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Schweden: Geografie, Geschichte, Politik und Bevölkerung

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Von: Julia Schöneseiffen

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Schweden ist eines der größten Länder Europas. Von einer kriegerischen Großmacht zum neutralen Staat im Norden. Alle Infos im Überblick.

Stockholm – Schweden war nicht immer ein neutrales Land wie heute. Bereits zur Zeit der Wikinger dehnte Schweden sein Territorium mittels Handels- und Kriegszügen aus – teilweise bis in die heutige Türkei. Heute gilt Schweden hingegen als neutral. Alles zur schwedischen Geografie, Geschichte, Politik und Bevölkerung finden Sie nachfolgend im Überblick.

LandSchweden
Fläche447.430 Quadratkilometer
HauptstadtStockholm
Einwohnerzahl10.415.811 (Stand 2021; Quelle: The World Bank)
Amtsspracheschwedisch

Schweden: Die Geographie des skandinavischen Landes

Schweden wird von Norwegen, Finnland, der Ostsee und dem Kattegat begrenzt. Mit knapp 450.000 Quadratkilometern hat das skandinavische Land etwa 1,3 Mal die Größe von Deutschland. Schweden besitzt etwa 221.800 Inseln, darunter die Inseln Gotland und Öland. Der höchste Berg Schwedens ist der Kebnekaise mit einer Höhe von 2.097 Metern. Im Jahr 2021 zählte das Land 10.415.811 Einwohner, davon leben etwa ein Viertel in den fünf größten Städten Schwedens.

Das sind die fünf größten Städte Schwedens (Stand: 31. Dezember 2021):

Quelle: Statistics Sweden

Schwedische Geschichte: Frühzeit und Wikinger

Vor etwa 13.000 Jahren war das Gebiet des heutigen Schwedens noch von Eis bedeckt. Mit dem Rückgang der Eiszeit kamen die ersten Siedler. Die ersten Handelskontakte soll es in der Bronzezeit (2000 bis 5000 v. Chr.) mit den Briten und dem südeuropäischen Raum gegeben haben.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. fanden die Stämme Skandinaviens, darunter das Volk der Suionen, Erwähnung in römischen Schriften. Im 9. Jahrhundert begannen die Skandinavier schließlich mit Handels- und Kriegszügen. Die schwedischen Wikinger begingen diese im gesamten Ostseegebiet. So drangen sie entlang der Ostseeküsten und Flüsse weit in das heutige Russland vor, wo sie Handelsstationen und Siedlungen erbauten.

Über das Schwarze Meer gelangten die schwedischen Wikinger sogar bis nach Byzanz, dem heutigen Istanbul. Von dort aus trieben sie Handel mit der arabischen Welt. Das Ende der Wikingerzeit wird auf das Jahr 1066 datiert. In diesem Jahr siegten die französischen Normannen, angeführt von Herzog Wilhelm dem Eroberer, über die Angelsachsen.

Schwedische Geschichte: Christianisierung

Die Christianisierung Schwedens im 11. Jahrhundert läutete eine neue Epoche in der Geschichte des Landes ein. Als Vater des modernen Königreiches wird der mächtige Fürst Birger Jarl betrachtet, der im 13. Jahrhundert zahlreiche Reformen durchführte und die Macht zentralisierte. Zur gleichen Zeit expandierte Schweden, indem es das benachbarte Finnland eroberte.

Schweden in der Kalmarer Union

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts vereinigten sich die drei skandinavischen Reiche Dänemark, Schweden und Norwegen unter einer Regentschaft; die Kalmarer Union. Ursprünglich sollte der skandinavische Bund den Friedensprozess im skandinavischen Raum fördern, doch die Jahrzehnte nach der Vereinigung waren von Kämpfen innerhalb der Union und häufigen Wechseln der Regierung geprägt.

Die ständigen Auseinandersetzungen führten zu einer Stärkung des schwedischen Nationalgefühls. Das Ende der Kalmarer Union begann 1520, als der damalige dänische Regent Kristian II. im sogenannten „Stockholmer Blutbad“ hundert Oppositionelle hinrichten ließ. 1521 kam es unter Gustav Wasa zum Aufstand, der Schweden die Unabhängigkeit brachte.

Die Wasazeit und Schwedens Weg zur Großmacht

Gustav Wasas Aufstand führte zur Absetzung von Kristian II. und schließlich wurde Wasa im Jahr 1523 selbst zum König gewählt. Der 6. Juni, der Tag an dem Wasa zum König von Schweden gewählt wurde, ist heute der schwedische Nationalfeiertag. Der König führte die erbliche Thronfolge ein und setzte das protestantische Luthertum als Schwedens Staatsreligion durch.

Die Folgezeit von Gustav Wasa war von mehreren Kriegen mit Dänemark, Lübeck, Russland und Polen geprägt. Im 17. Jahrhundert dehnte sich das schwedische Reich schließlich über Finnland bis ins heutige Russland und in das Baltikum aus. Auch ein Teil der heute zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden deutschen Ostseeküste war kurzzeitig schwedisches Territorium.

Vor Wasser und alten Gebäuden flattert eine schwedische Flagge
Das skandinavische Land Schweden ist eines der flächengrößten Länder Europas. © agefotostock/IMAGO

Schwedens Großmachtstellung hielt bis 1700 an, bis Dänemark, Polen und Russland die schwedische Herrschaft im Großen Nordischen Krieg herausforderte. Nach zahlreichen Niederlagen im Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 endete schließlich die schwedische Vormachtstellung in der Ostsee.

