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Die Bücher wurden aus dem Verkehr gezogen, weil sie angeblich Hinweise auf Fethullah Gülen enthalten.

Zensur

Schulbücher brennen

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Ankara verschärft die Zensur.

Die türkische Regierung hat seit dem Putschversuch vor drei Jahren 301 878 Bücher aus Schulen und Bibliotheken entfernen und vernichten lassen. Diese Zahl nannte jetzt Erziehungsminister Ziya Selcuk. Die Internetseite „Kronos27“ veröffentlichte Fotos, die Polizisten bei der Verbrennung beschlagnahmter Bücher zeigen.

Die Bücher wurden aus dem Verkehr gezogen, weil sie angeblich Hinweise auf Fethullah Gülen enthalten. Der islamische Geistliche, der aus dem Exil in den USA ein internationales Netz von Stiftungen und Bildungseinrichtungen steuert, wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch verantwortlich gemacht.

Gülen war Anfang der 2000er Jahre ein enger Verbündeter des heutigen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. 2012 kam es zum Bruch. Heute gilt Gülen als Staatsfeind Nummer eins, seine Bewegung wird als Terrororganisation eingestuft. Der Geistliche bestreitet jede Beteiligung an dem versuchten Umsturz.

Nach Angaben des internationalen Autorenverbandes PEN haben die türkischen Behörden seit dem Putschversuch 200 Medienunternehmen und Verlage geschlossen. Gegen 80 Schriftsteller wurden Ermittlungsverfahren wegen „Terrorpropaganda“ eingeleitet. Mehr als 34 000 Lehrer staatlicher und privater Schulen wurden entlassen. 1284 Privatschulen und 15 private Universitäten, die der Gülen-Bewegung zugerechnet wurden, ließ die Regierung per Dekret schließen.

Autorenverband protestiert

In einem 2018 veröffentlichten Bericht zur Situation der Autoren und Verlage in der Türkei konstatiert der Verband PEN eine „Krise der Meinungsfreiheit“ in der Türkei. „Die Regierung hat ihren Einfluss auf die Medien und den Buchmarkt dramatisch verstärkt und kritische Stimmen zum Schweigen gebracht“, heißt es in dem Bericht. „Wir appellieren an die türkischen Behörden, die Wiederöffnung und unabhängige Arbeit geschlossener Verlage zu erlauben und die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung zu beenden“, fordert der Schriftstellerverband.

Unterdessen hat ein türkisches Gericht die Anordnung zur Sperrung eines großen unabhängigen Internetmediums rückgängig gemacht. Das sagte am Donnerstag die Rechtsanwältin der betroffenen Nachrichtenplattform „Bianet“, Meric Eyüboglu. „Bianet“ sei „irrtümlich“ auf eine lange Liste von Internet-Adressen geraten, die blockiert werden sollen, und bereits am Tag nach dem Urteil Mitte Juli wieder von der Liste genommen worden. „Bianet“ sei allerdings zunächst weder über das ursprüngliche Urteil noch über die Korrektur informiert worden.

Mit dem gleichen Urteil hatte der Richter auf Antrag der Polizei die Sperrung von 135 weiteren Internetseiten angeordnet. Viele der aufgelisteten Seiten waren zunächst noch zugänglich. Auf der Liste stehen Twitter- und Instagram-Konten sowie Facebook-Seiten von oppositionellen Politikern, Künstlern und Medien. Die „Bianet“-Anwältin sprach von „groß angelegter Zensur“.

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