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Menschen demonstrieren vor dem Obersten Gerichtshof in den USA für das Recht auf Abtreibung. Der Verein „Doctors for Choice“ unterstützt sie dabei. Jetzt auch in Deutschland.

Selbstbestimmung

Schwangerschaft: „Doctors for Choice“ kämpft für Wahlfreiheit

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Den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen erleichtern und das Thema stärker im Medizinstudium verankern: Der neugegründete Verein „Doctors for Choice“ will ein Netzwerk für Ärzte und Studierende sein

Workshops, in denen Studierende an Papayas das Vorgehen bei Schwangerschaftsabbrüchen lernen, sind ihre Antwort auf den Lehrplan im Medizinstudium: Seit 2015 gibt es die Medical Students for Choice, eine Gruppe von Studierenden, die sich dafür einsetzt, dass Abtreibungen stärker im Studium thematisiert werden. Mittlerweile haben die ersten Mitglieder ihr Studium beendet und nach einer Möglichkeit gesucht, ihr Engagement als praktizierende Ärztinnen und Ärzte weiterzuführen.

„Doctors for Choice Germany“ heißt der Verein, den sie dafür im Sommer gegründet haben und der bald seine Arbeit aufnimmt. Am 16. November findet in Berlin eine Gründungsfeier statt, dann geht auch die Homepage online. „Ab dann können alle Interessierten Mitglied werden“, versichert Alicia Baier. Sie hat vor vier Jahren einen deutschen Ableger der „Medical Students for Choice“ an der Berliner Charité ins Leben gerufen, damals noch als Studierende. Mittlerweile absolviert sie ihre Weiterbildung in Allgemeinmedizin bei der Gießener Ärztin Kristina Hänel, die sich ebenfalls im Verein engagieren wird, dem Baier als Gründungschefin vorsteht.

Selbstbestimmter Umgang mit Sexualität und Familienplanung

Es sei „wirklich toll“ zu sehen, wie viele Ärztinnen und Ärzte in Deutschland sich für einen selbstbestimmten Umgang mit Sexualität, Fortpflanzung und Familienplanung einsetzten, sagt Baier. Aber es fehle der koordinierte Austausch. „Bislang gibt es keine Möglichkeit, diese gemeinsame Position nach außen zu kommunizieren.“

Das soll sich mit dem Verein nun ändern. „Doctors for Choice“ will in erster Linie ein Netzwerk für Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende sein. Es gehe vor allem darum, den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland zu verbessern, sagt Baier. „Wir wollen eine evidenzbasierte, gesundheitsorientierte und feministische Stimme in die medizinische Community, aber auch in die Öffentlichkeit tragen.“ Die „Ärzte für das Leben“ – ein Zusammenschluss von Medizinerinnen und Medizinern, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche aussprechen – seien schließlich auch in einem eingetragenen Verein organisiert.

Kaum jemand will Schwangerschaften abbrechen

In Deutschland gebe es einen Versorgungsnotstand, sagt Baier, denn immer weniger Ärztinnen und Ärzte wollten Schwangerschaften abbrechen. Zudem komme die Thematik in der medizinischen Ausbildung viel zu kurz. „Wir möchten mit dem Verein ein Bewusstsein für all diese Aspekte schaffen und andere Medizinerinnen und Mediziner motivieren, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen“, kündigt Baier an.

Was die „Doctors for Choice“ an Aktivitäten planen, ist noch nicht ganz klar. Man wartet auf weitere Mitglieder. Schon jetzt steht allerdings fest, dass Ausbildungskonzepte entworfen und Vorschläge dafür erarbeitet werden sollen, wie die ärztliche Aus- und Weiterbildung aussehen kann. Außerdem wird es Netzwerkverteiler geben. Über die sollen Studierende, die sich über Schwangerschaftsabbrüche informieren oder die Methoden lernen möchten, und Ärztinnen und Ärzte, die ihr Wissen weitergeben wollen, zusammenfinden. Auch in juristischen Fragen könne das Netzwerk eine Rolle spielen und Ärztinnen und Ärzten etwa bei Problemen rund um die Informationen auf ihrer Homepage helfen, so Baier.

„Doctors for Choice“ lässt sich von Rechtsanwalt beraten

Seit Anfang des Jahres haben sie und eine Kollegin der Medical Students for Choice die Vereinsgründung organisiert. Beim Erstellen der Satzung haben sie sich von einem Rechtsanwalt beraten lassen – auch damit der junge Verein keine Probleme mit der Gemeinnützigkeit bekommt. Die sei den „Doctors for Choice“ bereits vom Finanzamt anerkannt worden, bestätigt Baier, und die wollten sie auf keinen verlieren.

Damit bezieht sie sich auch auf eine Entscheidung des Berliner Finanzamtes für Körperschaften, das der Kampagnen-Organisation Campact Anfang der Woche den Status aberkannt hatte. Nach Auffassung der Behörde war die Organisation überwiegend allgemeinpolitisch tätig gewesen und hatte Kampagnen durchgeführt, die keinem der in der entsprechenden Abgabenordnung genannten Zwecke zugeordnet werden konnten. „Wir fokussieren uns auf gut begründete Argumente, die sich durch Studien und Empfehlungen internationaler Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation nachvollziehen lassen“, sagt Baier deshalb.

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