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Die Schule der Folterer

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Dies ist die Stärke offener Gesellschaften: Alles kommt irgendwann heraus, nichts bleibt letztlich geheim. Und dies ist die Schwäche: Heraus kommen

Dies ist die Stärke offener Gesellschaften: Alles kommt irgendwann heraus, nichts bleibt letztlich geheim. Und dies ist die Schwäche: Heraus kommen Missgriffe, Gesetzesbrüche, Berichte über Folter und Verletzung der Menschenrechte erst, nachdem der Schaden angerichtet worden ist.

Die Regeln über die Informationsfreiheit, die in den USA gelten (oder bis zum Patriot-Gesetz galten), haben Erkenntnisse über Institutionen und Handbücher ermöglicht, die - von den USA konzipiert, gelenkt und finanziert - dem Erlernen des zweckgerichteten Folterns dienen. Es handelt sich um eine Einrichtung, die bis 2001 den Namen "School of the Americas" (SOA) führte und jetzt "Institut der westlichen Hemisphäre für Sicherheitszusammenarbeit" heißt. Bis 1984 war sie in der Panama-Kanalzone angesiedelt, seither in Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia. Der Vorläufer dieser Schule wurde 1947 eingerichtet, um lateinamerikanische Militärs professionell auszubilden. Es war die Zeit, in der der Kalte Krieg begann und jede Regung für soziale Reformen im "Hinterhof Washingtons" als kommunistische Unterwanderung beargwöhnt wurde.

Die USA intervenierten militärisch 1954 in Guatemala, weil der links-nationalistische Präsident Jacobo Arbenz Guzmán brachliegendes Land zu verstaatlichen begann; auf das Land hatte der Bananentrust United Fruit ein Auge geworfen. Washington intervenierte indirekt; der Geheimdienst CIA zog die Fäden, die Ausführenden hatten die Panama-Schule durchlaufen. Es war die erste Aufsehen erregende, aber nicht die einzige Intervention unter dem Oberbegriff "Counter Insurgency" (Aufstandsbekämpfung), die zum Militärputsch wurde.

US-Präsident John F. Kennedy ließ der Panama-Schule den Namen SOA geben; Förderung der Demokratie im Zeichen des fortdauernden Kalten Krieges war nun das offizielle Ziel. Zur Förderung der Demokratie gehörte damals die Unterstützung von Militär- und anderen Putschisten gegen demokratische und soziale Bewegungen, die den oligarchisch verfassten, den USA vertraglich und wirtschaftlich verbundenen Mächtigen gefährlich zu werden drohten.

Dazu gehörte das Training des Personals, dessen sich Diktatoren wie der Somoza-Clan in Nicaragua bedienten. In der Liste der "berüchtigten Absolventen", die die Menschenrechtsgruppe "School of the Americas Watch" (www.soaw.org) zusammengestellt hat, fehlt fast kein Staat der westlichen Hemisphäre.

Die SOA haben an die 60 000 Lateinamerikaner absolviert. Prominente Namen: Manuel Noriega und Omar Torrijos (Panama), Leopoldo Galtieri und Roberto Viola (Argentinien), Hugo Bánzer Suárez (Bolivien). Die Namen von Kommandeuren mittelamerikanischer Todesschwadrone stehen ebenfalls auf der Liste. Die Verantwortlichen für Massenmorde und Massenfolterungen in El Salvador, Peru, Chile und anderen Staaten haben die SOA durchlaufen. Bei weitem nicht alle Absolventen sind der Verletzung der Menschenrechte überführt worden; doch die Zahl der Überführten lässt auf eine gewisse Systematik schließen, mit der "Counter Insurgency" trainiert wurde. Das Eindringen in oppositionelle Bewegungen war eine Methode; die erste Stufe der Aktionen. Verdächtige wurden festgenommen und verhört; die Verhörmethoden, die gelehrt wurden, zielten auf die Zerstörung der Persönlichkeiten ab.

Über entsprechende Lehrbücher hat die US-Presse seit 1996 häufiger berichtet, seit das Pentagon unter öffentlichem Druck sieben Handbücher in Spanisch freigegeben hat. "Jetzt können die Amerikaner selbst einige der schädlichen Lektionen nachlesen, welche die US-Armee tausenden Lateinamerikanern beigebracht hat", kommentierte die New York Times. Die Handbücher "empfahlen Verhörtechniken wie Folter, Hinrichtung, Erpressung und die Festnahme von Verwandten der Verhörten". Bis 1991 sei mit den Vorlagen gearbeitet worden.

Bis 1991, dann nicht mehr? "Wenn man sie im Zusammenhang mit den Bildern aus Irak und den Berichten aus Guantánamo liest, ahnt man, dass die darin enthaltenen Ratschläge noch immer befolgt werden", schrieb die Londoner Tageszeitung Guardian Anfang Mai dieses Jahres.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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