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Der Brandstifter von nebenan: Dänischer Rechter provoziert Krawalle in Schweden

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Von: Thomas Borchert

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Ein Rechtsradikaler aus Dänemark löst mit geplanten Koranverbrennungen Straßenkämpfe in Schweden aus.

Norrköping - Mit Koranverbrennungen oder auch nur deren Ankündigung hat ein Rechtsradikaler aus Dänemark in Schwedens Städten Straßenkämpfe übers komplette Osterwochenende hinweg ausgelöst. In Norrköping kamen drei junge Männer nach Warnschüssen der Polizei ins Krankenhaus. Sie seien „in Notwehr“ getroffen worden, erklärte Reichspolizeichef Anders Thornberg und warf Randalierenden Mordabsichten gegenüber Einsatzkräften vor. Im Malmöer Migranten-Stadtteil Rosengård wurden eine Schule und ein mit Fahrgästen besetzter Bus in Brand gesteckt. Auch in Stockholm, Linköping und Örebro gingen Polizeifahrzeuge in Flammen auf.

Am Karfreitag erlitten 16 Polizist:innen leichte Verletzungen, als die offenbar unterbesetzte Ordnungsmacht zeitweise vor knapp 200 Vermummten flüchten musste. Ministerpräsidentin Magdalena Andersson sagte: „Ich gehe davon aus, dass die Polizei entschlossen handeln wird, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.“ Eine halbes Jahr nach Amtsantritt und fünf Monate vor Wahlen sind die Osterkrawalle auch ein harter Rückschlag für Anderssons Linie: Sie will ihre Sozialdemokratische Partei mit immer neuen Initiativen für härtere Strafen, Aufrüstung und zusätzliche Polizei-Kompetenzen bei Integrationsproblemen profilieren.

Zwei Autos stehen auf einem Parkplatz in Norrköping in Flammen.
Zwei Autos stehen auf einem Parkplatz in Norrköping in Flammen. © Stefan Jerrevång/dpa

Schweden: Koranverbrennungen in Bezirken mit viel muslimischer Bevölkerung

Mit einem so brutalen wie simplen Konzept geschafft hat dies der aus Dänemark nach Schweden gekommene Rechtsaußen Rasmus Paludan. Der Anwalt mit Pässen beider Länder wiederholte einfach seine 2018 und 2019 unter extrem aufwendigem Polizeischutz durchgezogene „Tournee“ mit provokativen Koranverbrennungen in Bezirken mit viel muslimischer Bevölkerung. Er forderte unter anderem dazu auf, auf den Koran zu urinieren. Heimische Medien stuften ihn vorzugsweise als „islamkritisch“ ein.

Paludans zweifache Verurteilung wegen rassistischer Hetze änderte nichts daran, dass die dänische Polizei die Koranverbrennungen stets als Bestandteil der verfassungsmäßigen Meinungsfreiheit geschützt hat. Als er dadurch landesweit bekanntgeworden war, gründete er die Partei „Stram Kurs“ und scheiterte bei den jüngsten Wahlen knapp an der Zwei-Prozent-Sperrklausel. Im Wahljahr 2019 musste die Polizei nach eigenen Angaben den weitaus größten Teil ihres Budgets in Verbindung mit Veranstaltungen zum Schutz Paludans einsetzen. Dänemarks Polizeigewerkschaft fragte, ob „Missbrauch der Meinungsfreiheit“ nicht andere Reaktionen des Staates zeitigen sollte.

Schweden: Täter und Opfer sind fast immer junge Männer mit Migrationshintergrund

Schweden erlebt die Neuauflage von Paludans Brandstiftungen auf einem viel explosiverem Hintergrund. In den vergangenen Jahren hat die von der Polizei nie unter Kontrolle gebrachte Bandenkriminalität zu häufigen brutalen Mordanschlägen im Drogenhandel-Milieu geführt. Täter und Opfer sind fast immer junge Männer mit Migrationshintergrund, was zum innenpolitisch beherrschenden Thema mit hohem Konfliktpotenzial geworden ist.

Solchermaßen befeuert brachen denn auch die meisten Osterkrawalle aus; es gab nämlich „nur“ zwei der sechs angekündigten Koranverbrennungen. Reichspolizeichef Thornberg meinte am Ostermontag, die „extrem aggressiven Personen“ hätten es offenbar gar nicht auf Paludan, sondern direkt auf die Polizei abgesehen gehabt. Sie seien auch teilweise dem Banden-Milieu zuzurechnen: „Es gibt viel zu viele Jugendliche bei uns, die einfach kriminell werden wollen.“ Justizminister Morgan Johansson stellte sich hinter die Polizei: „Wir müssen hier hart gegen hart setzen.“ (Thomas Borchert)

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