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Schüsse im Regierungsviertel: Versuchter Putsch in Burkina Faso

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Von: Johannes Dieterich

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Soldaten am Freitagmittag in Ouagadougou.
Soldaten am Freitagmittag in Ouagadougou. © afp

Anscheinend haben Teile der Armee am Freitag in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou einen neuerlichen Putschversuch gewagt. Präsident wirbt für Ruhe und Besonnenheit.

Im westafrikanischen Burkina Faso ist es am Freitag anscheinend zu einem Putschversuch gegen die Regierung des zu Jahresbeginn ebenfalls durch einen Militärcoup an die Macht gekommenen Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba gekommen. Wie aus der Hauptstadt Ouagadougou berichtet wird, kam es am Freitagfrüh nahe einer zentralen Kaserne zu Schusswechseln. Außerdem sei aus Richtung des Präsidentenpalastes eine Detonation zu hören gewesen, heißt es.

Über Twitter verbreitete Videos zeigen von der Armee abgesperrte Straßenzüge – auch vor dem Parlament, dem Büro des Premiers und der staatlichen Rundfunkanstalt fuhren gepanzerte Fahrzeuge auf. Der TV-Sender stellte sein Programm zunächst ein, später wurden Sendungen über den Anbau von Baumwolle ausgestrahlt. Wer hinter den Aktionen steht, stand bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitung nicht fest.

Aktuelle Situation

In jüngster Zeit hat sich die Sicherheitslage in Burkina Faso verschlechtert, was den Druck auf die Übergangsregierung von Damiba verstärkte. Im Grenzgebiet zu Mali und Niger, also im Norden Burkina Fasos, hatte es im September zwei schwere Anschläge auf Versorgungskonvois gegeben. Dutzende Soldaten und Zivilisten wurden getötet. Da Teile des Landes von der Versorgung mit Lebensmitteln abgeschnitten sind, erfolgt der Nachschub zum Teil über militärisch gesicherte Konvois. (dpa)

Präsident Damiba warb am Freitag für Ruhe und Besonnenheit. Es habe „Verstimmungen bei gewissen Mitgliedern der nationalen Streitkräfte“ gegeben, hieß es in einer Mitteilung. Es liefen Verhandlungen, um die „unübersichtliche Situation“ zu klären. Auf den Straßen Ouagadougous kam es am Freitagmittag laut dem Portal „leFaso.net“ zu Protesten.

Das rund 22 Millionen Einwohner:innen zählende Burkina Faso wird seit sieben Jahren wie die Nachbarstaaten Mali und Niger von Gruppierungen islamistischer Extremisten destabilisiert, die entweder mit dem Terrornetzwerk al-Kaida oder dem „Islamischen Staat“ verbündet sind. Ihr blutiger Konflikt mit den Sicherheitskräften kostete bereits Tausenden von Burkinabe das Leben und vertrieb mehr als zwei Millionen. mit FR

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