Schweden: Soziale Probleme, Armut und Industrialisierung

Unter König Gustav III. erlebte Schweden im späten 18. Jahrhundert eine kulturelle Blüte, die sich an Frankreich orientierte. Er gründete die Schwedische Akademie, die bis heute die Nobelpreise verleiht. 1792 fiel Gustav III. bei einem Maskenball einem Attentat zum Opfer.

Das folgende Jahrhundert wurde von großen sozialen Problemen und Armut in den ländlichen Gebieten dominiert. Erst im frühen 20. Jahrhundert gelang dem Land mit der Industrialisierung eine wirtschaftliche Erneuerung. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs legte sich Schweden auf seine politische Neutralität fest, an der der Staat auch im Zweiten Weltkrieg festhielt.

Das schwedische Modell: Schweden als Wohlfahrtsstaat

Bei der Wahl 1932 wurde der Sozialdemokrat Per Albin Hansson zum schwedischen Ministerpräsident gewählt. Dieser verfasste die Idee von Volksheim (schwedisch: Folkhemmet). Diese Idee umfasst einen Staat, in dem alle Bürger unabhängig von ihrem sozialen Stand und ihrer Leistung ohne materielle Sorgen leben können. Demnach beschreibt Folkhemmet den heutigen Wohlfahrtsstaat.

Die Sozialdemokraten erlangten bei der Wahl 1940 die absolute Mehrheit und konnten dadurch das „schwedische Modell“ der Wohlfahrt in den folgenden Jahrzehnten konkret umsetzen. Die schwedische Wirtschafts- und Bankenkrise im Jahr 1990 führte allerdings zu starken Einschnitten in das soziale System und die Sozialdemokraten verloren erstmals die Macht.

Waren Sie schon einmal in Schweden?

Schweden: Politik heute

Schweden ist eine konstitutionelle Monarchie und eine parlamentarische Demokratie mit einem Premierminister:in als Regierungschef:in und einem König:in als Staatsoberhaupt. Seit dem 15. September 1973 bekleidet König Carl XVI. Gustaf das Amt des schwedischen Staatsoberhaupts. Seine Rolle ist dabei jedoch rein zeremoniell.

Die eigentliche Politik wird im schwedischen Reichstag betrieben. Dieser besteht aus 349 Abgeordneten. Insgesamt sind neun Parteien im Reichstag vertreten:

ParteiSitze im Parlament
Sozialdemokratische Partei (Socialdemokraterna)100
Moderate Partei (Moderata samlingspartiet)70
Die Schwedendemokraten (Sverigedemokraterna)61
Zentrumspartei (Centerpartiet)31
Linkspartei (Vänsterpartiet)27
Christdemokraten (Kristdemokraterna)22
Liberale Partei (Liberalerna)20
Die Grünen (Miljöpartiet de gröne)16
Unabhängige2

Seit November 2021 ist Magdalena Andersson Ministerpräsidentin von Schweden. Am 11. September 2022 findet die nächste Wahl zum schwedischen Reichstag statt.

Sozialdemokratin Magdalena Andersson ist seit dem 30. November 2021 die Ministerpräsidentin von Schweden, die Politikerin steht vor schwedischen Flaggen am Rednerpult
Magdalena Andersson ist seit dem 30. November 2021 Schwedens Ministerpräsidentin. © Xinhua / IMAGO

Seit 1995 ist Schweden Mitglied in der EU. Bei einer Volksabstimmung 2003 entschied sich die Bevölkerung aber mit einer klaren Mehrheit gegen die Einführung des Euros. So ist die Währung in Schweden noch immer die Schwedische Krone.

Wirtschaft in Schweden: Volvo, Skype, Ikea und Co.

Die schwedische Wirtschaft wurde lange Zeit von der Geografie des Landes bestimmt: Die Wälder führten zu einer florierenden Holzindustrie, während im Norden Eisenerz abgebaut wurde.

Im 20. Jahrhundert entstanden international bekannte Unternehmen: Volvo, Saab, Ericsson Telecommunications und die Möbelhauskette IKEA. Aber auch Konzerne wie Skype, die Streamingplattform Spotify und Mojang Studios (Erfinder von Minecraft) stammen aus Schweden.

Das sind die wichtigsten Wirtschaftszweige Schwedens 2020:

Quelle: Europäische Union

Das gibt es über schwedische Bevölkerung und Sprache zu wissen:

Die Mehrheit der Bevölkerung setzt sich aus ethnischen Schweden und Schwedinnen und sogenannten Schwedenfinnen und Schwedfinninnen (mit finnischen Wurzeln) zusammen. Im Norden des Landes leben noch etwa 20.000 skandinavische Ureinwohner:innen vom Volk der Samen. Aufgrund des liberalen Einwanderungsrechtes erlebte Schweden immer wieder starke Einwanderungswellen.

Die schwedische Sprache wurde erst 2009 endgültig als Amtssprache gesetzlich bestätigt. Außerdem sind folgende Minderheitensprachen anerkannt:

Ukraine Krieg: Schweden will Nato-Mitglied werden

Jahrzehnte lang hielt Schweden und auch sein Nachbar Finnland an ihrer Neutralität fest. Durch den Ukraine-Krieg fühlen sich aber beide Länder von Russland bedroht und beantragten im Mai 2022 die Aufnahme in die Nato. (jsch)

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