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Schweden in Sorge vor Putin? Habeck scheitert mit Mission

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Von: Florian Naumann

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Kampfpanzer sind das eine – Luftabwehr das andere. Robert Habeck wollte in Schweden offenbar wichtiges Gerät für die Ukraine loseisen: erfolglos, wie es scheint.

Stockholm/Berlin – Am Nutzen verschiedener Jets, Kampfpanzer oder Raketensysteme für die Ukraine scheiden sich noch die Geister. Unstrittig ist aber, dass das Land Luftabwehrsysteme braucht. Eines der stärksten davon ist IRIS-T aus Deutschland.

Ein „IRIS“ hat die Bundesrepublik unter großem Beifall aus Kiew schon geliefert, drei weitere sollen folgen. Doch Olaf Scholz‘ Regierung – selbst oft für vermeintliche Zögerlichkeit kritisiert – muss auf der Suche nach einer mächtigen Ergänzung für das System warten: Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) persönlich warb nach Informationen des Spiegel bei einem Besuch in Stockholm am Donnerstag (2. Februar) um Bereitstellung eines in Schweden produzierten fahrbaren „Launcher“ für IRIS-T-SLM. Eine Erfolgsmeldung hatte er offenbar nicht im Gepäck, wie merkur.de berichtet.

Waffen für die Ukraine: Schweden könnte Deutschlands „Iris“-Gabe aufwerten

Den Überblick über den lebhaften Waffen-Kreislauf rund um den Ukraine-Krieg zu behalten, ist für Laien mittlerweile eine herausfordernde Aufgabe. Deutschland will 14 neue Leopard-Kampfpanzer liefern – und nun auch „Dutzende“ ältere Leopard-1. Zugleich stehen wohl Ausfuhrgenehmigungen für im Ausland befindliche Panzer an; offenbar hatte Estland zuletzt sogar die Erlaubnis zur Lieferung von Streumunition informell angefragt. Und mit der Schweiz rangelt Berlin um Munition für den Flakpanzer Gepard.

Wirtschaftsminister Robert Habeck in Schweden – hier mit Amtskollegin Ebba Busch.
Wirtschaftsminister Robert Habeck in Schweden – hier mit Amtskollegin Ebba Busch. © IMAGO/Claudio Bresciani/TT

Eine weitere Baustelle ist nun also wohl Schweden. Gesucht ist eine Abschussrampe für IRIS-T-SLM, zu Englisch „Launcher“. Dem Spiegel zufolge würde das Gerät den Aktionsradius des Systems erweitern: Die Ukraine könnte größere Gebiete vor russischem Beschuss schützen. Das schwedische Militär verfüge über solche Einheiten, heißt es. Die Startvorrichtungen seien auf BVS10-Kettenfahrzeugen des schwedischen Fabrikanten Hägglunds montiert.

Russland ist „Nachbar“: Schweden zögert offenbar bei Militärgerät für Ukraine

Schweden hatte erst 2019 fünf IRIS-T-SLS-Systeme erhalten – samt „Launcher“, wie die Webseite airforce-technology.com berichtete. Das zweite „S“ ins „SLS“ steht dabei für die kürzere („short“) Reichweite. Hergeben will das Land das gefragte Gut aber offenbar nicht. Möglicherweise auch wegen des stockenden Nato-Beitritts-Prozesses. Und aus Sorge vor einer russischen Reaktion auf Waffenlieferungen. Der schwedische Inlandsgeheimdienst Säpo hatte zuletzt vor möglichem Ungemach gewarnt, unabhängig von Lieferungen allerdings.

Man sei noch kein Nato-Mitglied, befinde sich aber in russischer Nachbarschaft, teilte das schwedische Verteidigungsministerium dem Spiegel mit: Das müsse bei der Frage von Waffenlieferungen an die Ukraine stets bedacht werden. Zur IRIS-Frage wollte sich das Ressort angeblich nicht konkret äußern.

In Stockholm regiert seit einigen Monaten ein neues rechtskonservatives Bündnis. Ob das die Aussichten verbessert, scheint noch unklar. Habeck hatte bei seinem Besuch am Donnerstag unter anderem mit Atomkraft-Fragen zu tun: Der verstaatlichte Konzern Uniper ist Kernkraftbetreiber in Schweden. Fragen zu Zukunftsplänen mit Uniper in Sachen AKWs ließ Habeck unbeantwortet – er verwies auf Finanzminister Christian Lindner (FDP), wie Aftonbladet berichtet.

Die Bundeswehr besitzt indes offenbar gar kein IRIS-System mehr. Laut Spiegel ist aber die Anschaffung von ganzen acht Systemen geplant. (fn)

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