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Stimmabgabe auf vielen Beinen: Gewählt wurden für die Mitglieder beider Parlamentskammern, des Nationalrates und des Ständerates. 

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Die Schweiz wählt: Erfolg für die Grünen, Verluste bei den Rechtspopulisten

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Bei den Parlamentswahlen in der Schweiz legen die beiden Ökoparteien deutlich zu, die Rechtspopulisten müssen Verluste verkraften.

Der Klimawandel macht es möglich: In der Schweizer Politik werden in den nächsten vier Jahren grüne Parteifarben deutlich stärker vertreten sein als bisher. Bei den Parlamentswahlen am Sonntag verzeichneten laut ersten Hochrechnungen des Schweizer Fernsehens die zwei grünen Parteien satte Zugewinne. Die Grünen der Schweiz, deren Positionen in etwa den deutschen Grünen entsprechen, können demnach ihren Anteil bei den Wahlen zur großen Parlamentskammer auf knapp 13 Prozent steigern. Bei den letzten Wahlen 2015 erzielten sie noch rund sieben Prozent.

Auch die Grünliberalen (GLP) verbreitern bei den jetzigen Wahlen deutlich ihre Basis auf fast acht Prozent. Vor vier Jahren holte die GLP knapp fünf Prozent. Trotz vieler gleichlautender Forderungen verstehen sich die beiden grünen Kräfte als Konkurrenten. Den Erfolgen der Umweltparteien standen gemäß ersten Ergebnissen Verluste der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) von mehr als drei Prozentpunkten gegenüber.

Das Erstarken der Ökoparteien lässt sich darauf zurückführen, dass die Erderwärmung als Thema auch in der Schweiz in den Vordergrund rückt. Die Einwohner des Alpenlandes können die verheerenden Folgen der steigenden Temperaturen mit eigenen Augen verfolgen: Gletscher schmelzen ab, die Schneegrenze rückt nach oben und somit verändert sich das Gesicht der Berge dramatisch.

Wie viele Parlamentssitze an die beiden grünen Parteien fallen, war zunächst noch unklar. Das alle vier Jahre gewählte Parlament der Eidgenossen setzt sich aus der großen Kammer, dem Nationalrat, und der kleinen Kammer, dem Ständerat, zusammen. Die 200 Nationalräte und die 46 Ständeräte werden im Dezember zu einem ihrer wichtigsten Termine zusammenkommen – sie werden eine neue Regierung wählen. Falls die Grünen ihre starke Position tatsächlich behaupten können, werden sie einen Sitz in der siebenköpfigen Regierung, dem Bundesrat, reklamieren. Noch besteht die Regierung gemäß dem Prinzip der Konkordanz aus Repräsentanten der vier größten Parteien: Der Schweizerischen Volkspartei, den Sozialdemokraten, der liberalen FDP und der Christlichdemokratischen Volkspartei. Laut Hochrechnungen verloren Sozialdemokraten und FDP Stimmen, die CVP legte leicht zu.

Die SVP bleibt voraussichtlich mit rund 26 Prozent stärkste politische Kraft der Schweiz. Gegenüber ihrem Rekordergebnis von mehr als 29 Prozent bei den letzten Nationalratswahlen 2015 büßte sie aber viel Unterstützung ein.

Traditionell hatte die SVP in ihrem Wahlkampf wieder auf Angst gesetzt. Die Angst vor einem zu starken Einfluss der „zentralistischen“ Europäische Union, die das Nichtmitglied Helvetien am Gängelband führen will. Die Angst vor einer „Masseneinwanderung“. Die SVP schürte ebenso die Furcht vor einem wirtschaftlichen Abschwung: „Unternehmen und Länder ruinieren sich in guten Zeiten“, unkte der SVP-Übervater Christoph Blocher, der selbst ein Milliardenvermögen angehäuft hat. Und Blochers Tochter, Magdalena Martullo-Blocher, eine SVP-Nationalrätin und Firmenchefin, warnte vor einer „Rezession“.

Doch konnte die SVP nicht so stark wie früher punkten. Ein Grund: Den meisten Schweizern geht es wirtschaftlich gut. Die Arbeitslosenquote liegt stabil bei etwas über zwei Prozent – solche Werte sind in vielen anderen europäischen Staaten nahezu unbekannt.

Die SVP-Schlappe lässt sich auch an Personen festmachen. Der inzwischen 79-jährige Christoph Blocher machte die Partei einst groß: Der Sohn eines Pfarrers begeisterte große Teile des Volks mit seinen hemdsärmeligen Auftritten, seinem derben Humor und seinem simplen Freund-Feind-Denken. Doch inzwischen hat sich der Zampano weit zurückgezogen – einen Nachfolger mit ähnlich demagogischen Qualitäten und folkloristischem Appeal hat die SVP noch nicht hervorgebracht.

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