Sean Spicer hat einen denkbar schwierigen Job: Trumps Verhalten erklären.
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Sean Spicer hat einen denkbar schwierigen Job: Trumps Verhalten erklären.

USA

Sean Spicer muss um seinen Job bangen

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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US-Präsident Trump wendet sich nun auch gegen den Sprecher des Weißen Hauses, dessen Job vor allem darin besteht, das Chaos der Trump-Regierung zu erklären.

Im Grunde kann einem der Mann leidtun. An jedem frühen Nachmittag schleppt sich Sean Spicer mit einem gespielten Lächeln hinter das Rednerpult im Briefing Room des Weißen Hauses und lässt sich von den Korrespondenten quälen. Was meint Präsident Donald Trump hierzu? Wie passen zwei Aussagen zusammen? „Ich habe keine Ahnung“, „Der Tweet spricht für sich“ oder „Das muss ich herausfinden“ sind gängige Antworten des Pressesprechers, die ihm einen Stammplatz in Satiresendungen und unzählige ironische Kommentare in den sozialen Netzwerken sichern.

Lange schien das den US-Präsidenten Donald Trump nicht zu stören. Doch nun verdichten sich die Gerüchte, dass der Präsident seinen PR-Mann feuern könnte. Mehrere amerikanische Zeitungen berichten, dass sich Trump im kleinen Kreis abfällig über Spicer äußere. Anlass ist offenbar die chaotische Öffentlichkeitsarbeit des Weißen Hauses rund um die Ablösung von FBI-Chef James Comey.

Mal heißt es, der Justizminister habe den Rausschmiss gefordert. Dann war es Trumps Wunsch. Angeblich hat der Präsident eine Ergebenheitsadresse verlangt. Dann doch nicht. Mal droht Trump mit Tonbandaufnahmen, mal gibt es diese nicht. Das negative Medienecho ärgert Trump so sehr, dass er Ende der vergangenen Woche drohte, die täglichen Pressekonferenzen im Weißen Haus ganz abzuschaffen.

Offiziell schob er damit den Korrespondenten die Schuld für das kommunikative Debakel zu. Tatsächlich wirkt die Drohung aber eher wie ein Versuch, den Gastgeber der Pressekonferenzen als Versager und Sündenbock darzustellen. Das ist zwar scheinheilig, da die widersprüchlichen Aussagen von Trump selbst stammen. Tatsächlich hat Spicer in der vergangenen Woche aber eine ziemlich lächerliche Figur abgegeben. Als er unmittelbar nach dem Comey-Rausschmiss eine Schar von Reportern im Garten des Weißen Hauses entdeckte, versteckte er sich nach Augenzeugenberichten zunächst hinter ein paar Büschen. Dann beantwortete er ein paar Fragen nur bei ausgeschalteten Kameras. „Wird Spicer auch morgen noch Pressesprecher sein?“, wurde Trump ein paar Tage später bei seinem Lieblingssender Fox gefragt. „Er macht einen guten Job, aber er bekommt viel Prügel ab“, antwortete der Präsident ausweichend.

Immerhin verhalf die Posse Spicer am Wochenende zu einem Comeback in der populären Satiresendung „Saturday Night Live“. Dort wird der Sprecher von der großartigen Schauspielerin Melissa McCarthy als armseliger Choleriker dargestellt. In der jüngsten Parodie wirft Spicer zunächst mit einer Säule nach einem aufmüpfigen Reporter und fährt dann angstgetrieben über New York nach New Jersey, um den Präsidenten in seinem Golfclub zu fragen, ob er ihn jemals belogen hat. „Erst, seitdem Sie im Amt sind“, antwortet Trump und zieht den PR-Mann dann ganz nahe an sich heran: „Sean, küsse mich. Ich bin berühmt. Es ist okay.“ Spicer versucht sich zu wehren. Zu spät.

Kinofans wissen aus dem Mafiafilm „Der Pate 2“: Es ist der Kuss des Todes.

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