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Schweden: Gewalttätige Krawalle wegen geplanter Koran-Verbrennungen

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Von: Karolin Schäfer

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In Schweden kommt es bei rechten Kundgebungen, bei denen der Koran verbannt werden soll, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten.

Norrköpping – In Zusammenhang mit der Genehmigung rechter Kundgebungen ist es am Ostersonntag (17.04.2022) erneut in mehreren Regionen in Schweden zu Krawallen gekommen. In Landskrona kam es zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Bis zu 100 meist junge Menschen warfen mit Steinen, zündeten Autos und Mülltonnen an und blockierten den Verkehr, berichtete die schwedische Polizei.

In der schwedischen Provinz Norrköpping im Süden des Landes feuerte die Polizei nach eigenen Angaben Warnschüsse ab. Wie der Sender SVT berichtete, seien dabei drei Menschen verletzt worden. Auch in der Universitätsstadt Linköping kam es zu Auseinandersetzungen mit insgesamt 25 Festnahmen.

Wie die Polizei bekannt gab, wurde sie auch selbst Opfer der Auseinandersetzungen. Die Beamten wurden mit Steinen und Molotowcocktails beworfen. In Örebro waren bereits am Karfreitag (15.04.2022) mehrere Autos der Polizei angezündet worden, dutzend Polizisten wurden verletzt. In Malmö stand am Samstag (16.04.2022) ein Bus in Flammen, nachdem Unbekannte ein brennendes Objekt auf das Fahrzeug geworfen hatten. Die Insassen konnten den Bus noch rechtzeitig verlassen.

Demonstranten zünden einen Polizeibus im Park Sveaparken in Orebro an.
Demonstranten zünden einen Polizeibus im Park Sveaparken in Orebro an. © Kicki Nilsson/dpa

Schweden: Gewalttätige Proteste nach Kundgebungen des Rechtsextremisten Paludan

Hintergrund der Unruhen in Schweden sind von der Polizei genehmigte Kundgebungen des bekannten Rechtsextremisten Rasmus Paludan. Paludan, der sowohl die dänische als auch die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt, ist Gründer der dänischen einwanderungs- und islamfeindlichen Partei Stram Kurs.

Geplant waren bei den Versammlungen unter anderem umstrittene, öffentliche Koran-Verbrennungen. Damit wollte der Rechtsextreme auf seine Partei aufmerksam machen.

Schweden: Festnahme nach Ausschreitungen

Gegendemonstranten und -demonstrantinnen protestierten gegen die Kundgebungen der Rechtsradikalen. Eine kleine Gruppe warf mit Steinen nach ihnen, wurde daraufhin aber von der Polizei mit Pfefferspray auseinandergetrieben, berichtete der RND. Der rechtsextreme Politiker Paludan wurden schwedischen Medienberichten zufolge offenbar selbst von einem Steinwurf am Bein verletzt. Ernsthafte Verletzungen soll es nicht gegeben haben.

„Wir haben schon früher gewalttätige Ausschreitungen gesehen. Aber das ist etwas anderes“, sagte der schwedische Polizeichef Anders Thornberg am Samstag in einer Erklärung. Inzwischen sei unter anderem ein 16-Jähriger in Malmö festgenommen worden, berichtete die schwedische Boulevardzeitung Expressen. „Wir haben den Jugendlichen als eine treibende Kraft der Ausschreitungen in Skånegården identifiziert“, informierte Polizeiabschnittsleiterin Petra Stenkula die Zeitung.

Menschen verbrennen während einer Ausschreitung Äste, um eine Straße zu blockieren. In Südschweden sind Unruhen ausgebrochen.
Menschen verbrennen während einer Ausschreitung Äste, um eine Straße zu blockieren. In Südschweden sind Unruhen ausgebrochen. © Stefan Jerrevång/dpa

Proteste bereits zwei Jahre zuvor gegen Koran-Verbrennungen in Schweden

Sie könne nicht ausschließen, dass die Ausschreitungen geplant gewesen seien, sagte Stenkula. In vielen schwedischen Städten gebe es gewaltbereite Jugendliche, meist mit islamischem Migrationshintergrund. „Sie sind sowohl Zielscheibe wie auch Gegner des bekannten Rechtsradikalen Rasmus Paludan“, schrieb der RND. Die Kundgebungen mit Koran-Verbrennungen haben bereits 2020 für gewalttätige Auseinandersetzungen gesorgt*.

Paludan wurde in Dänemark bereits mehrfach verurteilt und kurzzeitig aufgrund des sogenannten Rassismusparagrafen inhaftiert. Nach Angaben von BBC soll er versucht haben, ähnliche Verbrennungen des Korans in anderen EU-Ländern wie Frankreich und Belgien zu planen. (kas/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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