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Für gute Laune kann er jedenfalls noch sorgen: Gerhard Schröder im brandenburgischen Meyenburg.

SPD

Schröder kämpft für die Genossen in Brandenburg

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Altkanzler rät der Landes-SPD auf den amtierenden Ministerpräsident Dietmar Woidke zu setzen.

Er ist auch mit 75 Jahren immer noch für eine Überraschung gut. Da steht Gerhard Schröder, der letzte lebende Altkanzler der Bundesrepublik, ein Mann, der für alles, aber nicht für seine Bescheidenheit berühmt geworden ist; er beginnt sein Statement mit einem Geständnis. „Wissen Sie“, sagt er, „meine handwerklichen Fähigkeiten sind sehr begrenzt.“

Schröder ist nach Meyenburg gekommen, ein Ort in der brandenburgischen Prignitz. Gut 2000 Einwohner, ein großer Arbeitgeber, das Meyenburger Möbelwerk. Rund 450 Mitarbeiter arbeiten in dem früheren volkseigenen Betrieb. Sie stellen Produkte her, die nahezu jeder in Deutschland kennt: das Regal Billy und die Kommode Malm – beide gefertigt im Auftrag des schwedischen Möbel-Giganten Ikea.

Billy, sagt Schröder anerkennend, sei nicht nur das berühmteste Bücherregal der Welt, sondern auch Teil seiner persönlichen Lebensgeschichte. „Es ist das einzige Möbelstück, dass ich jemals selbst erfolgreich zusammengeschraubt habe.“ Beim Ikea-Schuhschrank, den er danach in Angriff genommen habe, sei er gescheitert, sagt Schröder und grinst. „Da schauten die Schrauben am Ende oben aus der Platte raus“.

Soyeon Schröder-Kim, Schröders fünfte Ehefrau, muss an dieser Stelle lachen. „Wie gut“, sagt sie, „dass wir uns unser Schuhschränke haben liefern lassen. Da konntest Du sie nicht kaputtmachen.“

Nun steht zu vermuten, dass die in Meyenburg gefertigten Möbel nicht ganz der Preisklasse entsprechen, in der die Eheleute Schröder sich einzurichten pflegen. Aber die beiden sind auch nicht zum Möbelshoppen in die Brandenburger Idylle gefahren. Der Altkanzler will Wahlkampf machen, seine Frau begleitet ihn.

Am 1. September wählen die Brandenburger einen neuen Landtag. Ausweislich jüngster Umfragen sieht es so aus, als würde die SPD auch bei dieser Wahl schwer unter die Räder kommen. Bei 18 Prozent taxieren die Demoskopen die mit der Linkspartei regierenden Sozialdemokraten noch, es wäre ein Absturz um fast 14 Prozentpunkte.

In ihrer Not greifen die Genossen gerade nach jedem Strohhalm und natürlich ist ihnen da auch die Unterstützung des Altkanzlers hoch willkommen. Immerhin ist Schröder einer, der noch Wahlen für die SPD gewonnen hat. Und wie. Seine 40,9 Prozent bei der Bundestagswahl 1998 wirken für die Genossen heute wie Ergebnisse aus einer anderen Galaxie. „Schröders Rat ist immer noch gefragt“, sagt die Vizevorsitzende der brandenburgischen SPD Katrin Lange, die den Besuch eingefädelt hat. „Vielleicht hat er ja auch einen für uns.“

Und Schröder, neue Bescheidenheit hin oder her, hat natürlich einen. Vereinfacht gesagt reichen ihm dafür fünf Worte: Ganz auf den Ministerpräsidenten setzen.

„Die aktuellen Umfragezahlen der Brandenburger SPD haben nichts mit Landespolitik zu tun“, referiert Schröder. „Im Gegenteil – Dietmar Woidke ist ein hervorragender Ministerpräsident, der ausgesprochen gute Politik für sein Bundesland macht“, sagt der Altkanzler. Das müsse man nun herausstellen, dann klappe es auch mit der Wiederwahl.

Und das Rezept für die Krise der SPD im Bund?

Da muss Schröder schon etwas länger grübeln. Er weiß, dass es manche gibt, die auch ihm und seiner Agendapolitik eine Verantwortung für den aktuellen Zustand der Sozialdemokratie zuschreiben. Auch Schröders offene Attacke gegen Andrea Nahles hat ihm manch ein Genosse übel genommen. „Amateurfehler“ hatte er der damaligen SPD-Chefin Anfang des Jahres vorgeworfen und ihre Wirtschaftskompetenz in Frage gestellt.

Inzwischen ist Nahles zurückgetreten, die Probleme der SPD sind aber geblieben. Zu der nun ehemaligen Vorsitzenden will Schröder gar nichts mehr sagen, „das ist doch schon Parteigeschichte“ findet er. Auch mit Ratschlägen an die Übergangsführung hält er sich zurück. „Ich habe mich früher immer geärgert, wenn die Altvorderen Ratschläge gegeben haben“, sagt er. Die Partei müsse sich nun hinter dem kommissarischen Vorsitzendentrio versammeln.

Aber die Frage, wie die SPD nun aus der Krise kommen kann, die beschäftigt ihn dann doch. „Glaubwürdige Politik gemacht von glaubwürdigen Leuten“, sagt Schröder schließlich, „das ist die einzige Möglichkeit, die man hat.“

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