Die Schreckensnacht im Februar

Der Historiker Thomas Weichel hat ein Buch über "Wiesbaden im Bombenkrieg 1941-1945" geschrieben"Wiesbaden im Bombenkrieg" und "Die Schreckensnacht vom 2. auf 3. Februar 1945" dokumentiert der Wiesbadener Historiker Thomas Weichel in seinem neuen Buch. Der Bildband ergänzt die geplanten Gedenkveranstaltungen zum 60. Jahrestag der Bombardierung im Februar 2005.

Von MARGIT FEHLINGER

Wiesbaden · 26. November · Der Luftangriff der britischen Bomber in der Nacht vom 2. auf 3. Februar 1945 war schrecklich, "aber alles hätte noch viel schlimmer kommen können". Zu desem Ergebnis kommt der Wiesbadener Historiker Thomas Weichel nach den Recherchen für sein neues Buch "Wiesbaden im Bombenkrieg 1941-1945", das jetzt rechtzeitig vor den geplanten Gedenkveranstaltungen zur verheerenden Bombennacht vor 60 Jahren erschienen ist.

Die Schreckensbilanz des Großangriffs kurz vor Kriegsende: Annähernd 600 Menschen starben, ein Drittel der Stadt lag in Schutt und Asche. Dennoch hatten die Wiesbadener nach den Forschungen Thomas Weichels "Glück im Unglück": Von den 345 Minenbomben hätten nur höchstens 60 eingeschlagen. Wären alle über der Stadt niedergegangen, "wäre vom historischen Wiesbaden nichts übrig geblieben". Grund dafür, dass die britischen Bomber die Stadt nicht dem Erdboden gleich gemacht haben: Sie konnten nicht gezielt abwerfen.

Die Nacht war bewölkt, und von den zwölf gestarteten "Zielmarkierern" der feindlichen Luftwaffe seien nur vier in Wiesbaden angekommen. Die Armada von fast 500 viermotorigen Lancaster-Bombern mit über 2000 Tonnen Sprenglast hätten zum größten Teil ihr Ziel verfehlt.

Thomas Weichel, der im Stadtarchiv für Film-, Ton- und Bilddokumente zuständig ist, widerlegt in seinem Buch auch das hartnäckige Gerücht, die Alliierten hätten Wiesbaden "verschont", weil die Amerikaner den noblen Kurort als Sitz ihrer Militärregierung ausgeguckt hätten. "Dafür", sagt Thomas Weichel, "gibt es keinerlei Beweise". Dass die Stadt bei Luftangriffen vergleichsweise glimpflich davon gekommen sei, hält er "eher für einen Zufall". Wiesbaden sei "kein Primär-, sondern häufig Verlegenheitsziel" der Alliierten gewesen.

Thomas Weichel belegt dies in seinem Buch mit dem Beispiel des 28. Juli 1944: Amerikanische Bomber sollten eigentlich die Leuna-Werke in Merseburg angreifen. Die lagen an diesem Tag aber unter einer geschlossenen Wolkendecke, außerdem wurden die ersten Einheiten des amerikanischen Bomberverbandes von deutschen Jagdfliegern heftig attackiert. Also drehten 18 amerikanische Maschinen ab und suchten sich nach dem Quellenstudium Thomas Weichels den Wiesbadener Hauptbahnhof als "Gelegenheitsziel" aus.

Bereits im Mai 1941 waren Bomben auf die Kurstadt gefallen und hatten in der Fritz-Kalle-Straße mehrere Häuser zerstört. Im Oktober 1943 folgte ein größerer Luftangriff, bei dem mindestens 29 Opfer zu beklagen waren. Weitere folgten 1944. Der schwerste Angriff in der Februarnacht 1945 steht im Mittelpunkt des Buchs, das in einer Auflage von 2500 Exemplaren im Wartberg Verlag erschienen ist. Die 110 Abbildungen stammen teilweise aus privaten Quellen.

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