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Schweden: Rechtsextreme Partei könnte bald mitregieren

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Von: Nils Tillmann

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Die rechtsextremen Schwedendemokraten könnte bei der kommenden Wahl in Schweden die zweitstärkste Kraft werden.

Stockholm – Kurz vor der schwedischen Parlamentswahl am 11. September haben die Schwedendemokraten (SD) bei einer Meinungsumfrage erstmals den zweiten Platz belegt. Damit könnte es bei der Schweden-Wahl 2022 zum ersten Mal seit der Gründung der Partei im Jahr 1988 bei zu einer Regierungsbeteiligung kommen.

In der Umfrage des schwedischen Meinungsforschungsinstituts Sifo erhielt die SD mit 23 Prozent den zweitgrößten Stimmanteil. Vor ihnen lagen nur noch die regierenden Sozialdemokraten mit 30 Prozent der Stimmen. Die konservative Sammlungspartei lag in der Umfrage mit 18 Prozent der Stimmen hinter den Rechtsextremen. Die Umfrage wurde am 26. August veröffentlicht und stimmt mit anderen Meinungserhebungen überein, die ein knappes Wahlergebnis prognostizieren.

Nach der letzten Wahl im Jahr 2018 konnten die Sozialdemokraten nach einem Übereinkommen mit den Grünen, der Linkspartei und der Zentrumspartei die Regierung stellen. Eine Koalition dieser Parteien käme nach den aktuellen Umfragewerten auf knapp 50 Prozent der Stimmen. Die restlichen 50 Prozent verteilen sich auf die konservative Sammlungspartei, die Christdemokraten, die Liberalen und die rechtsextremen Schwedendemokraten.

Schweden-Wahl 2022: Mögliche Koalitionsbereitschaft der Konservativen

Die von Neonazis mitgegründeten Schwedendemokraten waren erstmals im Jahr 2010 in den schwedischen Reichstag eingezogen. Bei bisherigen Wahlen hatten sich die übrigen Parteien gegen eine Koalition mit den Rechtsextremen ausgesprochen. Wie die Nachrichtenagentur afp berichtet, zeigt sich die konservative Moderate Sammlungspartei (M) nun bereit, ein Bündnis mit den Schwedendemokraten einzugehen, um Magdalena Andersson, die erste Ministerpräsidentin Schwedens, abzulösen. Ein Ergebnis als zweitstärkste Kraft bei der Wahl würde die Position der SD in Verhandlungen um eine Regierungsbeteiligung stärken.

Menschen warten an einer Bushaltestelle neben einem Wahlplakat von Jimmie Akesson, dem Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Schwedendemokraten am 30. August 2022 in Stockholm.
„Schweden wird wieder gut.“ Die Schwedendemokraten geben sich Mühe, ihr altes Image als Partei der rechtsradikalen Szene loszuwerden und sich gesellschaftsfähig zu zeigen. © JONATHAN NACKSTRAND/afo

Der Wahlkampf in Schweden wurde unter anderem vom Thema der Bandenkriminalität beherrscht. Dies könnte Meinungsforschern zufolge ein Grund für das Erstarken der rechtsextremen Partei sein. Die Schwedendemokraten hatten sich in den vergangenen Jahren unter anderem über Integrations- und Einwanderungsdebatten profiliert. (nt/AFP)

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