Am Mittwoch legten Menschen Blumen am Tatort nieder.
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Am Mittwoch legten Menschen Blumen am Tatort nieder.

Olof Palme

Ein Offenbarungseid zum Abschluss

  • vonThomas Borchert
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Schweden beendet die Ermittlungen zum Mord an Olof Palme.

Ein Gerichtsurteil über den Mörder von Schwedens Ministerpräsident Olof Palme vor 34 Jahren wird es wohl nie geben. Die Justiz hat nun alle Ermittlungen eingestellt. Dass Staatsanwalt Krister Pettersson aus diesem Anlass der Öffentlichkeit erstmals einen vor 20 Jahren gestorbenen Mann als mutmaßlichen Täter ohne neue Beweise präsentierte, hat in Schweden massive Kritik ausgelöst. Ex-Oberstaatsanwalt Sven-Erik Alhem sagte am Donnerstag im Rundfunk: „Es ist ein Verstoß gegen die europäische Menschenrechtskonvention, auf derart dünner Grundlage jemanden auszuhängen, der tot ist und sich nicht mehr verteidigen kann.“ Der Kriminologe und Krimi-Autor G.W. Persson kommentierte die Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft fassungslos: „Ich traute meinen Ohren nicht. Da gab es ja nicht den mindesten handfesten Beweis.“

Ministerpräsident Stefan Löfven, Sozialdemokrat wie Palme und derzeit mit Schwedens liberaler Corona-Strategie und vielen Toten in Altenheimen beschäftigt, sagte hingegen, dass sein Land nach dem Mord jetzt „Frieden finden kann“: „Die Staatsanwaltschaft ist glaubwürdig und so weit gegangen, wie es möglich war.“

Der auf internationaler Bühne stark beachtete Palme ging am 28. Februar 1986 mit seiner Ehefrau Lisbet von einem Kinobesuch nach Hause, als ein Mann ihn erschoss. Der Täter konnte unerkannt entkommen. Danach setzte eine Kette von Fahndungspannen ein. Auf die mangelhafte Absperrung des Tatorts in Stockholm folgten der viel zu späte Start der Großfahndung und die Besessenheit des Fahndungschefs Hans Holmér von einer angeblichen kurdischen PKK-Verschwörung gegen Palme. 1989 wurde der mit dem Staatsanwalt fast namensgleiche Kleinkriminelle Christer Pettersson erst als Mörder nach der Identifizierung durch Palmes Ehefrau schuldig und in zweiter Instanz wegen grober Fehler bei dieser Identifizierung freigesprochen. Pettersson starb 2004.

Keine neuen Beweise

Dass sich Schwedens Polizei bei der Aufklärung des Mordes, der das Land erschütterte wie kein anderer Kriminalfall, der Lächerlichkeit preisgegeben hat, ist für Schweden wie eine nie verheilte Wunde. Die Bereitstellung gigantischer Ressourcen über gut drei Jahrzehnte hat nichts gebracht. Nun waren die Erwartungen groß, als Staatsanwalt Pettersson ankündigte, er werde die „Lösung“ des Mordfalls präsentieren.

Was kam, war für Experten ein neuer Offenbarungseid. Pettersson verkündet, er sehe in dem bis 2017 nur als Zeuge vom Tatort in Erscheinung getretenen Versicherungsgrafiker Stig Engström den Täter. Doch weder präsentierte er die nie gefundene Tatwaffe noch DNA-Spuren oder einen einzigen technischen Beweis gegen Engström, der sich 2000 das Leben nahm. Stattdessen gab es eine Auflistung von Unstimmigkeiten in den Aussagen dieses „mutmaßlichen Täters“, dass er zu den „Palme-Hassern“ gehörte, sich mit Waffen auskannte und am Tatort war. Auch gibt es kein Tatmotiv. Pettersson kam vorbeugend der Kritik am Abschluss der Fahndung entgegen: „Ich bin nicht so dumm, dass ich glauben würde, diese Beweislage könnte für eine Anklageerhebung reichen.“

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