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In Sorriso im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso steht der Regenwald noch – angeblich soll das auch so bleiben.
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In Sorriso im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso steht der Regenwald noch – angeblich soll das auch so bleiben.

COP26

Schutz der Wälder im Fokus

  • VonSandra Kirchner
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  • Joachim Wille
    Joachim Wille
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Rund 100 Staaten verpflichten sich, von 2030 an keine Wälder mehr zu zerstören. Sogar Brasilien will wohl mitmachen.

Holzeinschlag, Brandrodung, Austrocknung: Hotspots der globalen Waldvernichtung sind die Regenwälder am Amazonas, in Zentralafrika und Südostasien, außerdem Regionen in Sibirien und Kanada. Jährlich verliert die Welt mindestens 14 Millionen Hektar Wald, was unter anderem den Klimawandel verstärkt. Es geht dabei um eine Fläche, die größer ist als Österreich und die Schweiz zusammen. Eine Initiative von rund 100 Staaten will das nun stoppen, darunter sogar der größte Waldvernichter Brasilien.

Die Initiative wurde am Dienstag auf dem UN-Klimagipfel in Glasgow vorgestellt. Nach Angaben der britischen Regierung, die die Konferenz leitet, stehen die beteiligten Länder für 85 Prozent der weltweiten Waldfläche – etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Die Regierungen verpflichten sich, die Entwaldung und die Zerstörung anderer Naturlandschaften bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Unterzeichnet haben fast alle waldreichen Länder, darunter neben Brasilien auch Kanada, Russland, Norwegen, Kolumbien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo. Auch Deutschland und die EU unterstützen die Initiative.

Hinzu kommen Finanzmittel von zwölf Industrieländern, inklusive Deutschland, die vor allem zum Schutz der tropischen Wälder am Amazonas, in Indonesien und im Kongobecken beitragen soll. Bis 2025 sollen dafür rund 19 Milliarden Dollar an öffentlichen und privaten Mitteln fließen. Ein neuer Fonds in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ist speziell zum Schutz des Kongobeckens in Afrika vorgesehen, wo sich der nach der Amazonas-Region zweitgrößte tropische Regenwald der Welt befindet. Rund 1,7 Milliarden Dollar sollen direkt an indigene Völker und lokale Gemeinschaften in den Regenwald-Gebieten gehen.

Wie ernst ist es Bolsonaro?

Flankiert wird die Initiative von einer Erklärung zu Wäldern, Landwirtschaft und Rohstoffhandel. Eine Reihe Länder, die waldkritische Produkte wie Palmöl, Kakao und Soja produzieren, will sich darin zu Schritten verpflichten, die den Druck auf die Wälder verringern; darunter die Unterstützung von Kleinbäuer:innen und die Verbesserung der Lieferkettentransparenz. Außerdem verpflichteten sich mehr als 30 Finanzkonzerne, künftig Investitionen auszuschließen, die mit der Abholzung von Wäldern verbunden sind. Großbritanniens Premier Boris Johnson bezeichnete die Wald-Erklärung als „bahnbrechendes Abkommen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder der Erde“.

Fachleute begrüßten den Vorstoß. „Es ist eine gute Nachricht, dass sich so viele Länder politisch dazu verpflichtet haben, die Entwaldung zu beenden, und dass erhebliche Mittel zur Verfügung stehen, um auf diesem Weg voranzukommen“, sagte Simon Lewis vom University College London. Die eigentliche Herausforderung bestehe aber in der Umsetzung konkreter Schritte und deren Überwachung.

Frühere ähnliche Versuche sind fehlgeschlagen. So hatten Regierungen auf einer UN-Konferenz in New York bereits 2014 angekündigt, die Entwaldung bis 2030 komplett zu stoppen. Die Vernichtung ging aber weiter. Durch den Verlust von Primärwäldern – vom menschlichen Einfluss unberührte Wälder – wurden 2020 rund 2,64 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt.

Umweltorganisationen reagierten unterschiedlich auf die Initiative. Der WWF begrüßte sie und forderte eine konsequente Umsetzung. Greenpeace hingegen zeigte sich skeptisch. Es werde praktisch grünes Licht gegeben „für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung“. Greenpeace und Amazonas-Waldschützer:innen kritisierten von allem Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, der sich nun als Waldschützer darstelle. Sie forderten die Delegierten auf, dessen „Greenwashing“-Versprechen nicht zu vertrauen, Brasilien wolle damit Zugang zu Naturschutzmitteln erhalten.

Brasiliens Regierung war zuletzt stark unter Druck geraten. Sie hatte kurz vor dem Start der Klimakonferenz Schritte zum Erhalt des Amazonas-Regenwalds versprochen. Laut Vizepräsident Hamilton Mourão soll die illegale Abholzung bis 2027 oder 2028 beendet werden. Unklar ist, wie realistisch das ist. Laut dem nationalen Weltraum-Institut Inpe, das Satellitendaten auswertet, nahm die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet bis 2020 zu.

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