+
"Einen Schritt nach dem anderen" will Horst Seehofer gehen.

CSU

Seehofer will wohl Minister bleiben

  • schließen
  • Daniela Vates
    Daniela Vates
    schließen

Die CSU erwartet seinen baldigen Rückzug vom Amt des Parteichefs. Folgt Söder nach?

Dass Horst Seehofer unter Druck steht, ist auch innerhalb der CSU klar – mindestens seit dem Einbruch der Partei bei der Bayern-Wahl, spätestens aber seit Angela Merkels angekündigtem Rückzug vom CDU-Vorsitz und der jüngsten Blöße, die er sich als Bundesinnenminister mit dem Rauswurf von Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen geben musste.

An der CSU-Spitze erwartet man deshalb den nahen Rückzug des Parteichefs – und blickt gespannt auf die kommende Woche, für die Seehofer am vorigen Wochenende vielsagend eine „Erklärung“ angekündigt hatte. Nach einem Gespräch mit CSU-Bezirksvorsitzenden an diesem Sonntag sowie der Bildung des bayerischen Kabinetts bis zum Montag werde man von ihm hören.

Was Seehofer dann verkünden will, wollten am Mittwoch mehrere Medien vorwegnehmen: Er werde das Amt des Parteichefs aufgeben, aber Innenminister bleiben wollen. Auf einem Sonderparteitag Anfang Dezember könnte dann Ministerpräsident Markus Söder zum CSU-Vorsitzenden gewählt werden, berichteten „Die Zeit“ und „Focus Online“ unter Berufung auf Seehofers Umfeld.

Horst Seehofer und sein Sprecher dementierten diese Meldungen: „Das ist eine fette Ente“, sagte der Minister der „Welt“. Zu seinen weiteren Plänen gelte nach wie vor: „Ein Schritt nach dem anderen.“ Näher wollte er das nicht kommentieren. Frei erfunden sind die Meldungen freilich nicht, nur will Seehofer offenbar Herr seines Handelns in den nächsten Tagen bleiben. Im CSU-Vorstand hieß es am Mittwoch: „Wir haben Seehofers Hinweis auf eine Erklärung in der kommenden Woche als Ankündigung eines Rücktritts verstanden.“ Seehofer habe verstanden, dass mittlerweile alles auf Söder als Parteichef zulaufe. 

Ein Rücktritt als Bundesinnenminister sei tatsächlich eher fraglich, auch wenn Seehofers Position im Kabinett ohne den Zusatzposten als Parteichef erheblich geschwächt würde. Die Kritik aus der Partei beziehe sich meist auf Seehofers Rolle als Parteichef, als Minister spiele er weiter eine wichtige Rolle für die CSU.

Merkels Ankündigung, nicht mehr als Parteivorsitzende der CDU zu kandidieren, habe Seehofers Entscheidung wesentlich beeinflusst, hieß es weiter: „Horst ist seitdem einfach wahnsinnig erleichtert, dass er nicht auch auf Merkels Männerfriedhof gelandet ist“, sagt ein Vertrauter Seehofers der „Zeit“.

Laut einer neuen Umfrage ist eine deutliche Mehrheit der Deutschen dafür, dass nach Merkels angekündigtem Rückzug vom CDU-Parteivorsitz auch CSU-Chef Seehofer dieses Amt räumen soll. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov wünschen sich 60 Prozent der Befragten einen Rücktritt Seehofers vom Parteivorsitz.

Unter denjenigen, die bei der Bundestagswahl 2017 CSU gewählt hatten, ist die Zahl mit 70 Prozent sogar höher – der dritthöchste Wert nach Partei-Präferenz, hinter den Wählern von SPD (76 Prozent) und Linken (74 Prozent). Weniger als die Hälfte der Befragten, die Seehofers Rückzug fordern, finden sich allein unter den AfD-Anhängern (41 Prozent).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion