Kinder befinden, harren bereits seit anderthalb Wochen an Bord des Schiffes aus.

Der Chef von Proactiva Open Arms, Oscar Camps, sprach von „unerträglicher Angst“ und einem „ernsten Sicherheitsproblem an Bord“. Am Freitag hatte der US-amerikanische Schauspieler Richard Gere von Lampedusa aus die „Open Arms“ besucht. Er wolle damit ein Zeichen der Solidarität setzen und auf die Not der Menschen an Bord aufmerksam machen, sagte er in einem auf Twitter verbreiteten Video. „Die meisten Leute sprechen über sie als ‚Migranten‘, aber für mich sind sie Flüchtlinge, die vor einem Feuer weglaufen“, sagte er. Er habe mit fast allen Menschen an Bord gesprochen, alle hätten ihre eigene Geschichte, sagte Gere. Es sei wichtig, dass sie nun „einen freien Hafen erreichen, von Bord gehen und ein neues Leben beginnen“ könnten, sagte der Schauspieler. Gere verglich die Situation mit den USA und sagte, es gebe dort „einen Präsidenten, der enorm viel Energie in die Entmenschlichung der Leute“ stecke. Salvini, der den Rettungsschiffen die Einfahrt in italienische Gewässer verwehrt, hatte Gere daraufhin aufgefordert, die Migranten mit in die USA zu nehmen.  (kna/afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion