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Schutz vor der Hitze

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Von: Alisha Mendgen

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Seniorinnen und Senioren sollen laut Ärztebund bei Hitze mindestens zwei Liter Wasser trinken.
Seniorinnen und Senioren sollen laut Ärztebund bei Hitze mindestens zwei Liter Wasser trinken. © Thibaud Moritz/afp

Die Bundesregierung setzt bei der Vorsorge auf die Kommunen. Eine Expertin vom Marburger Bund sieht deutlichen Nachholbedarf.

Hitze wird auch in Deutschland zunehmend zum Problem. Zwar werden für die nächsten Tage keine 45 Grad erwartet, wie zunächst prognostiziert, doch mancherorts könnten die Temperaturen auf 35 Grad klettern. Solche Temperaturen seien vor allem herausfordernd, „wenn sie länger anhalten und auch in den Nächten keine Abkühlung einsetzt“, sagte die Chefin des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Insbesondere ältere Menschen seien gefährdet, da sie nur ein geringes Durstgefühl empfänden. „Senioren sollten deshalb in Hitzephasen darauf achten, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken“, riet Johna.

Doch welche Hitzekonzepte hat die Bundesregierung, um die Menschen zu schützen? Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, 2005 sei ein bundesweites Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eingerichtet worden.

„Es steht auch eine kostenlose Hitzewarn-App oder E-Mail-Service zur Verfügung“, sagte die Ministeriumssprecherin. „Hitzewarnungen sind ein zentrales Element für den Hitzeschutz.“

Die Sprecherin verwies auf das Internetportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dort gebe es unter anderem Verhaltenstipps für Hitze. Darüber hinaus beschäftige sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit gesundheitlicher Anpassung an die Klimawandel-Folgen. Sie hätte bereits 2017 Empfehlungen zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen für Städte und Gemeinden entwickelt.

Darauf nimmt auch das Bundesumweltministerium Bezug, die konkrete Ausgestaltung liege allerdings in den Händen der Kommunen, hieß es. Und die geht offenbar schleppend voran: So hätten in Deutschland zwar einzelne Kommunen mit der Arbeit an Hitzeaktionsplänen begonnen, diese befänden sich zum großen Teil aber noch in der Entwicklung, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Es sei aktuell keine Stadt oder Gemeinde bekannt, die einen Hitzeaktionsplan mit allen acht Elementen der Empfehlungen umsetze.

Zudem gebe große Unterschiede bei den Hitzeaktionsplänen: „Teilweise fokussieren sich diese nur auf einzelne Maßnahmen, während andere Städte umfassende und koordinierte Pläne erarbeiten.“ Es seien jedoch auch Kommunen bekannt, die umfassende Pläne zum Gesundheitsschutz bei Hitze anwendeten, ohne dies „Hitzeaktionsplan“ zu nennen.

Das Umweltministerium will die Klimaanpassung in den Städten und Gemeinden mit dem Zentrum für Klimaanpassung verbessern. Das Zentrum berät seit einem Jahr Kommunen, die sich auf die Folgen der Erderhitzung vorbereiten wollen.

Dem Marburger Bund reicht das nicht aus. „Die Politik muss ihre Anstrengungen für Schutzmaßnahmen in Hitzephasen deutlich ausbauen“, forderte Verbandsvorsitzende Johna. „Städte und Kommunen brauchen Hitzeschutzpläne, damit sich Senioreneinrichtungen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens besser auf Hitzewellen vorbereiten können, am besten geregelt durch einen nationalen Hitzeschutzplan.“ Die Medizinerin pochte auf umfassende Weiterbildungen: „Nötig sind Fortbildungen zu hitzebedingten Erkrankungen, die temperaturgerechte Aufbewahrung von Medikamenten, spezifische Maßnahmen bei stark erhöhten Temperaturen über mehrere Tage und Gebäudeanpassungen.“

Auch Nachbarschaftshilfe etwa beim Einkaufen sei wichtig. Johna fordert eine Hitze-Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für politische Bildung: Die Bevölkerung müsse darüber informiert werden, wie sich Menschen in Hitzewellen ganz konkret verhalten sollten, sagte sie.

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