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Markus Söder (links) will Horst Seehofer (rechts) als Chef der CSU beerben. Es gibt aber auch andere Kandidaten.

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Seehofers Jungs stehen Schlange

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CSU-Chef sucht einen Nachfolger für sich selbst – die Auswahl scheint groß. Doch vielleicht bleibt er der CSU-Vorsitzende einfach weiter selbst im Amt.

Vor zehn Jahren genau ist es ungemütlich geworden bei der CSU in Bayern. Edmund Stoiber, Ministerpräsident und Parteichef, hatte eine seiner Kritikerinnen bespitzeln lassen, er wankte und schwankte und stürzte schließlich. Vielmehr, er wurde gestürzt. Es war ein großes Drama, mit fiesen Intrigen und geheimen Absprachen und dem Schlussakt vor idyllischer Bergkulisse auf der Klausurtagung in Kreuth. Die Nachfolger, Günther Beckstein und Erwin Huber, hielten sich nicht lange. Der Stoiber-Kontrahent Horst Seehofer kam zum Zug. Er ist mittlerweile 67 Jahre alt und will eigentlich einen geordneten Übergang organisieren. Wie der aussehen soll, hat er offen gelassen. In diesen Tagen trifft sich die Landtagsfraktion wieder zur Jahresauftaktklausur, diesmal nicht in Kreuth, sondern im fränkischen Kloster Banz. Ein Aufstand liegt nicht in der Luft, die Frage, wie es weitergeht, allerdings durchaus.

Markus Söder: Der bayerische Finanzminister nimmt für sich eine Art Geburtsrecht auf die politischen Chefposten in Anspruch. Er hat einst Stoiber als Generalsekretär zugearbeitet, so wie Stoiber Jahre zuvor dem CSU-Übervater Franz Josef Strauß zugearbeitet hat. Söder zufolge ist sein Karriereweg damit klar. In Umfragen gilt er als wahrscheinlichster Seehofer-Nachfolger, was allerdings auch daran liegen kann, dass Söder seinen Anspruch am deutlichsten formuliert. In der CSU hat er nicht nur Fans: Söder gilt zwar als politisches Talent, aber auch als ichbezogen und rücksichtslos. Es heißt, Seehofer wolle ihn als seinen Nachfolger verhindern. Er hat Söder wiederholt fiese Methoden vorgeworfen.

Joachim Herrmann: Ein wenig langsam und schwerfällig ist er immer dahergekommen. Daran lag es vermutlich auch, dass nicht er, sondern Seehofer das Rennen machte, als es 2008, nach dem Scheitern von Beckstein und Huber, galt, die Posten des Ministerpräsidenten und des Parteichefs zu besetzen. Herrmann, bis dahin Chef der Landtagsfraktion, wurde Innenminister. Als solcher ist der 60-Jährige nun in den Vordergrund gerückt, weil durch die Flüchtlingskrise und die Sicherheitsdebatte seine Themen wichtig wurden. In der CSU kursiert derzeit ein Modell, in dem Seehofer den CSU-Vorsitz vorzeitig abgibt, Herrmann diesen Posten übernimmt und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl wird. Die interessante Fußnote: Im CSU-Regionalproporz gilt es bislang als unmöglich, dass neben dem Parteivorsitz auch der Regierungschef ein Franke ist. Herrmann würde also Söder verhindern. Allerdings könnte das Herrmann-Modell auch gestreut werden, um Söder nach Berlin zu locken. Wer etwas werden wolle, müsse auch mal was riskieren, wird in Bayern gespottet.

Alexander Dobrindt: Er hat für Seehofer den Wahlkampf 2013 organisiert und konzentrierte sich auch danach als Verkehrsminister auf CSU-Forderungen, zuvorderst die nach der Pkw-Maut. Als Oberbayer hätte der 46-Jährige sogar die richtige Regionalzugehörigkeit – allerdings gilt er selbst in seiner Landsmannschaft als zu einzelgängerisch. Dobrindt bringt sich daher als neuer CSU-Landesgruppenchef in Position – die bisherige Amtsinhaberin Gerda Hasselfeldt verlässt den Bundestag.

Ilse Aigner: Auch in der CSU ist es irgendwann aufgefallen, dass für die wichtigen Posten immer nur Männer im Gespräch waren. Horst Seehofer holte also die Bundesagrarministerin als Wirtschaftsministerin nach Bayern. Der 52-jährigen Oberbayerin werden intern aber nur noch geringe Chancen eingeräumt. Sie sei zwar freundlich, aber wenig durchsetzungsstark. Derzeit sieht es also eher danach aus, als ob es bleiben würde, wie es immer war bei der CSU: Die Jungs machen es unter sich aus.

Horst Seehofer: Es ist die besonders raffinierte Variante: Seehofer wird sein eigener Nachfolger. Eigentlich hat er angekündigt, nach dieser Wahlperiode aufzuhören. Das hat er allerdings mittlerweile relativiert, obwohl er gesundheitlich angeschlagen scheint und immer wieder Schwächeanfälle erlitten hat. Aber solange Seehofers Umfragewerte gut sind und die der Partei auch, wird die CSU lieber auf ihn setzen als auf jemand Neues. Wie schnell sich die Stimmung dann drehen kann, zeigt sich an Stoiber.

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