Carsten Linnemann

Der schreibende Rebell der Union

  • schließen

Buch mit Botschaft: Carsten Linnemann will den „politischen Islam“ zurückdrängen.

Als er an seiner Doktorarbeit schrieb, verbrachte Carsten Linnemann zwei Monate in Saudi-Arabien. Zwei Beobachtungen blieben dem heutigen Unions-Fraktionsvize besonders in Erinnerung: die zwei Kassen einer McDonalds-Filiale in Riad, nach Geschlechtern unterschieden, und die von der Zensur geschwärzten Unterarme von Frauen in eingeflogenen deutschen Wochenmagazinen.

Befremdlich habe das gewirkt, als Gast aber hatte er „diese Sitten selbstverständlich zu respektieren“, schreibt Linnemann in seinem Buch „Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“. „Anders sieht es aus, wenn bestimmte Lebensweisen und Regeln nach Deutschland importiert und in Deutschland gelebt werden, die unserer freiheitlichen Rechtsordnung fundamental widersprechen“, schreibt Linnemann. Er ruft zu Toleranz mit Grenzen auf. Den Grenzverlauf skizziert er in seinem Buch.

Der CDU-Abgeordnete aus Paderborn ist bisher nicht als Integrationspolitiker aufgefallen. Als Chef der einflussreichen Mittelstandsvereinigung der Union ist der 41-Jährige für die wirtschaftsliberale Profilierung der Union zuständig. Dabei gibt er gern den parteiinternen Rebellen. Linnemann zählt zu Merkels schärfsten Kritikern. Dass er lieber Friedrich Merz als Annegret Kramp-Karrenbauer zum Parteichef gehabt hätte, hat er nie verheimlicht. Schon vor zwei Jahren hatte er als Buchautor für Irritation in den eigenen Reihen gesorgt. Der Titel: „Die machen eh, was sie wollen: Wut, Frust, Unbehagen – Politik muss besser werden“. Und das war durchaus auch an die Parteikollegen adressiert.

Kurz nachdem die CDU in ihrem „Werkstattgespräch“ ihre Haltung zur Flüchtlingsbewegung 2015 neu formuliert hat, setzt Linnemann nun mit dem von ihm und dem früheren bayerischen Justizminister Winfried Bausback herausgegebenen Buch einen eigenen Akzent. „Die Gesellschaft ist in der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, tief gespalten. Wir möchten eine Brücke bauen, indem wir sagen: Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Dazu versammelt er im Buch praxisnahe Aufsätze zahlreicher Kritiker des politischen Islam , etwa von der Soziologin Necla Kelek, vom Psychologen Ahmad Mansour und auch vom grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

Linnemann selbst liefert Vorschläge zur Eindämmung des politischen Islam. Er will einen angeblichen „Kulturrabatt“ für Muslime in der Rechtsprechung abschaffen, Kinderkopftücher in Schulen und Kitas verbieten, Moscheen zum Offenlegen ihrer Finanzen zwingen und eine Visapflicht für ausländische Imame einführen, gepaart mit Sprachnachweis und Sicherheitsüberprüfung. „Die Zurückdrängung des radikalen Islam steht im Koalitionsvertrag. Das Thema muss jetzt auf die Agenda der großen Koalition“, fordert Linnemann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion