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Sebastian Sommer, der neue Landesvorsitzende der Jungen Union in Hessen.

Neuer Landesvorsitzender

Junge Union Hessen: „Dieser Umwelthysterie nicht anschließen“

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Sebastian Sommer, der neue Landesvorsitzende der Jungen Union in Hessen, spricht über Umwelt- und Digitalpolitik.

Die Junge Union will in der Klimapolitik und im Umgang mit digitalen Medien stärker auf die CDU einwirken. Im Konrad-Adenauer-Haus bestehe „noch viel Nachholbedarf in Sachen moderner Kommunikation“, sagt der neue hessische JU-Vorsitzende Sebastian Sommer.

Herr Sommer, die Grünen sind im Aufwind, für die CDU geht es bergab. Sind die Grünen Ihr politischer Hauptgegner?
Ja, die Grünen sind unser Gegner. Deswegen bin ich der Meinung, dass wir als Union uns inhaltlich stärker an den Grünen abarbeiten müssen. Im Europawahlkampf war die Klima- und Umweltpolitik ein großes Thema, ebenso die Digitalpolitik. Das sind Themen, wo wir als Junge Union größeren Einfluss auf die CDU nehmen müssen.

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Ist die CDU in der schwarz-grünen Koalition in Hessen zu wenig erkennbar?
Ich finde, dass wir als Union in dieser schwarz-grünen Koalition sehr viel stärker unser Profil zeigen müssen.

Zum Beispiel wo?
Im Bereich Bildungspolitik zum Beispiel. Im Koalitionsvertrag steht etwas drin zur Abschaffung der Noten oder zur weiteren Zusammenarbeit mit Ditib beim Islamunterricht. Das sind Themen, bei denen wir als Junge Union eine klare ablehnende Haltung haben, die man von der CDU so nicht gehört hat. Das sind Themen, wo sich uns als Unionsanhängern die Nackenhaare hochstellen. Das machen wir als Junge Union nicht mit.

Was haben Sie den jungen Menschen anzubieten, die sich bei der Bewegung „Fridays for Future“ gegen den Klimawandel organisieren?
Ich hatte für die Großkundgebung auf dem Frankfurter Römerberg zugesagt als Teilnehmer der Union. Man hat uns leider wieder ausgeladen. Das finde ich sehr schade und schlechten Stil von den Organisatoren.

Wurden generell Parteien ausgeladen oder nur Sie?
Grüne, Linke und SPD waren auf dem Podium. Ich bin der Meinung, dass die CDU zu wenig in den Diskurs geht und hätte das gerne als junger Vertreter getan.

Was hätten Sie denn an Antworten anzubieten gehabt?

Ich biete an, dass man sich zusammensetzt und Lösungen erarbeitet, wie man das Klima tatsächlich verbessern kann. Nicht mit Verboten, seien es Fahrverbote oder eine weitere Besteuerung auf CO2. Wir setzen auf Innovation und Forschung. Wir glauben, dass in der Technologie vieles noch möglich ist. Auch im Europawahlkampf gab es gute Vorschläge, etwa den Zertifikatehandel auf europäischer Ebene auszuweiten. Das sind Instrumente, mit denen man arbeiten kann.

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Vor Ort kämpfen CDU-Leute gegen Windräder. Damit werden Sie Kritiker der Klimapolitik eher nicht gewinnen, oder?
Man sollte sich nicht dieser Umwelthysterie anschließen. Man muss das Ganze mit Vernunft angehen. Die Frage der Windräder wird immer lokal entschieden. Mit einem generellen Kampf gegen Windräder gewinnt man keinen Blumentopf. Aber ich sage bewusst: Es gibt Naturparks wie im Odenwald oder im Taunus, wo man sagen muss, dass es nicht sinnvoll ist. Die größten Windradverhinderer sind im Übrigen die Grünen.

Im Internet ist die Union noch nicht gut aufgestellt, wie die zaghafte Reaktion auf das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo gezeigt hat. Was müsste besser laufen?
Die Reaktion auf das Rezo-Video hat eindeutig gezeigt, dass die CDU noch nicht verstanden hat, wie das Internet funktioniert. Wenn das Konrad-Adenauer-Haus auf ein solches Video mit einem elfseitigen PDF antwortet, besteht dort noch viel Nachholbedarf in Sachen moderner Kommunikation. Die Junge Union kann dazu beitragen, dass eine Community aufgebaut wird, die glaubhaft ist.

Der 26-jährige Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hat ein Antwortvideo gedreht, das aber von der CDU-Parteizentrale unter Verschluss gehalten wird. Würden Sie es gerne mal sehen?
Ich würde es wirklich gerne sehen. Ich bin neugierig, was da gefilmt wurde, und bedaure es, dass das nicht veröffentlicht wurde. Auch weil ich Philipp Amthor für einen wirklich hellen Kopf halte. Aber es ist natürlich die Frage, ob es in der aktuellen Stimmungslage der Weisheit letzter Schluss gewesen wäre, das Video zu veröffentlichen.

Hessens CDU-Chef Volker Bouffier ist 67 Jahre alt und besonders skeptisch, was diese Medien angeht. Verpasst die hessische CDU den Zug der Zeit?
Ich sag’ mal so: Sie hat vielleicht einen etwas späteren Zug genommen. Wir müssen definitiv noch etwas nachbessern.

Der Kampf um die Parteispitze der CDU war ein enges Rennen. Haben Sie für Annegret Kramp-Karrenbauer, für Jens Spahn oder für Friedrich Merz gestimmt?
Als Junge Union Hessen haben wir eine Mitgliederbefragung durchgeführt. 64 Prozent der Teilnehmer konnten sich Friedrich Merz als Parteivorsitzenden vorstellen.

Was bedeutet das für die Debatte über die Kanzlerkandidatur der Union?
Die Debatte über die Kanzlerkandidatur halte ich für verfrüht. Ich wünsche mir natürlich Friedrich Merz in einer verantwortungsvollen Position für die Partei und für das Land. Aber ich bin der Meinung, dass man Kramp-Karrenbauer noch mehr Zeit geben muss.

Was bedeutet es für Sie, JU-Vorsitzender zu sein?
Es ist eine große Ehre. Ich freue mich, dass es geklappt hat. Politik ist mein Hobby Nummer eins.

Kommen Sie aus einer politischen Familie?
Ja, mein Vater ist Bürgermeister von Wehrheim. Mein Großvater war auch schon kommunalpolitisch aktiv.

Alle in der CDU?
Ja.

Spüren Sie keinen Wunsch nach Abgrenzung von der älteren Generation?
Die Debatten, die wir in der Familie führen, am Frühstückstisch oder beim Sonntagsbraten, die sind schon heftig genug, obwohl wir derselben Partei angehören.

Interview: Pitt von Bebenburg

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