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Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete war noch nie in einer so schwierigen Situation.

Flüchtlingsretter

„Sea Watch 3“ nimmt trotz allem Kurs auf Italien

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Kapitänin Carola Rackete will 42 erschöpfte Migranten aus Afrika nach Lampedusa bringen. Damit widersetzt sie sich dem Verbot von Italiens Innenminister Salvini.

In einer so schwierigen Situation war sie noch nie, sagt Carola Rackete. Dabei hat die studierte Nautikerin aus Kiel schon Eisbrecher am Nordpol kommandiert und stand am Steuer von Forschungs- und Greenpeace-Schiffen im Arktismeer. Aber seit zwei Wochen trägt die 31-Jährige als Kapitänin des Flüchtlingsrettungsschiffs „Sea Watch 3“ die Verantwortung für 42 Migranten aus Afrika, die in einem Schlauchboot im Mittelmeer vor Libyen in Seenot geraten waren. Um sie in Sicherheit zu bringen, hat sich Rackete auf ein Duell mit Italiens rechtsnationalem Innenminister Matteo Salvini eingelassen. Am Mittwoch nahm sie Kurs auf die Insel Lampedusa und widersetzte sich damit einem ausdrücklichen Verbot der Regierung.

Nach Salvinis jüngster Gesetzesverschärfung müssen die Kapitänin und die deutsche Hilfsorganisation Sea Watch, der das Schiff gehört, neben einer Anklage wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung auch mit einer Geldstrafe von bis zu 150 000 Euro rechnen. Zudem soll die „Sea Watch 3“ direkt nach dem Festmachen in Italien beschlagnahmt werden.

Rackete: Leben der Geretteten geht vor

„Ich weiß, was ich riskiere, aber die 42 Geretteten sind erschöpft. Ich bringe sie jetzt in Sicherheit“, teilte Rackete am Mittwoch per Twitter mit. „Ihr Leben kommt vor jedem politischen Spiel.“ Seit Tagen kreuzte die „Sea Watch 3“ vor Italiens Gewässern, in der Hoffnung, dass sich ein EU-Land zur Aufnahme der Flüchtlinge bereit erklärt. Die Unruhe an Bord wurde immer größer. In einem Video erklärte einer der Migranten: „Wir sind müde und erschöpft. Wir sind aus den libyschen Gefängnissen geflohen und sind jetzt auf diesem Schiff gefangen.“

Rackete, die vier Sprachen spricht und viel gereist ist, arbeitet seit drei Jahren für Sea Watch. Ihr Engagement für Flüchtlinge erklärte sie der Zeitung La Repubblica: „Ich bin weiß, Deutsche, in einem reichen Land geboren und habe den richtigen Pass. Ich fühle die moralische Pflicht, denen zu helfen, die nicht die gleichen Chancen haben.“

Savini gibt sich unbarmherzig 

Rackete hatte in einem Video betont, Salvinis Verbot widerspreche dem Seerecht. Salvini blieb stur. „Das Schiff kommt nicht nach Italien, von mir aus kann es bis Weihnachten auf dem Meer bleiben“, ließ er wissen. Sea Watch solle die Migranten nach Tunesien bringen. Er hält Flüchtlingsretter wie Schlepper für Kriminelle.

„Man braucht Zivilcourage und muss offenbar nationales Recht brechen, um internationales Recht durchzusetzen“, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer zur Entscheidung, Lampedusa anzusteuern. Um die drohende Geldstrafe zu finanzieren, hat die Organisation einen Spendenfonds aufgelegt. Sie will sich aber auch juristisch bis zuletzt wehren. „Ich hoffe, dass italienische Richter am Ende erkennen, dass wir keine Schlepper und keine Gefahr für die nationale Sicherheit sind“, sagt Kapitänin Carola Rackete.

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